Milei wütend, Iran wehrt sich gegen Trump: Das fiel am 2. Tag des UNO-Gipfels auf
Selenskyj bezeichnet Putin als «Patient Null» der Kriegstreiberei
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bei der UNO-Generalversammlung erneut an die Weltgemeinschaft appelliert, Russland gemeinsam aufzuhalten. Dabei sprach er nicht nur von der Last, die sein eigenes Land seit nunmehr über viereinhalb Jahren des russischen Angriffskriegs tragen müsse. Denn Moskau bedrohe auch die Republik Moldau, Polen und die baltischen Staaten, warnte Selenskyj.
Russland unter Kremlchef Putin respektiere die Selbstständigkeit der Staaten im Südkaukasus und in Zentralasien nicht. So hätten auch Syrien und Länder in Afrika leidvolle Erfahrungen mit russischer Brutalität gemacht.
Ausserdem habe Nordkorea seine Militärtechnik in Kooperation mit Russland weiterentwickelt und werde zu einer grösseren Gefahr für seine asiatischen Nachbarn, sagte Selenskyj vor den Vereinten Nationen.
Selenskyj bezeichnete Putin als «Patient Null, von dem die Idee des Krieges sich immer weiter verbreitet». Durch ihn werde die Welt für alle anderen gefährlicher. «Deshalb muss der Patient Null gestoppt werden, man muss ihm den Raum nehmen, zu handeln und das Böse zu verbreiten.»
Iran wehrt sich gegen Trump-Drohungen
Am Mittwoch hat auch Irans Präsident Massud Peseschkian eine Rede vor den Vereinten Nationen gehalten. Darin hat er scharfe Kritik von Donald Trump zurückgewiesen. Der US-Präsident hatte dem Iran in seiner Rede am Vortag zwei mögliche Optionen für den weiteren Verlauf des Konflikts skizziert: ein Abkommen, das es dem Iran erlaube, zu grosser wirtschaftlicher Stärke zurückzufinden. Oder die Vernichtung der Islamischen Republik, um dem Iran «niemals wieder die Chance zu geben, Menschen zu töten und Länder zu zerstören».
«Gestern sagte der Präsident der Vereinigten Staaten, wir seien Terroristen. Wir sind Opfer des Terrorismus», sagte Peseschkian. Der US-Vertreter verliess bei der Rede des iranischen Präsidenten unterdessen demonstrativ den Saal.
Peseschkian beklagt «Politik der Gewalt»
Irans Präsident beklagte in seiner Rede eine internationale Ordnung der «Gewalttätigen». Er sagte:
US-Präsident Trump solle «wissen, dass die Drohung gegen unsere Nation uns geschlossener macht, stärker macht und den Widerstand der Iraner vergrössert.» Der Iran wolle Zusammenarbeit mit der Welt. «Entweder werden wir die Sicherheit miteinander schaffen, oder wir werden die Unsicherheit miteinander ertragen.» Sein Land werde die zivile Nutzung von Kernenergie nicht aufgeben, sagte er weiter.
KI-Chefs warnen vor Gefahren «für die gesamte Menschheit»
Führende Vertreter der Technologiebranche haben den UNO-Sicherheitsrat erneut vor den wachsenden Gefahren durch künstliche Intelligenz gewarnt.
«Wenn sie schlecht verwaltet wird, glaube ich sogar, dass KI ein Risiko für die gesamte Menschheit darstellen könnte», sagte Anthropic-Chef Dario Amodei am Mittwoch. Es war der erste Auftritt der Firmenchefs vor dem Sicherheitsrat und das erste Mal, dass sich das Gremium während der Generaldebatte mit dem Thema beschäftigte.
Auch OpenAI-Chef Sam Altman sprach vor dem 15-köpfigen Gremium. Niemand sollte KI-Modelle entwickeln, von denen er nicht garantieren könnte, dass er sie unter menschlicher Kontrolle halten könne, sagte Altman. Er forderte eine internationale Zusammenarbeit und gab zu:
Amodei und Altman hatten erst vor Kurzem dazu aufgerufen, die Entwicklung der Technologie zu verlangsamen. Die dadurch «gewonnene Zeit» solle sinnvoll genutzt werden, um die durch KI entstehenden Risiken besser zu verstehen und einzudämmen.
Cassis: Ohne USA passiert in dieser Welt nicht viel
Aussenminister Ignazio Cassis sagte am Mittwoch in New York, die Schweiz wolle ihre diplomatischen Kanäle zum Iran und zu den Konfliktparteien im Krieg in der Ukraine weiter nutzen, um festgefahrene Prozesse wieder in Gang zu bringen.
Bern könne Gespräche ermöglichen und erste Schritte anstossen, verfüge aber nicht über die politische und militärische Macht der USA, um Konfliktparteien zu einem Kompromiss zu zwingen, sagte Cassis. Ohne die Vereinigten Staaten passiere in dieser Welt nicht viel, meinte der Bundesrat vor Medienvertretern.
An der Rede von US-Präsident Donald Trump sehe man deutlich, welche Rolle die USA spielen wollten und auch könnten, sagte Cassis. «Trotz all ihrer Schwächen, trotz des Stils, den wir vielleicht nicht mögen, und trotz der Wortwahl, die nicht immer angemessen ist», fügte Cassis an.
Milei attackiert UN und pocht auf Falkland-Anspruch
Argentiniens Präsident Javier Milei hat die Vereinten Nationen scharf kritisiert und den Anspruch seines Landes auf die Falklandinseln bekräftigt. Die UN sei zu einer «nutzlosen Organisation» geworden, die nur dazu diene, «eine Kaste fatal arroganter Parasiten» zu ernähren, sagte Milei.
Besonders kritisch äusserte sich Milei zum seit Jahrzehnten andauernden Streit mit Grossbritannien um die Inselgruppe. «Die Falklandinseln sind für uns eine nationale Sache», sagte der Präsident. Die britische Delegation verfolgte seine Ausführungen regungslos.
Milei bezog sich bei seiner Rede auf eine UN-Resolution aus dem Jahr 1976, in der Grossbritannien und Argentinien aufgefordert werden, den Streit durch Verhandlungen beizulegen. «Keine Worte und keine Resolutionen fehlen, was fehlt, ist, dass sie Konsequenzen haben», sagte Milei.
Auch die britische Erschliessung von Ölvorkommen in dem umstrittenen Gebiet kritisierte Milei. Das Projekt «Sea Lion» im Nord-Falkland-Becken erfolge über britische Lizenzen, die Argentinien als illegitim zurückweise. Milei forderte London auf, die Verhandlungen wieder aufzunehmen.
(hkl, mit Material von Keystone-SDA)
