Zehenabdrücke und Ballonabsatz – hässliche Schuhe trenden
Wenn man diese Tage auf die Füsse der Mitmenschen blickt, graust es einem gehörig. Grund dafür ist das vielfach gewöhnungsbedürftige Schuhwerk. Ugly Shoes gibt es zwar schon länger, und sie sind besonders auf den Laufstegen nicht wegzudenken. Der Trend ist nun aber vollends im Mainstream angekommen, schreibt der Guardian.
Elegante, zurückhaltende Schuhe waren gestern, bewusst seltsame Designs sind nun das Must-have. Diese Schuhe müssen nicht schön sein, sondern polarisieren und provozieren.
Ein gutes Beispiel dafür sind Vibrams handschuhartige FiveFinger-Schuhe, bei denen jeder Zeh seinen Bereich bekommt und gut eingepackt wird. Ebenfalls beliebt sind Mesh-Schuhe, bei denen die Füsse mit einem Netz bedeckt werden.
Laut der Modesuchplattform Lyst hat sich die Nachfrage nach gespaltenen, hufartigen Schuhen, die den Hallux vom Rest der Zehen trennen sollen, seit 2022 vervierfacht. Inzwischen sind FiveFingers gegenüber dem Vorjahr um 57 Prozent gestiegen.
Schuhe, mit denen einige nicht mal den Müll rausbringen würden, werden jetzt zunehmend im Büro, bei Partys oder sogar bei Hochzeiten getragen. Simone Rocha hat übergrosse Crocs kreiert und sie mit Perlen und Edelsteinen besetzt, während Marken wie Etro, Dior oder Valentino Birkenstocks und Clogs modisch aufwerten.
Ob bei teuren Modehäusern oder Ketten wie Zara: Überall zu sehen sind Sneakerinas, also eine Verschmelzung von Sneaker und Ballerinas. Ebenfalls eine wilde Kreuzung ist der Snoafer, eine Mischung aus Sneaker und Loafer.
Ebenfalls en vogue ist der sogenannte Kartoffel-Schuh. Dazu gehören etwa Uggs oder die Boston-Clogs von Birkenstock.
Auch wenn Ugly Shoes vorwiegend flach daherkommen, gibt es trotzdem Versionen mit Absätzen, diese sind jedoch etwas unkonventioneller. Ein Beispiel dafür ist der Schuh mit Ballonabsatz von Loewe.
Zehen im Fokus
Immer mehr zu sehen sind die Zehen. Neben speziellen Flipflop-artigen Modellen gibt es auch solche, die quasi den ganzen Fuss zeigen, indem beispielsweise der Schuh aus PVC besteht. Fan davon ist etwa Schauspieler Alexander Skarsgard.
Dass nun auch Männer ihre Füsse zeigen, ist schon fast revolutionär. Schliesslich galt bislang eher das Motto: lieber gut gepanzert und eingepackt, als sich verletzlich zu zeigen.
Auch Schuhe, wenn man sie noch so nennen kann, bei denen nur die Ferse bedeckt ist, gibt es mittlerweile. Man denke an den viral gegangenen Chanel-Schuh.
Lange Geschichte von Ugly Shoes
Die Geschichte zeigt, dass Ugly Shoes schon früher existierten, um sich von der Masse abzuheben und einen bestimmten Status zu präsentieren. Valerie Steele, Chefkuratorin des Museums am Fashion Institute of Technology in New York, weist auf die mittelalterlichen Poulaines hin. Diese Schuhe haben eine lange Spitze, die den sozialen Rang des Trägers zeigt. Einige waren so lang, dass sie am Knie befestigt werden mussten, um ein Stolpern zu verhindern.
Gemäss Steele ermöglichen es die heutigen absichtlich seltsamen Schuh-Designs dem Träger, «mit Elementen der Hässlichkeit zu spielen», so dass jemand ein modisches Statement setzen kann, ohne sich auf einen ganzen Look festlegen zu müssen.
Die falsche Schuhtheorie
Die Popularität des Trends kann an die falsche Schuhtheorie geknüpft werden, ein Begriff, der 2023 von der Stylistin Allison Bornstein geprägt wurde. Bei diesem Styling-Trick muss man absichtlich einen unerwarteten beziehungsweise unpassenden Schuh tragen wie etwa Flipflops zur Businesshose. So werde der Look noch interessanter und bekomme eine Persönlichkeit.
Andere sehen in dem Trend eine Gegenbewegung zur MAGA-Ästhetik mit ihren eleganten Stilettos. «Wenn es politisch eine grosse Rechtskurve gibt, gibt es viele Leute, die mit ihrer Kleidung sagen wollen: ‹Das bin ich nicht›», erklärt Steele. Mit dem hässlichen Schuh rebelliert man also ein Stück weit.
Ähnlich dazu passt auch die Theorie, die Ugly Shoes als Erweiterung der Man-Repeller-Kleidung anzusehen. Dabei wollen Frauen nur auf ihre eigenen Vorlieben und Komfort schauen, anstelle sich dem männlichen Blick zu unterwerfen.
Wieder andere sehen in dem Trend die Ablehnung der tausendjährigen Girlboss-Kultur, bei der eine unerbittliche Arbeitsmoral verherrlicht wird und die Frauen in High Heels und schicken Looks die Büros unsicher machen.
Geht es nach den Fashion-Expertinnen, dürfte es auch in Zukunft seltsame Schuhmodelle geben. Denn sobald die heutigen Modelle als normal gelten, muss schon wieder etwas Ausgefalleneres her.
(kek)
