US-Wahlen: Warum sich die Demokraten sogar in Texas Hoffnungen machen
Beto O'Rourke verkörpert die bisweilen absurden Hoffnungen der Demokraten in Texas, die seit fast drei Jahrzehnten andauernde republikanische Alleinherrschaft zu beenden. In den vergangenen zehn Jahren bewarb er sich im «Lone Star State» um einen Sitz im US-Senat (2018) und um den Gouverneursposten (2022). Dazwischen fand Beto, wie ihn alle nennen, auch noch Zeit für eine Präsidentschaftskandidatur.
All diese Unterfangen scheiterten, zum Teil knapp, zum Teil spektakulär. Aber der immer noch jugendlich wirkende O'Rourke hält sich im Gespräch.
Nun verwendet er seine Energie darauf, in Texas neue Wähler zu registrieren. Und sie zur Stimmabgabe zu motivieren. Dabei sucht seine Organisation Powered by People gezielt nach Jungwählern, die Sympathien für die Demokraten hegen. Diese Stimmen, ist der 53-Jährige überzeugt, könnten in einem knappen Wahlkampf das Zünglein an der Waage spielen.
Auch protestiert O'Rourke oft gegen Versuche von republikanischen Offiziellen, ganz gewöhnlichen Bewohnern von Texas die Stimmabgabe zu erschweren. So wurde beispielsweise ein Wahllokal auf dem Campus einer Zweigstelle der University of Texas im Ballungsraum Dallas-Fort Worth geschlossen.
«Das ist Beto», sagt eine Studentin
Auf diesem Campus ist Beto an diesem drückend heissen Sommertag der Stargast. Powered by People will heute neue Wähler registrieren und O'Rourke will mit anpacken. Die Hemdsärmel hat er jedenfalls schon hochgekrempelt.
Zuerst aber muss er sich um seine Fans kümmern. Kaum ist er aufgekreuzt, bildet sich eine Menschentraube um den grossgewachsenen Ex-Abgeordneten. Viele junge Menschen wollen ein Foto mit ihm machen. «Das ist Beto», raunt eine Studentin ihrer Kollegin zu. «I love him», gibt diese zurück, «ich mag ihn».
Aber O'Rourke geht es bei seiner Campus-Visite nicht um persönliche Genugtuung, wie er betont. Er will vielmehr weiter am Fundament zimmern, auf dem seine Partei in Texas prosperieren kann.
Nach seinen Niederlagen habe er herausfinden wollen, warum es ihm nicht zum Sieg gereicht habe, sagt O'Rourke im Gespräch mit CH Media. Dabei habe er zur Kenntnis nehmen müssen, dass der nationale Parteiapparat der Demokraten gewisse Wählersegmente und Staaten komplett vernachlässigte. «Wir haben es total vermasselt», sagt er, wobei er auf ein stärkeres Wort als «vermasselt» zurückgreift.
In Texas habe seine Partei sich auf die grossen Ballungsräume konzentriert und die ländlichen Bezirke ignoriert. Das sei aber eine falsche Strategie, erzählt O'Rourke. «Denn es ist viel schwieriger, einen Demokraten wie mich als Kommunisten zu beschimpfen, wenn ich das persönliche Gespräch auf dem Marktplatz suche und Fragen beantworte.»
Seiner Meinung nach sind die programmatischen Unterschiede zwischen linken Demokraten und rechten Republikanern in Texas oft weit geringer als behauptet. So setzte auch er sich für ein starkes Schulsystem und den Erhalt ländlicher Spitäler ein. Das sei im Interesse der gesamten Bevölkerung.
«Die USA befinden sich in einer Abwärtsspirale»
Ganz uneigennützig ist diese staatsmännische Pose freilich nicht. O'Rourke will endlich beweisen, dass seine These, Texas sei reif für einen Politiker wie ihn, der Wahrheit entspricht. Zwar kandidiert er diesen Herbst nicht erneut für ein Amt, er unterstützt aber James Talarico, den neuen Hoffnungsträger der Demokraten. Der 37-jährige Talarico bewirbt sich um einen Sitz im US-Senat und befindet sich in einem harten Zweikampf mit dem Republikaner Ken Paxton. Beto zeigt sich zuversichtlich. «Dieses Jahr können wir gewinnen», sagt er.
Ähnlich optimistisch gibt sich an diesem Sommertag auch Danny Minton. Der Demokrat möchte im November einen traditionell konservativen Bezirk im Grossraum Dallas-Fort Worth gewinnen und ins nationale Repräsentantenhaus einziehen. Seine Partei befinde sich in Texas im Aufwind, sagt er. «Wir haben eine sehr gute Chance auf einen Sieg.» Dafür verantwortlich sei letztlich auch Präsident Donald Trump und dessen schlechte Regierungsbilanz. «Die USA befinden sich in einer Abwärtsspirale», sagt Minton. Er könne nicht länger zuschauen.
Die Demokraten könnten diesen Herbst aber auch von den politischen Kontroversen profitieren, für die der Gegner regelmässig sorgt. So sorgen Paxtons persönliche Verfehlungen für negative Schlagzeilen; Parteifreunde kritisieren zudem seinen leidenschaftslosen Wahlkampf. Selbst Trump machte sich in den vergangenen Tagen über Paxton lustig.
Rassistische Stellungnahme sorgt für Wirbel
Zudem gelingt es führenden Republikanern in Texas immer wieder, wichtige Wählergruppen vor den Kopf zu stossen. So beschwerte sich der Lokalpolitiker Bo French, der für einen Sitz in einer einflussreichen texanischen Aufsichtsbehörde kandidiert, kürzlich auf X darüber, dass viele Studierende an der staatlichen Vorzeige-Hochschule University of Texas in Austin eine ausländische Staatsbürgerschaft hätten.
Er behauptete, sie würden den Einheimischen den Studienplatz stehlen. Diese (falsche) Aussage illustrierte er mit einem Foto aus dem Football-Stadion in Austin, wo am Samstag Zehntausende von jungen Menschen das sensationelle Comeback der Longhorns bejubelt hatten – darunter auch Fans mit dunkler Haut.
I heard UT graduation this year looked like this. I didn’t believe it. The problem is now obviously far worse than anyone imagined. https://t.co/Ys1bql0y4U
— Bo French (@bofrench) September 13, 2026
Auf X verbreiteten sich das Foto und die rassistischen Kommentare des bisher weitgehend unbekannten Lokalpolitikers in Windeseile. Sie wurden bis am Mittwoch mehr als 52 Millionen Mal angeklickt.
Und selbst Paxton sah sich gezwungen, auf Distanz zu Bo French zu gehen. Denn auch der rechte Scharfmacher ist auf die Stimmen von Latinos oder Amerikanern mit asiatischen Vorfahren angewiesen, will er im November in Texas siegen. (schweizheute.ch)

