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Öffentliche Trauerfeier für Chamenei hat in Teheran begonnen

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Trauerfeiern für Chamenei: Eine Machtdemonstration in Teheran

04.07.2026, 07:4804.07.2026, 11:28
Arne Bänsch / dpa

Mehr als vier Monate nach seiner Tötung haben im Iran unter grossen Sicherheitsvorkehrungen die öffentlichen Trauerfeiern für den obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei begonnen. Aufnahmen im Staatsfernsehen zeigten Särge des Religionsführers und mehrerer seiner Familienmitglieder aufgebahrt in der Grossmoschee Mosalla hinter Vitrinen. Zahlreiche Anhänger strömten bereits seit der Dämmerung zum Veranstaltungsort.

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Iranerinnen und Iraner bei der Gedenkfeier für Chamenei.Bild: keystone

Der Leichnam bleibt zunächst drei Tage in Teheran. Anschliessend sind Trauerzeremonien in der Pilgerstadt Ghom, dem Zentrum der schiitischen Geistlichkeit im Iran, sowie dem Nachbarland Irak geplant. Am Donnerstag soll er im Imam-Resa-Heiligtum seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden.

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Irans Führung will politische Geschlossenheit demonstrieren

Für Chameneis Anhänger und die iranische Führung ist die Staatstrauer zugleich Abschied und Demonstration politischer Geschlossenheit. Banner, die an den «Märtyrer» Chamenei erinnern, prägen an diesen Tagen das Stadtbild der Millionenmetropole Teheran. Für die Staatsspitze bietet die Grossveranstaltung die Gelegenheit, Einheit und Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Seit Wochen betont die Regierung, den Krieg gegen die militärisch weit überlegenen USA und Israel überstanden zu haben.

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Eine Frau mit einem Bild Chameneis.Bild: keystone

Chamenei war am 28. Februar im Alter von 86 Jahren bei einem israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in der iranischen Hauptstadt getötet worden. Anschliessend führten die USA und Israel mehr als fünf Wochen Krieg gegen den Iran, bis sich Vertreter aus Washington und Teheran Anfang April auf eine Waffenruhe einigten. Die Zukunft über ein mögliches Abkommen zwischen den USA und dem Iran, das den Konflikt dauerhaft lösen soll, ist weiter ungewiss.

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen bei Trauerfeiern

Die Behörden stellen sich auf einen Massenandrang von mehreren Millionen Anhängern ein. Aus Sicherheitsgründen will der Iran von Montag an seinen Luftraum für mehrere Tage sperren. Zehntausende Polizisten und Soldaten sind im Einsatz. Am Samstagmorgen waren in Teheran viele Strassen gesperrt.

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Ein iranisches Fahnenmeer in Teheran.Bild: keystone

Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad strömten Tausende Anhänger zum Veranstaltungsort. «Ich bin gekommen, um mich von unserem Führer zu verabschieden», sagte eine 33-Jährige. «Wir fordern Blutrache, und wir wollen Vergeltung», sagte sie. Auch Sadegh Bahrami, ein Obstbauer aus der Provinz Lorestan, nahm eine zwölfstündige Anreise auf sich. «Wir sind aus Liebe zu unserem Führer gekommen, um uns ein letztes Mal von ihm zu verabschieden.»

Regierungskritiker und viele Menschen im Iran, die Anfang des Jahres noch gegen den autoritären Kurs der Führung sowie die massive Wirtschaftskrise auf die Strasse gegangen waren, betrachten die Feierlichkeiten jedoch mit Gleichgültigkeit und Ablehnung. Tausende Demonstranten waren Mitte Januar bei Protesten getötet worden. «Warum sollte ich teilnehmen?», fragte etwa Amir (30). Chamenei habe nur an seinen Machterhalt gedacht, sagte er.

Generäle zeigen sich seit Kriegsbeginn erstmals wieder öffentlich

Mit Blick auf den Krieg der USA und Israels warnten Irans Streitkräfte am Freitag vor einer neuen militärischen Eskalation rund um die Staatstrauer. «Jede Fehlkalkulation wird mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet werden. Einer Antwort, die für immer in ihrer Geschichte der Schande verzeichnet bleiben wird», hiess es in einer Erklärung der Revolutionsgarden, die iranische Medien verbreiteten.

Die Warnung dürfte auch mit Befürchtungen zusammenhängen, dass hochrangige Vertreter aus Politik und Militär Ziel von Anschlägen werden könnten. Für die Staatsspitze gilt die Teilnahme an den Trauerfeiern als Pflichttermin. Mehrere Generäle zeigten sich bei den Zeremonien erstmals seit Beginn des Kriegs gegen den Iran wieder öffentlich, darunter der neue Kommandeur der mächtigen Revolutionsgarden, Ahmad Wahidi, und der Kommandeur der Luftstreitkräfte, Madschid Mussawi.

Trump: «Sie können es kaum erwarten, sich zu einigen»

Vertreter aus Washington und Teheran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das den Weg für ein dauerhaftes Ende des Kriegs ebnen soll. Streit besteht unter anderem weiter über das iranische Atomprogramm, Teherans Unterstützung für Milizen in der Region, darunter die Hisbollah im Libanon, sowie über die Strasse von Hormus. Die USA fordern, dass die für den weltweiten Energiehandel wichtige Meerenge wieder für die Schifffahrt geöffnet wird und keine Gebühren erhoben werden.

Wann die nächste Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran stattfindet, ist weiter unklar. US-Präsident Donald Trump sagte am Freitag, die USA hätten dem Iran wegen der Beerdigung «eine Woche frei» gegeben. «Sie können es kaum erwarten, sich zu einigen. Sie wollen sich unbedingt einigen», sagte Trump anlässlich des Unabhängigkeitstags vor dem Präsidentendenkmal Mount Rushmore, wie der Sender CNN berichtete.

Macht im Iran nach Chameneis Tod neu geordnet

Nach Chameneis Tod hat sich auch das Machtgefüge im Iran neu sortiert. Als oberster Führer hatte er in allen wichtigen Fragen das letzte Wort. Regierung und Präsident waren ihm untergeordnet. Der schiitische Ajatollah war zudem die oberste religiöse Autorität der Islamischen Republik. Unter seiner Führung entwickelten sich die Revolutionsgarden zur führenden Streitmacht des Landes und bauten ihren Einfluss in der Region aus. Inzwischen sind vor allem Vertreter der mächtigen Garden in wichtige politische Positionen aufgestiegen.

Chameneis Sohn Modschtaba war eine Woche nach dem Tod seines Vaters Anfang März zum neuen Staatsoberhaupt ernannt worden, trat seitdem jedoch nicht öffentlich auf. Das löste Spekulationen über seinen Gesundheitszustand aus. Von schweren Verletzungen ist die Rede. Das Staatsfernsehen bezeichnete ihn als «Kriegsversehrten», nannte aber keine weiteren Details. Auch für die Beerdigung in Maschhad ist unklar, ob er erscheinen wird.

Sein Vater prägte die Islamische Republik fast vier Jahrzehnte lang. Unter seiner Führung stieg der Iran zu einer einflussreichen Regionalmacht auf, deren Einfluss in den vergangenen Jahren jedoch deutlich geschwächt wurde. Im Inneren regierte er mit absoluter Härte. Öffentliche Kritik an seiner Person wurde nicht geduldet. «Tod dem Diktator», riefen Demonstranten bei den jüngsten Protestwellen. (dab/sda/dpa)

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