International
USA

Trumps Kampf um Texas: «Es ist entscheidend»

President Donald Trump dances at a campaign rally at the Freeman Coliseum in San Antonio, Wednesday, Oct. 7, 2026. (AP Photo/Eric Gay)
Trump
Donald Trump tanzt bei einer Wahlkampfveranstaltung im texanischen San Antonio.Bild: keystone

Trump wirbt in Texas erneut für Paxton – trotz geleakter Kritik

Donald Trump ist innerhalb weniger Wochen zum dritten Mal nach Texas gereist. Der US-Präsident will dem republikanischen Senatskandidaten Ken Paxton helfen – obwohl dieser hinter verschlossenen Türen ausgerechnet Trumps Politik und Auftritte für seine Probleme im Wahlkampf verantwortlich gemacht haben soll.
08.10.2026, 04:4208.10.2026, 04:57

Eigentlich sollte Texas für die Republikaner kein Sorgenkind sein. Seit mehr als 30 Jahren hat dort kein Demokrat mehr eine landesweite Wahl gewonnen. Doch im Rennen um einen Sitz im US-Senat liefern sich der republikanische Kandidat Ken Paxton und der Demokrat James Talarico einen überraschend engen Wahlkampf. Axios

Nun greift US-Präsident Donald Trump persönlich ein. Am Mittwoch trat er in San Antonio gemeinsam mit Paxton auf. Es war bereits Trumps dritter Besuch in Texas innerhalb von weniger als einem Monat. Auch in anderen traditionell republikanischen Bundesstaaten ist der Präsident derzeit intensiv im Wahlkampf unterwegs. CNN zufolge setzt sein Umfeld darauf, vor allem die republikanische Basis für die Zwischenwahlen vom 3. November zu mobilisieren.

Dabei ist das Verhältnis zwischen Trump und Paxton komplizierter, als der gemeinsame Auftritt vermuten lässt.

Paxton macht Iran-Krieg und Treibstoffpreise verantwortlich

Kurz vor Trumps Reise veröffentlichte Axios Aufnahmen eines privaten Treffens von Paxton mit Spendern und Lobbyisten. Darin soll der republikanische Kandidat erklärt haben, dass unter anderem der Krieg gegen den Iran sowie die hohen Benzin- und Dieselpreise seiner Kampagne schadeten.

Paxton betonte demnach, dass er über solche politischen Entscheidungen nicht selbst bestimme. Seine Kampagne spielte die Aussagen anschliessend herunter. Eine Sprecherin erklärte, Paxton habe lediglich ausgesprochen, was viele Menschen in Texas spürten: Die hohen Treibstoff- und Lebensmittelpreise belasteten die Bevölkerung. Trump unternehme alles, um diese zu senken.

Es war nicht die erste Aufnahme, die für Spannungen sorgte. Zuvor war bereits publik geworden, dass Paxton bei einem privaten Gespräch die Wirkung eines von Trump organisierten republikanischen Parteitreffens in Dallas kritisiert hatte.

Nach Darstellung von CNN sagte Paxton, seine Umfragewerte seien nach der Veranstaltung gesunken. Zudem beklagte er, kaum noch Kontrolle über die eigene Kampagne zu haben, weil viele Entscheidungen aus Washington kämen. Seine Berater wiesen die Berichte als verzerrt zurück.

Auf der Bühne demonstrieren beide Einigkeit

Von den Spannungen war am Mittwochabend allerdings wenig zu sehen. Trump lobte Paxton vor seinen Anhängern und präsentierte sich demonstrativ als Unterstützer des Republikaners. Paxton bedankte sich seinerseits beim Präsidenten für dessen Auftritt in San Antonio.

Dabei hatte Trump seinen Parteikollegen zuletzt wiederholt mit wenig schmeichelhaften Bemerkungen bedacht. Bei einem Auftritt in Denton bezeichnete er Paxton zwar als einen seiner loyalsten Unterstützer, fügte aber hinzu, dieser könne manchmal «a pain in the ass» sein. Auch über Paxtons Kleidung hatte sich der Präsident bei früheren Veranstaltungen öffentlich lustig gemacht.

Trotzdem hält Trump an seiner Unterstützung fest. Bereits in der republikanischen Vorwahl stellte er sich hinter Paxton und gegen den langjährigen Senator John Cornyn. Paxton setzte sich schliesslich durch und tritt nun gegen den demokratischen Abgeordneten James Talarico an.

Republikaner stecken enorme Summen in Texas

Dass Trump nun so häufig persönlich nach Texas reist, zeigt auch die Bedeutung des Rennens für die Republikaner. Ein Sitz, der vor wenigen Monaten noch als vergleichsweise sicher galt, bindet inzwischen enorme finanzielle Ressourcen.

Ein neu gegründetes politisches Aktionskomitee gab laut Axios innerhalb von nur 17 Tagen rund 131 Millionen Dollar aus, um Paxton zu unterstützen. Auch Trumps eigenes Super-PAC MAGA Inc. investierte bereits Millionen in den Wahlkampf.

CNN zufolge haben republikanische Kandidaten und ihnen nahestehende Gruppen seit Ende der parteiinternen Vorwahl deutlich mehr Geld für Werbung ausgegeben als die Demokraten. Für Strategen der Partei stellt sich deshalb zunehmend die Frage, wie viel Geld noch nach Texas fliessen kann, ohne andere umkämpfte Senatsrennen zu vernachlässigen.

Ein republikanischer Stratege sagte, es könne letztlich zwischen 100 und 200 Millionen Dollar kosten, Paxtons Sitz zu sichern. Sollte die Partei gleichzeitig in anderen Bundesstaaten Sitze verlieren, dürfte die Entscheidung, so viel Geld nach Texas zu lenken, nach der Wahl intensiv diskutiert werden.

Paxton bringt eigenes politisches Gepäck mit

Dass das Rennen überhaupt so umkämpft ist, führen republikanische Strategen nicht allein auf das nationale politische Umfeld zurück. Paxton selbst ist seit Jahren mit Kontroversen konfrontiert.

2023 wurde er vom Repräsentantenhaus von Texas wegen verschiedener Vorwürfe des Amtsmissbrauchs angeklagt, später jedoch vom Senat des Bundesstaats in allen Punkten freigesprochen. Gegen ihn erhobene Vorwürfe wegen Wertpapierbetrugs wurden 2024 im Rahmen einer Vereinbarung fallengelassen. Zudem sorgten Vorwürfe über eine aussereheliche Beziehung wiederholt für Schlagzeilen.

Trump hielt dennoch stets zu ihm. Paxton wiederum gehörte seit Jahren zu den loyalsten politischen Unterstützern des Präsidenten und stellte sich beispielsweise bereits nach der Wahl 2020 prominent hinter Trump. The Texas Tribune

Texas wird zum Test für Trumps Mobilisierungskraft

Für die Republikaner geht es bei der Wahl nicht nur um Texas. Der Ausgang könnte mitentscheiden, welche Partei ab 2027 den US-Senat kontrolliert. Entsprechend versucht Trump, seine Anhänger davon zu überzeugen, die Zwischenwahl ähnlich ernst zu nehmen wie eine Präsidentschaftswahl.

Bei seinen jüngsten Auftritten forderte er seine Unterstützer wiederholt auf, sich so zu verhalten, als stünde sein eigener Name auf dem Wahlzettel. In San Antonio setzte er unter anderem auf die Themen Grenzsicherheit und Migration. Gleichzeitig wurden Besucher über Möglichkeiten zur vorzeitigen Stimmabgabe informiert.

Ob die Strategie aufgeht, wird sich am 3. November zeigen. Sicher ist bereits: Dass Trump innerhalb weniger Wochen dreimal nach Texas reist und republikanische Unterstützer dort dreistellige Millionenbeträge investieren, wäre in einem Bundesstaat, der lange als sichere republikanische Bastion galt, noch vor kurzem kaum erwartet worden. (mke)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Hurrikan «Polo» in Mexiko
1 / 10
Hurrikan «Polo» in Mexiko

Der Hurrikan «Polo» hat die mexikanische Halbinsel Niederkalifornien (Baja California) erreicht.

quelle: keystone / eduardo verdugo
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Schülerproteste in Frankreich Premierminister setzt Schulunterricht bis Ende Woche aus
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
WHO: Berichte über möglichen zweiten Todesfall in russischem Institut
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Russland um Informationen über einen möglichen weiteren Todesfall durch eine Lungenentzündung in Irkutsk gebeten. Sie bezog sich auf einen Medienbericht, der wie in diesem Fällen üblich systematisch geprüft und als glaubhaft eingeschätzt worden sei, betonte WHO-Experte Abdirahman Mahamud in Genf.
Zur Story