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Geschworene selber Opfer sexueller Gewalt – Neuauflage des Maxwell-Prozesses gefordert

06.01.2022, 15:4506.01.2022, 16:23

Nach dem Schuldspruch gegen die Ex-Partnerin des gestorbenen US-Multimillionärs Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, wollen ihre Verteidiger eine Neuauflage des Prozesses beantragen. Grund seien Äusserungen eines Geschworenen: Dieser erzählte jüngst in Interviews, selbst Opfer sexuellen Missbrauchs gewesen zu sein.

Die Jury beim Maxwell-Prozess
Die Jury beim Maxwell-ProzessBild: keystone

«Ich weiss, was geschah, als ich sexuell missbraucht wurde», sagte das Jury-Mitglied dem britischen «Independent». «Ich erinnere mich an die Farbe des Teppichs und der Wände». Es gebe aber auch Details, an die er sich nicht mehr erinnere. Er habe seine Geschichte bei den Jury-Beratungen geschildert. Dabei sei es ganz still geworden. Er glaube, er habe den anderen helfen können, die Opfer zu verstehen.

Anlaufstellen für Opfer von sexueller Gewalt
Sexuelle Übergriffe können in den unterschiedlichsten Kontexten stattfinden. Hilfe im Verdachtsfall oder bei erlebter sexueller Gewalt bieten etwa die kantonalen Opferhilfestellen oder die «Frauenberatung sexuelle Gewalt». Für Jugendliche oder in der Kindheit sexuell ausgebeutete Erwachsene gibt es die Stelle «Castagna».

Maxwells Verteidiger informierten die New Yorker Bundesrichterin Alison Nathan am Mittwoch (Ortszeit) in einem Schreiben. Nathan setzte daraufhin eine Frist bis zum 19. Januar an, um einen möglichen Antrag auf ein neues Verfahren zu verhandeln. Die Richterin lehnte jedoch ab, bis dahin alle übrigen Beratungen in dem Verfahren auszusetzen. Die Maxwell-Verteidiger forderten auch eine Prüfung des Auswahlprozesses der Geschworenen.

Auch ein zweites Mitglied der Geschworenen-Jury, das darum bat, anonym zu bleiben, berichtete am Mittwoch der «New York Times», es habe als Kind sexuellen Missbrauch erfahren und bei Jury-Beratungen darüber gesprochen.

Die Enthüllungen der beiden Geschworenen könnten problematisch sein, sollten diese ihre Erfahrungen dem Gericht nicht vor Prozessbeginn offengelegt haben, schrieb die «New York Times» weiter. Alle potenziellen Geschworenen seien in einem vertraulichen Fragebogen gefragt worden, ob sie, Verwandte oder Freunde Opfer von sexuellem Missbrauch waren. In einem Interview mit der britischen «Daily Mail» sagte eines der beiden Jury-Mitglieder, er könne sich an Einzelheiten des Fragebogens nicht mehr erinnern, fügte aber hinzu, er habe alle Fragen wahrheitsgemäss beantwortet.

Maxwell war in sechs Punkten angeklagt, unter anderem wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zu Missbrauchszwecken. In diesem und vier weiteren Anklagepunkten war sie Ende Dezember schuldig gesprochen worden. Die Britin habe als Helferin ihres Ex-Partners Epstein eine zentrale Rolle beim Aufbau von dessen Ring zum sexuellen Missbrauch junger Mädchen gespielt, hatte die Jury in New York entschieden. Der 60-Jährigen drohen mehrere Jahrzehnte in Haft. (sda/dpa)

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