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Kleidermarken verbannen XXL-Grössen aus Sortiment wegen Abnehmspritzen

xxl Kleidergröße
Grosse Kleidergrössen werden laut Händlern weniger nachgefragt.Bild: Shutterstock

Kleidermarken verbannen XXL-Grössen aus Sortiment – das ist der Grund

Da Medikamente zur Gewichtsabnahme an Popularität gewinnen, verzichten Marken auf grosse Kleidergrössen. Damit sind einige nicht zufrieden.
21.08.2026, 19:2621.08.2026, 19:27

In Hollywood ist der Trend schon länger zu beobachten: Der sogenannte «Heroin Chic» feiert ein Comeback. Wie in den 90er- und frühen 2000er-Jahren sorgen einige Stars mit extrem dünnen Körpern für Aufsehen. Gleichzeitig verlieren auch hierzulande viele Menschen dank Abnehmspritzen Gewicht. Das kann sich auf die Kleidergrösse auswirken.

Ariana Grande attends the premiere of "Wicked: For Good" at Lincoln Center, on Monday, Nov. 17, 2025, in New York. (Photo by Evan Agostini/Invision/AP)
Ariana Grande
Viele Fans sorgen sich um Stars wie Ariana Grande.Bild: keystone

Grosse Grössen verschwinden

2023 gab es beim schwedischen Moderiesen H&M noch Grössen von XL bis 4XL und Diversität war ein grosses Thema. 2026 war damit Schluss, schreibt der «Guardian».

Das Marktforschungsunternehmen Edited, das die Produkteinführungen von Onlinehändlern verfolgt, hat das Sortiment von H&M für Frühjahr und Sommer 2026 untersucht. Dafür wurden alle neuen Damenkleider erfasst, die zwischen Januar und Mai 2026 auf der Website erschienen, und mit dem gleichen Zeitraum 2025 verglichen. Das Ergebnis: 3XL und 4XL machten 2025 noch zwei Prozent der Neuheiten aus, 2026 waren sie komplett verschwunden. Auch XXL wurde reduziert: Der Anteil sank von 13,3 auf 10,3 Prozent. XL ging um zwei Prozentpunkte zurück. Gleichzeitig stieg der Anteil der kleineren Grössen von XS bis L im Schnitt um drei Prozentpunkte.

In einer Erklärung gegenüber dem «Guardian» sagte das Unternehmen H&M, dass es ständig die Nachfrage nach Passform und Grössen überwache. Weiter bestätigte es den Entscheid, die Grössen 3XL und 4XL einzustellen. Die Begründung: eine geringere Nachfrage.

H&M ist aber nicht die einzige Marke, die dieses Jahr Kleidungsstücke in Übergrössen reduziert hat. Auch Mango verkleinerte laut Edited seinen Bestand an neuen Kleidern in grösseren Grössen.

Bereits 2024 verschwand bei der schwedischen Modekette Monki, die zur H&M Group gehört, das Plus-Size-Sortiment, schreibt FashionUnited. Auch damals soll die fehlende Nachfrage ein Grund dafür gewesen sein. Zudem konnten dadurch Kosten eingespart werden. Monki bietet inzwischen nur noch Kleidung in den Grössen XXS bis XL an.

2023 verärgerte C&A seine Kundschaft, als es entschied, europaweit auf eine separate XL-Kollektion in den Läden zu verzichten. Dafür wollte es bei den regulären Kollektionen zusätzliche Grössen anbieten, berichtet 20 Minuten.

Abnehmspritzen als Grund

Grund für die jüngsten Grössenänderungen ist laut «Guardian» das Aufkommen der Abnehmspritze. Vor allem in den USA griffen die Leute vermehrt zu dem Medikament. Die Auswirkungen auf die durchschnittliche amerikanische Körpergrösse waren bereits signifikant: Die Rate der Fettleibigkeit bei Erwachsenen in den USA schien nach einem jahrzehntelangen Anstieg im Jahr 2022 mit 39,9 Prozent ihren Höhepunkt zu erreichen und sank in diesem Jahr auf 36,4 Prozent. Dies führte dazu, dass vermehrt kleine Kleidergrössen nachgefragt werden.

FILE - The injectable drug Ozempic in Houston on July 1, 2023. (AP Photo/David J. Phillip, File)
Ozempic
Durch die Abnehmspritze konnte die Fettleibigkeit in den USA reduziert werden.Bild: keystone

Trotz des Booms der Abnehmspritzen trägt die Mehrheit der US-Amerikanerinnen weiterhin grössere Kleidergrössen. Untersuchungen zeigen, dass die meisten Nutzerinnen und Nutzer von GLP-1-Medikamenten 10 bis 20 Prozent ihres Körpergewichts verlieren. Laut einer Schätzung tragen zudem 66 Prozent der US-Frauen noch immer Grösse XL oder mehr. Menschen mit Plus-Size-Grösse bleiben damit eine grosse, aber von vielen Modemarken weiterhin vernachlässigte Zielgruppe, schreibt der «Guardian».

Menschen mit Übergrösse haben es schwerer

Model, Aktivistin und Autorin Tess Holliday arbeitete 2023 als Grössen- und Inklusionsberaterin für H&M. Sie bemerkte den Rückgang von Plus-Size-Mode erstmals während der Corona-Pandemie. Ab 2022 habe sich die Entwicklung beschleunigt: «Es gab einen raschen Rückgang der Plus-Size-Angebote. Vielfalt als Ganzes hat für viele Marken keine Priorität mehr», sagt sie.

Los Angeles Premiere Of Amazon Prime Video s Overcompensating Season 1 HOLLYWOOD, LOS ANGELES, CALIFORNIA, USA - MAY 14: American plus-size model, blogger, and make-up artist Tess Holliday arrives at  ...
Tess Holliday arbeitet als Plus-Size-Model.Bild: www.imago-images.de

Ihrer Ansicht nach beeinflussen auch gesellschaftliche Vorurteile den Umgang der Modebranche mit korpulenteren Menschen. «Die Leute nehmen an, dass wir faul oder ungebildet sind», sagt sie. Menschen mit Übergrössen würden dadurch häufig als weniger wertvoll wahrgenommen. Das Argument, dass Abnehmspritzen der Grund für die Reduktion grosser Grössen seien, akzeptiert sie nicht.

Die Möglichkeiten für Menschen mit Übergrösse sind nun so begrenzt, dass einige schon ganz darauf verzichten, physisch nach Kleidung zu schauen. Reddit ist voll von Threads von Plus-Size-Käufern, die über ihren Mangel an Optionen sprechen. Viele versuchen, auf dem Secondhandmarkt etwas zu finden. Und einige sind so gefrustet, dass sie ihre Kleidungsstücke selbst nähen.

(kek)

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