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Wir sollten nicht über Körper von Frauen sprechen, aber wir müssen

Der Skinny-Trend kommt zurück nach Hollywood.
Der Skinny-Trend ist zurück in Hollywood.Bild: getty/instagram
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Wir sollten nicht über Körper von Frauen sprechen, aber ich glaube, wir müssen

Skinny-Tok trendet, Ozempic bricht Verkaufsrekorde und auf den roten Teppichen ist nicht mehr viel von Bodypositivity zu sehen. Hollywood bringt das abgemagerte Schönheitsideal zurück und niemand traut sich, darüber zu reden.
30.11.2025, 09:2630.11.2025, 09:26

Am 19. November hat der Film «Wicked: For Good» Premiere in den Schweizer Kinos gefeiert. Der zweite Teil der Musical-Verfilmung erzählt die Geschichte von der bösen Hexe des Westens aus «Der Zauberer von Oz». Obwohl der Film an Spannung und emotionalen Momenten so einiges zu bieten hat, wird im Internet vor allem über etwas diskutiert: die Pressetour mit den beiden Hauptdarstellerinnen Ariana Grande (Glinda) und Cynthia Erivo (Elphaba). Oder besser: über deren Körper.

Auf verschiedenen Plattformen gehen Vorher-Nachher-Bilder der beiden Schauspielerinnen und ihrem Co-Star Michelle Yeoh viral. Darauf ist deutlich zu sehen, wie viel Gewicht die drei seit Beginn der Dreharbeiten für «Wicked» verloren haben.

Vorher-Nachher Wicked
Die oberen Bilder zeigen die Schauspielerinnen vor «Wicked» und die unteren danach.Bild: isntagram/oocprogresismo2

In den Kommentaren gibt es für diese Veränderung wenig Verständnis: «Was ist passiert?», «Ich habe sie fast nicht wiedererkannt» oder «Einfach nur traurig», heisst es etwa. Vereinzelt liest man noch den verzweifelten Versuch, die Bodypositivity-Bewegung aus den 2010ern aufrechtzuerhalten, in dem dazu aufgerufen wird, die Körper von Menschen nicht zu bewerten.

Ariana Grande befeuert Pro-Ana-Bewegung

Dabei werden auf Social Media aber weniger die dünnen Körper selbst kritisiert, als die Normalisierung von Essstörungen, um diese dünnen Körper zu erreichen.

So gilt es seit 2013 unter Arianators (Fans von Ariana Grande) als offenes Geheimnis, dass die Sängerin ein gestörtes Essverhalten hat. Damals postete sie unter einem Pseudonym auf der Blogging-Plattform Tumblr Tipps zum Abnehmen. Tumblr war Anfang 2010er der Entstehungsort der sogenannten Pro-Ana-Bewegung. Pro-Ana steht für Pro Anorexia, wo sich unter bestimmten Hashtags essgestörte Menschen fanden, um sich gegenseitig in ihrer Essstörung anzufeuern. Ariana Grande zeigte auf der Plattform ihre extremen Diäten, die oftmals nur aus Gemüse und Früchten bestand.

Dieses Foto postete Ariana Grande während ihrer Tour 2015.
Dieses Foto postete Ariana Grande während ihrer Tour 2015.instagram

Wegen ihres starken Gewichtsverlusts in den letzten Jahren gehen die Fans nun davon aus, dass sich das Essverhalten der 32-Jährigen nicht verbessert hat. Dass auch Cynthia Erivo und Michelle Yeoh merklich dünner sind als noch vor «Wicked», erklären sich viele damit, dass Essstörungen extrem kompetitiv sind: «Jede am Set will die Dünnste sein und man treibt sich gegenseitig immer tiefer in die Krankheit», schreibt dazu eine Ärztin auf TikTok. Obwohl diese Theorie nie bestätigt wurde, wird die Produktion von «Wicked» heftig kritisiert.

epa12516821 British actor/cast member Cynthia Erivo (L) and US actor/cast member Ariana Grande attend the European Premiere of 'Wicked: For Good' in London, Britain, 10 November 2025. The fi ...
Ariana Grande und Cynthia Erivo an der «Wicked»-Pressetour 2025.Bild: keystone

Immer mehr immer dünner werdende Körper

Doch nicht nur der «Wicked»-Cast scheint das Magersein wieder zu befürworten. So sieht man seit Monaten auf dem roten Teppich immer mehr immer dünner werdende Körper.

Lilly Collins etwa alarmierte ihre Fans mit ihrem abgemagerten Waschbrettbauch an der New York Fashionweek im September 2025. Das, nachdem die Schauspielerin 2017 mit Harper’s Bazaar über ihre Anorexie sprach und meinte, diese überstanden zu haben.

NEW YORK, NEW YORK - SEPTEMBER 12: Actor Lily Collins is seen arriving at the Calvin Klein fashion show during New York Fashion Week at the Brant Foundation on September 12, 2025 in New York City. (Ph ...
Lilly Collins an der New York Fashionweek im September 2025.Bild: GC Images

Besonders gross ist die Kritik zudem bei Frauen, die während der Bodypositivity-Bewegung ihre Kurven feierten und nun zu Ozempic und Co. greifen, um genau diese Kurven loszuwerden.

Meghan Trainor etwa bestärkte 2014 mit ihrem Hit «All About that Bass» junge Frauen, sich nicht um ihre Körper zu scheren. Sie werde nie «eine dünne Silikonbarbiepuppe» sein und jeder, der das wolle, habe in ihrem Leben nichts zu suchen, heisst es im Songtext. Unterdessen nimmt Trainor den Wirkstoff Mounjaro, der zu Gewichtsverlust führt. Weiter hat sie sich die Brüste machen lassen.

Megan Trainor in den Jahren 2015 und 2025.
Megan Trainor in den Jahren 2015 und 2025.getty

Ebenso ein grosses Vorbild war Tennis-Star Serena Williams. Sie galt mit ihren Kurven als Symbol dafür, dass Gesundheit nichts damit zu tun haben muss, wie der Körper aussieht. Nun wirbt die 44-Jährige mit ihrem Sixpack für GLP-1-Medikamente, die Gewichtsabnahme fördern.

Serena Williams in den Jahren 2021 und 2025.
Serena Williams in den Jahren 2021 und 2025.getty/instagram

Beschwerden über dünne Models

Es scheint also wirklich so, dass Magersein wieder en vogue ist. Dass die grosse Masse das aber nicht für gut befindet, zeigt ein Bericht der BBC. So sollen in Grossbritannien die Beschwerden über extrem dünne Models in der Werbung immer häufiger werden.

Dabei stellt sich die Frage: Wenn wir das extreme Dünnsein als Gesellschaft eigentlich gar nicht wollen, woher kommt es dann, dass sich Frauen in Hollywood wieder abmagern?

Viele Kritikerinnen und Kritiker sehen das Wirtschaftssystem als Katalysator des Skinny-Trends. Menschen, die sich nicht schön finden, geben meist viel Geld dafür aus, um das zu ändern. Ob für Saftkuren zum Abnehmen, teure Cremes gegen Falten oder Haartönungen, um die ersten grauen Haare abzudecken: Der Markt für Schönheits- und Körperpflegeprodukte ist einer der profitabelsten überhaupt. Laut Statista wird im Jahr 2025 damit voraussichtlich ein Umsatz von 677,19 Milliarden US-Dollar generiert. Mit dem Aufkommen von Ozempic und Co. ist auch die Pharmaindustrie daran interessiert, dass wir weiterhin unseren Körper kritisieren.

«Der Schönheitsmythos»

Zudem scheint aber auch das politische Klima, in dem wir uns gerade befinden, den Skinny-Trend zu befeuern. In unzähligen Essays und feministischen Zeitschriften wird gerade wieder das 1993 veröffentlichte Buch von Naomi Wolf «Der Schönheitsmythos» diskutiert. Darin untersuchte sie, wie westliche Schönheitsideale als Werkzeug des Patriarchats benutzt werden, um Frauen zu kontrollieren. Das Buch erklärt, wie in historischen Momenten der Dünnseinswahn immer dann zurückkehrte, wenn Frauen der Gleichstellung und sozialer Macht näher kamen.

«Der Schönheitsmythos» von Naomi Wolf
«Der Schönheitsmythos» von Naomi WolfBild: orell füessli

Für viele feministische Stimmen ist darum die Rückkehr des Skinny-Trends gerade jetzt kein Zufall. Sie sehen, wie durch die Me-Too- und Bodypositivity-Bewegung die Frauen mehr Selbstbestimmung erlangten und sich so mehr gegen das Patriarchat auflehnten. Das Zusammenspiel aus dem Wirtschaftssystem und der politischen Lage sorgt ihrer Meinung nach aber nun dafür, dass der erneute Magerwahns diese hart erkämpften Fortschritte langsam aber sicher wieder rückgängig macht.

Den Anstieg von Femiziden und Essstörungen in den letzten Jahren aber alleine dem erneuten Aufstieg des Skinny-Trends zuzuschreiben, ist wahrscheinlich etwas weit gegriffen. Dass in diesem politischen Klima der Fokus wieder auf den mageren Frauenkörper zurückfällt, wird aber trotzdem nicht unbegründet sein.

Darum ist es wichtig, dass wir über diese Körper sprechen. Nicht mit Hass und Anfeindungen, sondern mit Nachsicht, Einfühlsamkeit und sinnvoller Kritik. Es ist wichtig, dass wir über die Gefahren von Ess- und Magersucht sprechen, über die Gefahr, dass Promis durch Social Media ihre Unsicherheiten an ein grosses Publikum weitergeben und darüber, dass Körper keine Trends sind, die sich nach Lust und Laune formen lassen, um dem neusten Schönheitsideal zu entsprechen. Für unser Wohl, aber auch für das Wohl der nächsten Generation von jungen Frauen – und natürlich auch Männer.

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quelle: keystone / jordan strauss
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Die beliebtesten Kommentare
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deedee
30.11.2025 10:08registriert März 2015
Nicht eine dieser Frauen sieht besser oder gesünder aus als vorher. Nicht mal ansatzweise. Man muss das Ganze wirklich als krankhafte Essstörung betrachten sonst kann man sich das nicht erklären. Social Media tut dann noch das Übrige weil der Algo ihnen genau das zeigt was sie sehen wollen und sie in ihrem Verhalten verstärkt. Traurig.
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slnstrm
30.11.2025 09:56registriert August 2023
Warum sollte man nicht über Körper von Frauen sprechen? Wenn meine Tochter irgendeinen Wahn aus TikTok übernommen hat, wer ausser ich soll ihr dann erklären, dass so z.B. ein Dehnungsstreifchen kein Weltuntergang ist und ganz süss sein kann?
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[CH-Bürger]
30.11.2025 09:59registriert August 2018
man muss sich schon fragen, wenn eine Kämpferin für Body-Positivity ein paar Jahre später genau diesem Scheiss-Trend nacheifert...

hat sie einen intrinsischen Sinneswandel durchgemacht?

oder hat sie ihr Gewissen einfach "nur" für viel Kohle an den Teufel der Werbeindustrie verkauft?!
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