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Darum regt sich Nobelpreisträgerin Jelinek gerade tierisch auf

Warum sich Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek gerade tierisch aufregt

In «Unter Tieren» erzeugt die österreichische Literaturnobelpreisträgerin antikapitalistische Literaturblasen. Damit will sie Blasenbildungen auf den Finanzmärkten zum Platzen bringen. Gelingt ihr das?
05.07.2026, 02:2005.07.2026, 02:20
Julian Schütt
Julian Schütt
Liebt die Tiere, aber nicht die Banken: Elfriede Jelinek.
Liebt die Tiere, aber nicht die Banken: Elfriede Jelinek.Bild: Claudia Müller

Wie man warme Luft zu Geld macht, bewies in jüngster Zeit der österreichische Finanzakrobat René Benko. Seine bald 80-jährige Landsfrau Elfriede Jelinek beweist mindestens so virtuos, dass man aus Kapitalismuskritik wiederum warme Luft machen kann.

In «Unter Tieren» empört sie sich über Benko, Banken und alle Niederungen der Geldwirtschaft. Neben dem Pleitier Benko nennt sie zu Beginn ganz kurz noch einen anderen Österreicher, der wie ein leuchtendes Gegenbeispiel erscheint: den Philosophen Ludwig Wittgenstein, Spross einer der zu Beginn des 20. Jahrhunderts reichsten Familien. Er verschenkte all sein Geld, weil er nur so frei und unabhängig nachdenken konnte.

Vom Kapitalistenschwein zum Sparschwein

Die Literaturnobelpreisträgerin wählt den satirischen Kunstgriff, aus der Sicht von Tieren zu erzählen. George Orwell hat dieses Verfahren in «Animal Farm» perfektioniert. Eine Pointe ist, dass man dann vom Schwein zum Menschen und vom Menschen zum Schwein blickt und bald nicht mehr unterscheiden kann, wer wer ist.

Das Schwein, bekannt auch als Kapitalistenschwein oder als Sparschwein, lässt die Autorin natürlich prominent auftreten. Sie vertraut besonders auf Tiere, die man schon als Kind zum Kuscheln liebt, wie Hase, Bär, Äffchen, Ente oder eben Schweinchen. Sie alle steigern sich in Empörungsmonologe hinein. Das Buch ist denn auch kein Roman, eher ein Theaterstück in Prosaform, das an den kommenden Salzburger Festspielen uraufgeführt wird.

Jelinek pickt Kritisches von Thomas Piketty auf

Den Anfang machen pickende Tauben, die Jelinek zum ersten Wortspiel verhelfen: «picketty, picketty» – eine Anspielung auf den französischen Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty, Autor des Bestsellers «Das Kapital im 21. Jahrhundert». Manches, was er kritisch über Kapitalismus und Geldwirtschaft sagt, pickt sie auch in «Unter Tieren» auf: Die einen schaffen es, immer reicher zu werden, die anderen werden ärmer.

Tiere üben in Jelineks neuem Buch Kapitalismuskritik.
Tiere üben in Jelineks neuem Buch Kapitalismuskritik.Bild: Rowohlt

Banken und Investoren vertrauen Pleitiers wie Benko blind, während die gleichen Banken bei den kleinen Leuten, die einen Kredit wünschen, ganz genau hinschauen. All das ist bis zum Abwinken bekannt, und doch schleudern es uns Jelineks Viecher nochmals entgegen, um uns aufzurütteln. Und so wettern die Tauben über Benko, der «gar nichts hat und den Rest gut versteckt».

Erschöpft von den überraschungsarmen Suaden, stellt man sich bei diesem Buch irgendwann die urkapitalistische Frage: «Was bringt’s?» Immerhin, die Tiere reflektieren auch, wie abgründig die Kapitalisten sie verwursten und verschlingen. Das ist erhellender als die Literaturblasen, mit denen Elfriede Jelinek einer Blase von Einverstandenen von den Finanzblasen erzählt. (schweizheute.ch)

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quelle: wikimedia
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Zum 250. Geburri: Sachen, für die ich die USA liebe (trotz allem Sch…)
Ja, die meisten liegen bereits einiges in der Vergangenheit zurück. Doch sie sind grossartig. Und, ja, sie sind amerikanisch.
Wir vergessen es gerne mal, aber 250 Jahre sind ein stattliches Alter für einen Nationalstaat. Etliche europäische Staaten sind deutlich jünger. Deutschland etwa wurde erst 1871 zu einer Nation. Italien 1861. Die Schweiz 1848 – vorher war sie eine lose Ansammlung quengelnder Kantone, die jeder für sich wie eigenständige Staatswesen agierten.
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