US-Abgeordneter war vier Monate weg – jetzt nennt er den Grund
Monatelang war unklar, weshalb Tom Kean Jr. nicht im US-Repräsentantenhaus erschien. Der republikanische Abgeordnete aus New Jersey verpasste während seiner Abwesenheit mehr als 140 Abstimmungen. Offiziell war bisher nur von einem «persönlichen medizinischen Problem» die Rede.
Nun hat der 57-Jährige sein Schweigen gebrochen. Bei seiner Rückkehr ins Repräsentantenhaus sagte Kean am Dienstag, er sei wegen Depressionen im Spital behandelt worden.
«Bei mir wurde Depression diagnostiziert», sagte Kean vor seinen Kolleginnen und Kollegen. Die Krankheit sei körperlich und emotional. Wer sie nicht selbst erlebt habe, könne kaum verstehen, wie mächtig sie sein könne.
«Depression ist mehr als Traurigkeit»
Kean erklärte, er sei vor mehreren Monaten wegen gesundheitlicher Beschwerden zu Untersuchungen ins Spital gegangen. Zunächst habe er nicht damit gerechnet, dass daraus ein längerer Aufenthalt werde. Nach der Diagnose hätten ihm seine Ärzte jedoch geraten, im Spital zu bleiben. Das sei der schnellste Weg zur Erholung gewesen.
Viele Menschen glaubten, Depression bedeute einfach, traurig zu sein, sagte Kean. «Aber Depression ist so viel mehr als das.»
Während seiner Abwesenheit hatten seine Mitarbeiter nur erklärt, Kean befinde sich in ärztlicher Behandlung. Einige von ihnen sollen US-Medien zufolge selbst nicht gewusst haben, weshalb der Abgeordnete fehlte.
Politisch heikler Zeitpunkt
Keans Rückkehr kommt zu einem politisch sensiblen Zeitpunkt. Der Republikaner tritt bei den Zwischenwahlen im November für eine dritte Amtszeit an. Sein Wahlkreis in New Jersey gilt als umkämpft und könnte für die Mehrheitsverhältnisse im Kongress entscheidend werden.
Innerhalb der Republikanischen Partei war der Druck auf Kean gewachsen, seine Abwesenheit zu erklären. Anfang Juni gewann er zwar ohne Gegenkandidaten die republikanische Vorwahl. Dennoch bereiten sich die Demokraten darauf vor, seinen Sitz anzugreifen.
Für die Republikaner wäre ein Verlust des Wahlkreises ein empfindlicher Rückschlag. Die Zwischenwahlen entscheiden darüber, welche Partei künftig im Kongress das Sagen hat – und wie viel politischen Spielraum Donald Trump in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit behält. (mke)
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