Jeremy Clarksons Hawkstone-Bier ist in England ein Hit: So schmeckt es
Die älteren Semester kennen ihn als Moderator von «Top Gear» und «The Grand Tour», die jüngeren als Bauer in «Clarkson's Farm». Jeremy Clarkson, 66 Jahre alt, Multimillionär mit Humor, vertritt streitbare Ansichten, ist aber unbestritten ein Mediengenie. Was er anfasst, verwandelt sich zu Gold.
Das stimmt, nicht nur farblich, auch für sein Bier. Seit 2021 verkauft Clarkson unter dem Label Hawkstone verschiedene Sorten. Zu Beginn belieferte er damit 50 Restaurants, Kneipen und Bars. Das Label Craft Beer war damals noch gerechtfertigt. Heute gibt’s Hawkstone in über 4000 Lokalen, in über 2000 Shops steht es in den Regalen – und es wird in 10 Länder exportiert.
2024 (Platz 24), 2025 (Platz 23) und 2026 (Platz 24) klassierte sich Hawkstone auf den vorderen Plätzen der 100 schnellstwachsenden Firmen in England. Die Brauerei verwendet ausschliesslich Inhaltsstoffe aus Grossbritannien und ausser Wasser, Hopfen, Malz und Hefe hat es nichts anderes drin.
Die Gerste für das Malz stammte früher komplett von Clarksons Farm Diddly Squat in Chipping Norton, 100 Kilometer nordwestlich von London. Aufgrund der Expansion ist das heute nicht mehr der Fall.
Tönt alles wunderbar … aber ist es auch gut?
Joaaa.
Schlecht ist es nicht. Aber das Hawkstone Premium Lager (4,8 Volumenprozent) ist auch kein grosser Wurf. Die Doppelzwanzig meines Geschmackszentrums trifft es nicht, es fühlt sich eher an wie ein leichter Abrutscher hinüber in die Fünf. Mein Eindruck: Für ein Lager ist es zu wenig süffig. Das liegt am süsslichen Malz, das klar dominiert und fast so schwer im Magen liegt wie Clarksons Aussagen über den Klimawandel. Etwas Frische bringen Zitrusnoten. Sie halten das Bier im weiten Feld der durchaus bekömmlichen, aber unspektakulären Biere.
Das ist freilich nur meine Meinung – und wie Clarksons Witze eine Frage des Geschmacks. Ausgerechnet der Mann mit den herben Sprüchen produziert nun ein süsses Bier. Ich hätte es bevorzugt, wenn er seiner Linie treu geblieben wäre.
Der Erfolg des Produkts spricht indes eine andere Sprache. Das von uns getestete Lager gewann 2024 an den World Beer Awards den Titel für das beste englische Bier und auch auf Trustpilot (4,8 Wertung) dominieren die Fans. Würde ich es im Laden kaufen (bei Tesco UK gibt es 4 Flaschen für 9.30 Franken / 8.50 £)? Vermutlich nur aus Jux – und weil ich die Philosophie dahinter mag.
Finanziell hat Jeremy Clarkson nun also auch seinen Bier-Brand zu Gold gemacht. Geschmacklich reicht es in meinen Augen maximal zu Bronze.
PS: Ich finde auch das Etikett ziemlich mager. Und ihr?
- Es ist so weit: Wir nehmen Abschied von Clarkson, Hammond und May
- Klappe zu, Jeremy Clarkson – es reicht. Für immer
- Wenn der Auto-Proll Lämmlein hegt – so gut ist «Clarkson's Farm»
- Wie weiter mit «The Grand Tour»? Nun reden Clarkson, Hammond und May
- Das wird wieder verbale Haue geben: Clarkson und «The Grand Tour» besuchten die Schweiz
