US-Soldat vergewaltigte mehrere Frauen – die Militärjustiz sprach ihn frei
Die Taten ereigneten sich im Jahr 2019, als der Soldat der US-Luftwaffe James Loubeau vier Monate auf einer US-Basis in England stationiert war. Insgesamt sechs Frauen beschuldigen ihn des sexuellen Missbrauchs. Der Fall kam ins Rollen, als zwei Frauen die Polizei von Suffolk aufsuchten und Loubeau beschuldigten, sie gemeinsam mit einem weiteren Soldaten unter Drogen gesetzt und vergewaltigt zu haben, berichtet der «Guardian».
Täter und Opfer hatten sich in einem Nachtclub kennengelernt. Statt sie wie versprochen nach Hause zu fahren, hätten die beiden Männer die zwei Britinnen auf den Armee-Stützpunkt mitgenommen und ihnen in Loubeaus Zimmer Getränke in Plastikbechern gereicht. Die nächste Erinnerung, die die zwei Frauen hatten, war gemäss ihren Angaben, wie sie am Morgen verwirrt aufgewacht seien. Beide hätten das Gefühl gehabt, vergewaltigt worden zu sein.
Entlassung statt Verurteilung
Nur wenige Tage, nachdem sie den Fall der britischen Polizei gemeldet hatten, gab diese die Ermittlungen an die US-Militärpolizei ab. Diese ist eigentlich nur zuständig, wenn es sich beim Opfer um eine Angehörige oder einen Angehörigen der US-Armee handelt oder wenn es ein Mitglied der Armee betrifft, das zur Tatzeit im Dienst war. Beides war hier nicht der Fall.
Doch die Ermittlungen brachten weitere Fälle ans Licht. Schliesslich wurde Loubeau angeklagt, nachdem eine amerikanische Armeeangehörige ihn beschuldigt hatte, in ihr Zimmer auf dem Stützpunkt eingedrungen zu sein und sie vergewaltigt zu haben. Verurteilt wurde Loubeau jedoch nicht. Stattdessen wurde er 2020 wegen kleinerer Vergehen ehrenhaft aus der Armee entlassen, berichtet der «Guardian». Dies etwa wegen Diebstahls und sexueller Belästigung.
Das FBI findet Beweise
Loubeau kehrte daraufhin in die USA zurück. Der Fall war damit aber noch nicht abgeschlossen. Denn nun kam das FBI ins Spiel. Warum die Behörde eigene Ermittlungen aufnahm, ist unklar. Doch in einem Fall konnte Loubeaus DNA nachgewiesen werden. Dabei ging es um eine 19-jährige Amerikanerin, in deren Zimmer er eindrang und sie vergewaltigte. Die Frau lebte ebenfalls auf dem Stützpunkt. Loubeau wurde beim Verlassen des Zimmers von einer Überwachungskamera gefilmt. Der damals 37-Jährige bekannte sich schuldig, wie aus einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft hervorgeht.
Schliesslich wurde Loubeau verurteilt. Fünf Jahre muss er ins Gefängnis. Anschliessend soll er 20 Jahre lang überwacht werden, um zu verhindern, dass Loubeau rückfällig wird. Sein Verhalten zeige seine «Überzeugung, dass er ungestraft handeln könne», argumentierte die Staatsanwaltschaft. Sie berichtet von einem «erschreckenden und gefährlichen» Muster.
Vorgehen sorgt für Kritik
Doch Loubeau ist nicht der einzige US-Soldat, der in England wegen Straftaten beschuldigt wird. So berichtet der «Guardian» etwa von einem US-Kampfjetpiloten, der eine Britin in Cambridge erwürgt haben soll. Ein weiterer Soldat soll eine Britin in Brandon sexuell missbraucht haben und ein anderer soll sich vor mehreren jungen Frauen in Cambridgeshire entblösst haben. In allen Fällen übernahm die US-Militärjustiz die Ermittlungen.
Das sorgt für Fragen. Zumindest in einigen von Loubeaus Fällen wäre schliesslich die britische Polizei zuständig gewesen. «Wir überprüfen derzeit die Entscheidung, die Zuständigkeit an die US-Luftwaffe zu übertragen, sowie die allgemeine Praxis der Übergabe von Fällen», heisst es dort. Bei der Luftwaffe wollte niemand eine Erklärung abgeben. (vro)
