«Ihm gefiel die Angst in unseren Augen»: Opfer sprechen über Jeffrey Epstein
Joanna Harrison, Chauntae Davies, Lisa Phillips, Jena-Lisa Jones und Wendy Pesante sprechen in der Sendung über Vorfälle auf der Privatinsel Little St. James sowie auf seiner Ranch in New Mexico.
Joanna Harrison erzählt, dass Epsteins Übergriffe sie bis heute mit Scham und Peinlichkeit erfüllen. Eigentlich wollte sie anonym bleiben und nie über ihre Erlebnisse sprechen. Ihr Name tauchte jedoch in den Epstein-Files auf, weshalb sie sich gezwungen sah, an die Öffentlichkeit zu gehen.
Es sei schwierig, Epstein ständig im Fernsehen zu Gesicht zu bekommen. «Es ist nicht normal, das Gesicht seines Peinigers sechs Jahre lang jeden Tag im Fernsehen zu sehen», sagt Harrison.
Für die Frau sei es, wie bei vielen anderen Opfern auch, mit einer Massage losgegangen. Zunächst habe alles normal gewirkt – bis er angefangen habe zu masturbieren. «Ich erstarrte völlig», so Harrison. Zu einem späteren Zeitpunkt habe der Sexualstraftäter sie an seinem Geburtstag vergewaltigt.
Chauntae Davies, eine ausgebildete Massagetherapeutin, gibt an, von Epstein auf seiner berüchtigten Privatinsel Little St. James vergewaltigt worden zu sein. Sie war ebenfalls für Massagen engagiert worden. Der Grossteil der Übergriffe habe allerdings auf der Zorro Ranch im US-Bundesstaat New Mexico stattgefunden. Dort habe «eine kalte, dunkle, unheimliche Atmosphäre» geherrscht.
Davies habe auf einer Reise auch dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton eine Nacken- und Rückenmassage gegeben. Ihm von Epsteins Taten zu erzählen, habe sie nie in Erwägung gezogen. «Ich hatte nie vor, mit irgendjemandem darüber zu sprechen», sagt Davies.
Die in der Sendung befragten Opfer äussern die Überzeugung, dass alle einflussreichen Personen im Umfeld von Jeffrey Epstein von seinen Taten gewusst hätten.
Clinton hat wiederholt beteuert, er habe Epsteins Missbrauch nicht beobachtet. Sein Name taucht jedoch hunderte Male in den Epstein-Akten auf. Das Erscheinen in Dokumenten im Zusammenhang mit Epstein bedeutet nicht zwangsläufig, dass ihm ein Fehlverhalten nachgewiesen werden kann.
Lisa Phillips, die damals als Model arbeitete, erzählt die Geschichte einer Freundin, die anonym bleiben wolle. Epstein soll sie angewiesen haben, mit Andrew Mountbatten-Windsor Sex zu haben. Phillips habe Epstein im Anschluss gefragt, warum er das getan habe. Dieser habe gegrinst und geantwortet: «Ich mag es, Dinge über Leute in der Hand zu haben.»
Über Epsteins Missbrauch sagt Phillips:
Die interviewten Überlebenden glauben zudem nicht, dass Epstein sich selbst umgebracht habe. «Wir kannten ihn, wir wussten, was für ein Mensch er war», sagt Phillips. Epstein wurde am 10. August 2019 tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden. Der zuständige New Yorker Gerichtsmediziner stufte es als Suizid ein. (hkl)
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– Die Dargebotene Hand: Tel 143, www.143.ch
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