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Sonnenuntergang über dem berühmten Tempel «Tanah Lot» auf Bali.
Sonnenuntergang über dem berühmten Tempel «Tanah Lot» auf Bali.

Ein «Trump Tower» für Bali? – Hotelpläne lassen die Götter erzürnen

28.07.2017, 14:05

Auf Bali gibt es ein eisernes Gesetz: kein Haus grösser als eine Kokospalme. Auch, um Götter und Dämonen nicht zu verärgern. Jetzt aber soll die indonesische Insel ein Luxushotel samt «Trump Tower» bekommen. Der Zorn ist gross.

Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was US-Präsident Donald Trump hier oben sagen würde, an der Küste von Bali, ein paar Dutzend Meter über dem Indischen Ozean. Amazing. So great.

Und natürlich würde kein Mensch auf der Welt bestreiten, dass der Blick auf den Hindutempel Tanah Lot und dann hinaus aufs Meer ganz wunderbar ist und grossartig dazu. Problem nur: Eine von Trumps Firmen will genau hier ein Mega-Hotel bauen.

An diesem Wochenende hat das Fünf-Sterne-Haus «Nirwana Pan Pacific», das im Moment noch an der Stelle steht, das letzte Mal geöffnet. Am Montag macht der Betrieb dicht, dann kommen die Abrissbagger.

In zwei, drei Jahren soll hier das «Trump International Hotel&Tower Bali» samt 18-Loch-Golfplatz eröffnen. Alles noch «exklusiver» - bei Zimmerpreisen von jetzt schon 425 US-Dollar aufwärts nicht ganz einfach.

Das «Nirwana Pan Pacific» macht am Montag dicht, dann fahren die Bagger auf.

Angst trotz viel Massentourismus

Die genauen Pläne sind noch nicht bekannt. Die Einheimischen auf Indonesiens beliebtester Ferieninsel (2016: fast fünf Millionen Besucher) sorgen sich jedoch besonders wegen des «Tower» im Namen. Auf Bali gibt es tatsächlich ein Gesetz, dass kein Bau höher sein darf als eine Kokospalme: 15 Meter. Hochhäuser, wie man sie aus dem Immobilienbesitz des US-Präsidenten kennt, gibt es hier keine.

Die Vorstellung, das ein Trump-Tower Tanah Lot überragen würde - auch wenn es dort viel Massentourismus gibt -, schreckt viele. Es ist aber nicht nur das Gesetz. Die meisten Leute auf Bali sind überzeugt: Wer höher baut als eine Palme, ruft den Zorn der Götter und Dämonen hervor.

Man muss das durchaus ernst nehmen. Für Hindus - 80 Prozent der Inselbevölkerung - ist es vollkommen üblich, die Gottheiten mehrmals am Tag mit Opfergaben gnädig zu stimmen.

Partnerschaft mit indonesischem «Trump»

Auch im «Nirwana» finden sich kurz vor dem Abriss noch an vielen Stellen Körbchen aus Bananenblättern mit Räucherstäbchen, Reis und meist auch ein wenig Geld.

Eine Hotelangestellte, die den Namen nicht nennen will, sagt: «Wenn der US-Präsident gegen unsere Regeln verstösst, rächen sich die Götter auch an ihm.» Dass Trump nach dem Wahlsieg die Firmengeschäfte den Kindern übertragen hat, spielt für sie keine Rolle.

Für das Projekt hatte sich der Immobilienunternehmer 2015 - noch vor seiner Zeit als Präsident - mit dem Geschäftsmann Hary Tanoesoedibjo zusammengetan, eine Art indonesische Version von Trump. Immobilien, Hotels, Miss-Wahlen macht er mit seiner Holding MNC Group alles auch. Der chinesisch-stämmige Milliardär hat auch schon angekündigt, 2019 bei der Präsidentenwahl kandidieren zu wollen.

Trumps Geschäftspartner vor Ort: Immobilienmogul Hary Tanoesoedibjo.
Trumps Geschäftspartner vor Ort: Immobilienmogul Hary Tanoesoedibjo.Bild: EPA/EPA

Bauern wehren sich

Was nun das Hotel angeht, bemühen sich die Leute von «Tanoe» und Trump derzeit darum, zusätzlich zum schon aufgekauften Gelände des alten Hotels (103 Hektar) noch mehr Land in ihren Besitz zu bringen.

«Donald Trump mag unterschiedliche Traditionen und eine unterschiedliche Kultur haben. Aber wenn er hierher kommt, muss er sich an unsere halten.»
Made Sumawa, Dorfvorstehr Beraban.

Viele Reisbauern weigern sich aber, Grundstücke zu verkaufen, die seit Generationen der Familie gehören. In Tanah Lot, einem Bau aus dem 16. Jahrhundert und Weltkulturerbe, ist Tradition noch wichtiger als sonst.

Der Vorsteher des nächsten Dorfes Beraban, Made Sumawa, sagt: «Land hat eine grosse Bedeutung für uns alle. Donald Trump mag unterschiedliche Traditionen und eine unterschiedliche Kultur haben. Aber wenn er hierher kommt, muss er sich an unsere halten.»

Inzwischen hat die Projektgesellschaft zwar versichert, dass sie die «lokalen kulturelle Werte» beachten werde. Aber ob das dann tatsächlich auch passiert, weiss man noch nicht.

Hoffnung auf Arbeitsplätze

Es gibt aber auch Leute, die die Pläne gutheissen. Von den Hotelangestellten hoffen viele, dass das «Trump International Hotel&Tower Bali» so schnell wie möglich aufmachen wird.

Mehrere hundert Arbeitsplätze hängen davon ab. Auch Dorfvorsteher Sumawa sagt: «Wenn schnell gebaut wird, bedeutet das Jobs.»

Die Obamas beim River-Rafting auf Bali.
Die Obamas beim River-Rafting auf Bali.Bild: EPA/EPA

Der prominenteste Bali-Tourist des bisherigen Jahres hielt sich aus der ganzen Angelegenheit übrigens heraus. Als Trumps Vorgänger Barack Obama kürzlich auf der Insel war, machte er einen grossen Bogen ums «Nirwana» und auch um Tanah Lot. Der Ex-Präsident stieg mit dem Rest der Familie im «Four Seasons» ab, in Ubud, anderthalb Autostunden weiter im Landesinneren. (sda/dpa)

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