Bolsonaro flieht trotz Ausreiseverbot, Trump befürwortet Einreise – das ist bekannt
Was ist passiert?
Der unterlegene brasilianische Präsidentschaftskandidat Flavio Bolsonaro ist nach Informationen der BBC in den USA angekommen. Quellen bestätigten BBC Brasil und BBC Mundo, dass Bolsonaro in Florida seinen jüngeren Bruder Eduardo getroffen habe.
Zuvor hatte die US-Regierung angekündigt, Bolsonaro und seiner Familie Visa zu erteilen und ihnen die Einreise zu ermöglichen. Sein Bruder Eduardo lebt bereits in den Vereinigten Staaten, sein Vater Jair Bolsonaro gilt als ideologischer Verbündeter von US-Präsident Donald Trump.
Was ist vor Bolsonaros Flucht passiert?
Bolsonaro war einer Anordnung des Obersten Gerichts in Brasilien nicht nachgekommen, seine Reisepässe binnen 24 Stunden abzugeben. Richter Alexandre de Moraes liess die Dokumente daraufhin am Dienstag für ungültig erklären. Zuvor hatte er Bolsonaro untersagt, das Land zu verlassen.
Die Verfügung erging im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen Bolsonaro und den Anwalt Willer Tomaz. Dabei geht es um mutmassliche Geldwäsche. Die Bundespolizei fand nach eigenen Angaben Hinweise auf eine Verbindung Bolsonaros zu einem Bankkonto einer Firma des ebenfalls beschuldigten Anwalts. Bolsonaro weist jegliches Fehlverhalten zurück und wurde bislang nicht angeklagt.
Bolsonaros Anwälte erklärten nach Ablauf der Frist, sie wüssten selbst nicht, wo sich ihr Mandant befinde. Auch sein früherer Wahlkampfkoordinator Rogério Marinho sagte, er habe keine Informationen über dessen Aufenthaltsort. Bolsonaro hatte sich seit Montagnachmittag nicht mehr öffentlich geäussert.
Warum ist Bolsonaro geflohen?
Im Februar endet Bolsonaros Mandat als Senator. Dann verliert er die parlamentarische Immunität, was der Grund für seine Flucht sein dürfte. Gegen den Politiker laufen zwei Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche und Korruption.
Im ersten Verfahren untersuchen die Behörden, ob Bolsonaro 20 Millionen Euro aus der Produktion des Films «Dark Horse» über seinen Vater abgezweigt hat. Das Geld soll von dem Skandalbanker Daniel Vorcaro stammen, der mittlerweile inhaftiert ist. Die Justiz vermutet, dass das Geld in Wahrheit den Aufenthalt seines Bruders Eduardo in den USA finanzieren sollte.
Im zweiten Verfahren geht es um die Beziehung Bolsonaros zu Willer Tomaz. Dabei handelt es sich um einen milliardenschweren Anwalt, gegen den unter anderem wegen Verwicklung in betrügerische Machenschaften mit staatlichen Pensionskassen ermittelt wird. Bolsonaro ist mit Tomaz befreundet. Sie sollen gemeinsam ein Offshore-Konto auf Madeira betrieben haben, über das mutmasslich Sportwettgewinne in dreistelliger Millionenhöhe liefen. Zudem steht der Verdacht im Raum, dass Bolsonaro an einem Wettunternehmen beteiligt ist.
Bolsonaro bestreitet die Vorwürfe in beiden Verfahren.
Zusätzlich zu den bisherigen Ermittlungen ordnete das Oberste Gericht am Dienstag an, mögliche ausländische Finanzierungen von Bolsonaros Wahlkampf zu untersuchen. Bereits zuvor wurde gegen ihn wegen mutmasslicher Unregelmässigkeiten bei der Finanzierung eines Films über seinen Vater ermittelt.
Wie ist Bolsonaro geflohen?
Bolsonaro ist den Behörden des Nachbarlandes zufolge in Argentinien eingereist und von dort mit einem Privatflugzeug Richtung Ecuador weitergeflogen. Das teilte die argentinische Einwanderungsbehörde auf der Plattform X mit. Begleitet wurde Bolsonaro am späten Dienstagabend (Ortszeit) demnach von seiner Ehefrau Fernanda und seinen Töchtern Carolina und Luiza. Die Maschine hatte laut Flugplan die ecuadorianische Hafenstadt Guayaquil als Ziel.
La Dirección Nacional de Migraciones informa que a las 22:50 hs del dia 27/10, ingresaron por el paso fronterizo de Puente internacional Tancredo Neves en la provincia de Misiones, los ciudadanos Flavio Nantes Bolsonaro, Fernanda Antunes Figueira Bolsonaro, Carolina Figueira Bolsonaro y Luiza Figueira Bolsonaro, quienes lo hicieron con documentación hábil de viaje sin ningún impedimento legal para el ingreso al país, asimismo los tránsitos fueron registrados por la autoridad de aplicación sin incidentes. Por su parte, a las 23:30 hs, la comitiva ingresante abordó un vuelo privado despachado por la compañía Baires Fly S.A con destino a la ciudad de Guayaquil, Ecuador, según se informó en el plan de vuelo.
— Migraciones (@Migraciones_AR) October 28, 2026
Die Einreise nach Argentinien sei in der Provinz Misiones in der Nähe der Iguazu-Wasserfälle auf dem Landweg und mit gültigen Reisedokumenten erfolgt, teilte die Behörde weiter mit. Argentiniens Präsident Javier Milei hatte Bolsonaro im Wahlkampf unterstützt und ihm mutmasslich die Einreise gewährt.
Noch bevor Genaueres über seine Absichten bekannt war, sagten die USA Bolsonaro und seiner Familie Visa zu. Ein US-Beamter bestätigte, dass ihnen die Einreise ermöglicht werde. Wohin, wie und wann Bolsonaro von Ecuador aus weiterreisen wollte, war zunächst nicht bekannt.
Warum will Bolsonaro in die USA?
Die US-Regierung unter Donald Trump hat signalisiert, Bolsonaro und seiner Familie Visa auszustellen und ihm möglicherweise Asyl zu gewähren.
Bolsonaros Bruder Eduardo hatte sich bereits im März 2025 in die USA abgesetzt, als er noch Kongressabgeordneter war. Damit sind die USA eine Art familiäre Anlaufstelle im Ausland. Im Dezember vergangenen Jahres wurde Eduardo Bolsonaro wegen dauernder Abwesenheit sein Abgeordnetenmandat entzogen. Im Juni wurde er in Abwesenheit wegen unerlaubter Einmischung in den Prozess seines Vaters zu vier Jahren und zwei Monaten Gefängnis im halb offenen Vollzug verurteilt. Seitdem ist er nicht nach Brasilien zurückgekehrt.
Auch Flavio Bolsonaros Vater Jair war kurz vor Ende seines Mandats im Dezember 2022 mit dem Präsidentenflugzeug in die USA gereist. Er hatte sich geweigert, seine Niederlage gegen Lula anzuerkennen. Jedoch kehrte er nach Brasilien zurück und wurde später wegen der Planung eines Staatsstreichs zu 27 Jahren Haft verurteilt.
Wie reagiert Präsident Lula?
Präsident Lula kritisierte die Ausreise seines Rivalen. «Ich frage mich, welche Schuld ein Bürger auf dem Gewissen hat, der gerade die Wahl verloren hat und aus seinem Land flieht», sagte er bei einer Feier zu seinem 81. Geburtstag. «Wer nichts zu verbergen hat, muss nichts fürchten.»
Bolsonaro hatte die Stichwahl am Sonntag mit 48,21 Prozent gegen Lula verloren, der 51,79 Prozent erhielt. Er hat seine Niederlage bislang nicht eingestanden und fordert die Annullierung der Wahl. Seine Liberale Partei hat Lulas Sieg dagegen anerkannt.
Wie reagiert US-Präsident Trump?
US-Präsident Donald Trump befürwortet eine Einreise des unterlegenen brasilianischen Präsidentschaftskandidaten in die USA. «Die Wahl war wirklich seltsam, und ich fand sie schrecklich», sagte Trump am Dienstagabend (Ortszeit) vor Reportern. Für ihn sei es «in Ordnung», sollte Bolsonaro in die USA kommen, so Trump weiter.
Der US-Präsident hatte zuvor ohne Angabe von Gründen Zweifel an der Legitimität des Wahlergebnisses angemeldet und sich damit auf Bolsonaros Seite geschlagen. Einem US-Beamten zufolge sagte die Regierung in Washington Bolsonaro und seiner Familie Visa zu.
Zugleich hatte Trump jedoch versichert: «Ich regiere nicht Brasilien, ich regiere die USA. Ich mag Lula. Ich komme mit ihm sehr gut klar, aber die Verlängerung war sehr seltsam.» Er bezog sich dabei auf die vom Obersten Bundesgericht am Sonntag angeordnete Verlängerung der Wahlfrist um zwei Stunden.
(hkl, mit Material von Keystone-SDA)
