«Stahlträger knicken wie Zigaretten»: Hochhaus in New York einsturzgefährdet
Das ist passiert
Über 30 Stockwerke hoch und einsturzgefährdet – so steht es derzeit um ein Hochhaus im Zentrum New Yorks. Laut der New York Times sei das Gebäude, welches nahe dem Grand Central Terminal steht, seit Dienstag instabil.
Kurz vor 8 Uhr morgens sei bei der lokalen Feuerwehr ein Telefonat eingegangen, wonach an der East 42nd Street Ziegelsteine auf die Strasse fielen. In Folge sei das ehemalige Bürogebäude, welches derzeit zu einem Wohnhaus umgebaut wird, evakuiert worden. Im Verlauf des Dienstags wurden insgesamt neun weitere umliegende Gebäude, darunter auch eine Schule, evakuiert, informierte der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani an einer Pressekonferenz.
Verletzte habe es keine gegeben. Die Behörden haben eine sogenannte «Kollapszone» eingerichtet. Man gehe aber nicht davon aus, dass das gesamte Gebäude einstürzen werde, sondern nur ein Teil, so die Leiterin der städtischen Feuerwehr.
Das sind die Hintergründe
Eine Inspektion hat ergeben, dass der 21. Stock betroffen ist: Ein Stahlträger sei «kompromittiert» und zwei Säulen seien geknickt. Mehrere der darüberliegenden Stockwerke würden durchhängen.
Ein Vertreter der örtlichen Eisenleger-Gewerkschaft bestätigte, dass die Bauarbeiter evakuiert wurden, nachdem Träger sich bogen: «Die Nordseite des Gebäudes zerfällt. Die Stahlträger knicken wie Zigaretten.» Einer der Bauarbeiter habe gesehen, dass Beton «herunterkam», und dass die Fenster geborsten seien.
Im Zuge des Umbaus vom Bürogebäude zum Wohnhaus wurden mehrere Stockwerke zusätzlich gebaut. Laut dem Gewerkschaftsvertreter sei dies der Grund für die eingeknickten Säulen und Träger – man habe nicht genügend neuen Stahl implementiert, um das zusätzliche Gewicht zu tragen.
Ein Sprecher der Baufirma, die hinter dem Umbau steht, sagte gegenüber der New York Times, dass man von den Problemen wisse und in Absprache mit den Baubehörden sei.
So geht es weiter
Seit dem Eintreffen der Behörden am Morgen habe sich das Hochhaus weiter bewegt, sagte der Chef der lokalen Feuerwehr am Dienstag. Laut dem Vorsitzenden der Baubehörde organisiere die Stadt nun Not-Balken und -Säulen, um die Struktur des Hochhauses zu stabilisieren.
«Alle paar Minuten schätzen wir die Lage des Gebäudes neu ein und evaluieren unsere Möglichkeiten», so Bürgermeister Mamdani. Die strukturellen Verhältnisse des Gebäudes seien weiterhin instabil.
Für die Baufirma dürfte das Ganze ein Nachspiel haben: Die Baubehörde hat bereits eine Beschwerde eingereicht. Man habe beim Umbau mehr ausgehöhlt, als in den eingereichten Bauplänen ersichtlich und erlaubt. Seit 2020 seien im Rahmen des Umbaus 22 Verstösse gegen Baurichtlinien festgehalten worden, davon bestünden 13 weiterhin.
Das wissen wir zum Gebäude
Der Bürokomplex besteht aus zwei Gebäuden, die in den 1970er-Jahren gebaut wurden. Bis vor Kurzem nutzte der Pharmakonzern Pfizer die Räumlichkeiten. Derweil wird der Komplex im Rahmen Stadtweiter Anstrengungen gegen den Wohnungsmangel zu einem Wohngebäude umgebaut – über 1'600 Wohnungen sollten entstehen.
Das Projekt, welches das grösste seiner Art in ganz New York ist, hätte bis 2027 fertiggestellt werden sollen – mittlerweile dürfte es jedoch, wenn überhaupt, deutlich länger dauern, bis die Wohnungen fertig sind.
(cpf)
