Dieser Sensor zählt Fürze – und bringt neue Erkenntnisse
Ein münzgrosses Gerät in der Unterhose, das jeden Furz registriert: Was zunächst nach einer eher zweifelhaften Geschäftsidee klingt, soll eine echte Lücke in der Darmforschung schliessen. Ein Team um den Zellbiologen Brantley Hall von der University of Maryland hat einen tragbaren Sensor entwickelt, mit dem sich Darmgase über längere Zeit im Alltag messen lassen.
Bislang ist erstaunlich wenig darüber bekannt, wie häufig Menschen tatsächlich furzen. Frühere Schätzungen gingen von durchschnittlich etwa 14 Mal pro Tag aus. Solche Zahlen basieren allerdings unter anderem auf Selbstprotokollen – und wer erinnert sich schon an jeden Furz, insbesondere im Schlaf?
32 statt 14 Fürze pro Tag
In einer ersten Machbarkeitsstudie trugen 19 gesunde Erwachsene den Sensor während einer Woche durchschnittlich mehr als elf Stunden täglich. Das Ergebnis: Das Gerät registrierte im Schnitt 32 Darmgasereignisse pro Tag.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Testpersonen waren allerdings enorm. Während bei manchen lediglich vier Ereignisse gemessen wurden, waren es bei anderen bis zu 59.
Der Sensor erkennt dabei nicht den Furz als Geräusch. Ein elektrochemischer Sensor misst Wasserstoff, der mit den Darmgasen entweicht. Dieser entsteht unter anderem, wenn Darmbakterien bestimmte Kohlenhydrate und Ballaststoffe fermentieren. Das Gerät zeichnet sowohl den Zeitpunkt als auch die Stärke des Signals auf.
In einem weiteren Versuch mit 38 Personen konnten die Forschenden zeigen, dass die gemessene Wasserstoffproduktion zunahm, nachdem die Probandinnen und Probanden Inulin zu sich genommen hatten. Der präbiotische Ballaststoff wird von Darmbakterien fermentiert.
Jetzt kommt der «Furz-Atlas»
Die Forschenden wollen nun deutlich mehr Daten sammeln. Im Rahmen des sogenannten «Human Flatus Atlas» sollen 500 gesunde Erwachsene den Sensor während drei Tagen mindestens zwölf Stunden täglich tragen und gleichzeitig dokumentieren, was sie essen.
Damit soll erstmals eine grössere Vergleichsbasis entstehen. Die Forschenden wollen unter anderem herausfinden, wie stark sich die Gasproduktion von Mensch zu Mensch unterscheidet, welchen Einfluss bestimmte Lebensmittel haben und weshalb manche Menschen ballaststoffreiche Nahrung problemlos vertragen, während andere davon starke Blähungen bekommen.
Langfristig könnten solche Daten auch medizinisch interessant werden. Denkbar wäre beispielsweise, Darmgas-Messungen mit Ernährungs- und Symptomtagebüchern zu kombinieren und so Zusammenhänge zwischen bestimmten Mahlzeiten und Beschwerden besser zu erkennen.
Einen Darm-Check per Unterhose gibt es allerdings noch nicht. Aus der Anzahl der Fürze allein lassen sich weder Reizdarm noch Laktoseintoleranz oder andere Erkrankungen diagnostizieren. Auch eine hohe Gasproduktion kann vollkommen normal sein.
Kaufen kann man den Furz-Sensor bislang ebenfalls nicht. Die Forschenden haben die Technologie zum Patent angemeldet und das Unternehmen Ventoscity gegründet, um sie weiterzuentwickeln. Ob daraus eines Tages tatsächlich ein Wearable für jedermanns Unterhose wird, ist noch offen. (mke)
