Durch die Sahara nach Europa: Bau von Milliarden-Pipeline gestartet
Algerien hat mit dem Bau des eigenen Abschnitts der Transsahara-Gaspipeline begonnen. Das teilte der staatliche Energiekonzern Sonatrach bei einer Zeremonie in der südwestalgerischen Region Aoulef am Donnerstag mit. Die Pipeline soll nach ihrer Fertigstellung jährlich bis zu 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Nigeria über Niger und Algerien nach Europa liefern.
Zum offiziellen Baustart kamen Algeriens Energieminister Mohamed Arkab sowie Vertreter aus Nigeria und Niger zusammen. Dabei wurden die ersten Schweissarbeiten an der Leitung eingeweiht. Der nun begonnene Abschnitt in Algerien ist rund 1210 Kilometer lang und verläuft von der Grenze mit Niger bis nach Aoulef. Er wird an das bestehende Gasnetz des Landes angeschlossen. Über dieses Netz gelangt das Gas später zum Feld Hassi R'Mel, dem grössten Erdgasvorkommen Afrikas, und von dort weiter nach Europa.
Die Transsahara-Pipeline zählt zu den grössten Energieprojekten des Kontinents. Insgesamt soll sie sich über rund 4128 Kilometer durch Nigeria, Niger und Algerien erstrecken. Die Kosten werden auf etwa 13 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Idee für das Vorhaben stammt bereits aus den 1970er-Jahren, wurde jedoch über Jahrzehnte durch Finanzierungsprobleme und Sicherheitsbedenken verzögert.
Europa sucht nach neuen Gasquellen
Für Europa gewinnt das Projekt vor dem Hintergrund der Energiepolitik der vergangenen Jahre an Bedeutung. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 bemüht sich die Europäische Union darum, ihre Abhängigkeit von russischen Energielieferungen zu verringern. Zugleich haben jüngste Spannungen im Nahen Osten und Störungen im Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus die Diskussion über alternative Lieferwege neu belebt.
Algerien gehört bereits heute zu den wichtigsten Gaslieferanten Europas. Nach Angaben aus der Branche deckte das nordafrikanische Land zuletzt rund 13 bis 14 Prozent der Gasimporte der Europäischen Union ab. Zu den wichtigsten Abnehmern zählen Spanien, Italien und Frankreich.
Auch Niger treibt das Vorhaben voran. Der nigrische Erdölminister Hamadou Tini kündigte an, dass die Bauarbeiten auf dem rund 720 Kilometer langen Abschnitt seines Landes Anfang 2027 beginnen sollen. Das Projekt werde erhebliche wirtschaftliche und soziale Auswirkungen entlang der Trasse haben, sagte er.
Fachleute sehen in Afrika grundsätzlich grosses Potenzial für Europas Bemühungen um eine breitere Energieversorgung. Neben der Transsahara-Pipeline wird derzeit auch eine zweite grosse Gasverbindung diskutiert. Die geplante Nigeria-Marokko-Pipeline soll entlang der Atlantikküste verlaufen und ebenfalls Gas nach Europa bringen.
Experten verweisen allerdings darauf, dass neue Lieferwege nicht automatisch alle Risiken beseitigen. Politische Spannungen in Nordafrika, Sicherheitsprobleme in Teilen Westafrikas und die langfristige Finanzierung grosser Infrastrukturprojekte gelten weiterhin als Herausforderungen. Dennoch markiert der Baustart in Algerien einen wichtigen Schritt für ein Vorhaben, das seit Jahrzehnten auf seine Umsetzung wartet.

