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Der Tag, an dem mich Sandro zum ersten Mal so richtig hässig machte!

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Emma Amour

Der Tag, an dem mich Sandro zum ersten Mal so richtig hässig machte!

Grundsätzlich bin ich ätzend harmoniesüchtig. Konfrontationen gehe ich darum aus dem Weg. Bis es Sandro neulich so dermassen übertrieb, dass wir uns gegenseitig zum Teufel jagten.
28.04.2023, 09:55
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Natürlich nervt mich Sandro sehr regelmässig. Oft weiss er alles am besten. Besser als Wissenschaftler:innen, Ärzt:innen, Fachpersonen aus allen Bereichen halt. Sandro ist Mansplaining-King.

Ausserdem lässt er wirklich alles liegen. Bei ihm daheim ist mir das egal. Bei mir nicht.

All das ist im Alltag aber gut handlebar. Wir pöbeln uns rasch an, sind kurz genervt und beruhigen uns wieder. Dass es so gut wie nie zum grossen Streit kommt, liegt dabei primär an mir. Ich bin wahnsinnig harmoniesüchtig.

Schon mehrmals waren unsere Diskrepanzen kurz davor, zum Tsunami zu werden. Explodiert ist es aber nie. Bis letzte Woche. Da hat mich der Gute so hässig gemacht, dass sich meine Harmoniesucht mal schnell ins Nirwana verabschiedete.

Ich habe (zu Recht!) ein grosses Drama gemacht!

Sandro hat einen mir wichtigen Termin verpennt. Nicht im übertragenen Sinn. Er hat wirklich verschlafen. Meine zig Anrufe hat er nicht gehört. Der Grund ist simpel: Er hat am Vorabend schlichtweg zu viel gesoffen. Er war so blau, dass er den Wecker statt auf 8 einfach auf irgendwann gestellt hat. Wenn er ihn denn wirklich gestellt hat.

Das ist auch gar nicht wichtig. Auch dass er am Vorabend versackte, wäre mir eigentlich egal. Wäre er am nächsten Tag da gewesen. Ich hätte vielleicht gefunden, dass er etwas stinkt und sein Kater etwas nervig ist, ich hätte aber kein Drama gemacht. Wirklich nicht.

So aber habe ich eines gemacht.

Ein grosses.

Sandro und ich hatten abgemacht, dass wir uns um 9 Uhr bei seinem Auto treffen. Um 9.10 Uhr rief ich zum ersten Mal an. Um 9.40 Uhr stand ich vor seiner Türe und klingelte Sturm. Um 10.30 Uhr rief ich zum letzten Mal an. Meine Gefühle waren ambivalent. Einerseits hatte ich Schiss, dass er irgendwo tot im Strassengraben liegt. Anderseits wusste ich, dass er einfach so tief pennt, dass er nichts hört.

Der wichtige Termin war um 13 Uhr fertig.

Um 11.50 Uhr rief mich Sandro zum ersten Mal an.

Um 12 Uhr hatte ich 9 Anrufe in Abwesenheit.

Um 12.30 Uhr weiss Gott wie viele «Scheisse, Ems, es tut mir soooo leid!»-Nachrichten.

Ich hab keine Nachricht und keinen Anruf beantwortet.

Auf dem Heimweg hoffe ich ein bisschen, dass er als heulendes Elend vor meinem Haus steht, sich 986 Millionen Mal entschuldigt, während er mir alle Blumen dieser Stadt vors Gesicht hält.

Sandro ist aber nicht da.

Und Sandro kommt auch nicht.

Um 16 Uhr ruft er nochmals an.

Dann wieder WhatsApp: «Der Kater fesselt mich ans Bett. Magst du später zu mir ins Bett kriechen?»

WTF!

WTF?

Jetzt rufe ich an. Er geht mit zuckersüsser Stimme ran. «Wie hässig bist du?», fragt er.

«Hardcore», sage ich.

Dann hole ich zur sehr grossen Hasstirade aus. Er lässt's über sich ergehen. Eine Weile. Dann stimmt er mit ein. Und erklärt mir, dass ich «masslos übertreibe». Was mich noch viel wütender macht.

Irgendwann lege ich auf. Ohne Tschüss zu sagen.

Dann passiert …. nichts.

Auch am nächsten Tag nicht.

Am übernächsten schreibt er: «Ich habe eine Friedenstüte für uns geraucht.»

Ich muss kurz lachen, bevor ich mich wieder auf meine Wut konzentriere.

Das ist jetzt zwei Tage her. Ich habe nicht geantwortet. Ich weiss ehrlich gesagt auch heute nicht, wie wir aus dieser Nummer rauskommen.

(@Sandro: Hier hörst du auf zu lesen. Du Trottel.)

Ob ich ihn vermisse? Sehr!

Ob ich wenigstens ein wenig weniger hässig bin? Ja!

Wie ich zu Versöhnungssex stehe? Keine Ahnung. Hatten bis jetzt ja noch keinen richtigen!

Ach, Sex.

Wir hatten schon lange keinen Sex mehr.

Ich vermisse Sex.

Und jetzt gehe ich mal googeln, wie man in Beziehungen Streite beendet. Wobei, das muss ich gar nicht. Ich habe ja euch. Haha.

Also, was tun, Leute?

Danke.

Passt doch irgendwie: Dumme Menschen, die dumme Dinge tun

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Dumme Menschen, die dumme Dinge tun
Man kann es ja mal probieren. Bild: imgur
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Emma Amour ist ...
... mittlerweile 40 Jahre alt, hat es nach tausend Jahren des Hin und Hers tatsächlich geschafft, eine Beziehung mit Suff-SMS-Sandro nicht nur einzugehen, sondern sie sogar mehr oder weniger stabil zu führen! Emma wohnt im Zürcher Kreis 5 (wahrscheinlich für immer) und Sandro im Kreis 3. Zusammenziehen wollen sie nicht, aber sag niemals nie – ausser zu seinem Bierdosenberg, dazu sagt Emma ganz klar «nie in meiner Hütte». In diesem Blog nimmt euch Emma mit in ihr Beziehungsleben und plaudert alles aus, selbst die schlechten Seiten – wohl wissend, dass Sandro mitliest. I love you, SSMSS! Also lehnt euch zurück und geniesst die etwas *erwachsenere Emma!

*Ein bisschen Spass, ihr wisst schon …!
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249 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Nubotronic
28.04.2023 10:47registriert Januar 2016
Pro Tip für Männer von einem Mann: wenn Frau hässig ist, einfach sagen: du übertreibst ein wenig/hör doch auf/ist doch nicht so schlim/du bist jetzt unnötig hässig.
Wirkt immer 👍🏻
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sterpfi
28.04.2023 10:44registriert März 2014
Wie lange seid ihr jetzt zusammen? Und du hast noch keinen Schlüssel zu seiner Wohnung?
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guby
28.04.2023 10:14registriert August 2015
Ich würde ihm klipp und klar sagen, dass das für dich so nicht in Ordnung ist. Am Besten wenn die Wut genug verflogen ist, dass du das mit überlegten "ich" Sätzen tun kannst etc.. Wie Konfliktlösungstheorie halt so funktioniert. Ich für meinen Teil benötige in einer Beziehung Vertrauen. Und wenn meine Partnerin nicht zu einem mir wichtigen Termin erscheint, geht - zumindest ein Teil - dieses Vertrauens verloren. Sieht sie das nicht ein hätte ich persönlich sehr grosse Mühe die Zukunft mit dieser Person zu planen. Das würde ich ihr auch so sagen. Ist aber individuell. Viel Glück!
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