International
Brasilien

Flávio Bolsonaro fordert Annullierung der Wahl in Brasilien

BRASILIA, BRAZIL - OCTOBER 25: Presidential candidate Flavio Bolsonaro speaks after the results of the general election day on October 25, 2026 in Brasilia, Brazil. According to official results from  ...
Flávio Bolsonaro will seine Niederlage nicht akzeptieren.Bild: Getty Images South America

Flávio Bolsonaro fordert Annullierung der Wahl in Brasilien

26.10.2026, 03:0826.10.2026, 04:05

Der unterlegene Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro will die Stichwahl in Brasilien wegen einer um zwei Stunden verlängerten Öffnungszeit der Wahllokale im Land annullieren lassen. Er könne das Ergebnis unmöglich anerkennen und werde juristisch dagegen vorgehen, sagte der rechte Senator und Sohn des früheren Staatschefs Jair Bolsonaro vor Journalisten. Zuvor hatte das Oberste Wahlgericht den linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva zum Sieger der Stichwahl erklärt.

«Was heute geschehen ist, war nicht normal. Es war inakzeptabel», sagte Flávio Bolsonaro. Bei seinem Auftritt vor seinem Haus in Brasília zeigte sich Bolsonaro sichtlich verärgert. Bevor er das Ergebnis akzeptieren könne, müsse noch vieles «geklärt» werden. Er bezeichnete das Vorgehen als «sacanagem» – sinngemäss als schmutzigen Trick.

Die längere Öffnung der Wahllokale war auf einen Antrag von Lulas Wahlkampagne zurückgegangen. Diese hatte angesichts von Problemen mit dem öffentlichen Nahverkehr und Auswirkungen auf die Wähler gefordert, die Abstimmungszeit auf nationaler Ebene auszuweiten.

Zwar hatte auch Bolsonaros Wahlkampagne eine Verlängerung beantragt – allerdings nicht für alle Wahllokale, sondern nur für Gemeinden in den Bundesstaaten Minas Gerais, Rio Grande do Sul, Paraná, São Paulo und Santa Catarina. Sie verwies dabei auf starke Regenfälle, Überschwemmungen und Stromausfälle.

Auch Pablo Marçal, Influencer und früherer Bürgermeisterkandidat, der eine Social-Media-Kampagne zur Unterstützung Bolsonaros koordiniert hatte, kritisierte die Verlängerung. Nach einem Besuch bei Bolsonaro in Brasília bezeichnete er die Entscheidung als «Tragödie».

Gericht verlängerte Öffnungszeit der Wahllokale

Der Richter Cristiano Zanin vom Obersten Gerichtshof genehmigte die landesweite Verlängerung der Stimmabgabe um zwei Stunden bis 19.00 Uhr Ortszeit. Zanin, der früher als Anwalt für Lula tätig war, habe mit seiner Entscheidung die Wahlregeln geändert, kritisierte Bolsonaro. Die Chancengleichheit zwischen den Bundesstaaten sei damit verletzt worden.

Lula gewann die Stichwahl nach vorläufigen Zahlen des Obersten Wahlgerichts mit 51,74 Prozent der Stimmen gegen Bolsonaro, der demnach auf 48,26 Prozent kam. Damit sicherte sich der 80-Jährige eine weitere Amtszeit und wurde zum ersten brasilianischen Präsidenten, der viermal demokratisch ins Amt gewählt wurde. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Demos in Barcelona vom 24. Oktober 2026
1 / 23
Demos in Barcelona vom 24. Oktober 2026
quelle: www.imago-images.de / imago images
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Protestwelle in Europa: die Übersicht
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Israel vor Richtungswahl: Netanyahu und Eisenkot fast gleichauf
Israel wählt am Dienstag ein neues Parlament. Nach drei Jahren Krieg ist das Land tief gespalten – und Umfragen sehen Benjamin Netanyahus Regierungsblock und die Opposition praktisch gleichauf.
Wie die BBC berichtet, steht bei der ersten Parlamentswahl seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 besonders die Frage im Zentrum, welchen politischen Kurs Israel künftig einschlagen soll. Rund eine halbe Million Menschen dürfen erstmals wählen.
Zur Story