Arschgeweih oder Cyber-Sigilismus: Diese Tattoos sind jetzt im Trend
Kunstwerke auf der Haut erzählen Geschichten, sind Abdruck der Persönlichkeit oder halten einen besonderen Moment fest. Auch wenn ein Tattoo möglichst ein Leben lang gefallen soll, gibt es immer wieder neue Trends. Was derzeit angesagt ist, welche Unterschiede es zwischen den Generationen gibt und welchen Einfluss Social Media darauf hat, erzählen zwei Tattoo-Experten.
Diese Stile sind gefragt
«Fineline ist nach wie vor sehr gefragt, also sehr dünne und präzise Linien, die wie ein filigraner Körperschmuck wirken», erzählt Inhaber und Geschäftsführer Lukas Hartmann von PiiNK Tattoo & Piercing auf Anfrage. Das Tattoostudio hat Standorte in Basel, Luzern, Winterthur und demnächst St.Gallen. Dies bestätigt auch Sinkply Fineline Tattoo in Zürich, das vor allem weibliche Kundschaft verzeichnet. Dazu kommen teils handgeschriebene oder gezeichnete Schriftzüge wie Namen oder Motive von den Liebsten und abstrakte Tattoos.
Schon länger im Trend und ebenfalls beliebt sind florale Elemente. «Wir merken bei PiiNK, dass die Leute in der heutigen Zeit viel mehr auf Ästhetik und Leichtigkeit achten im Vergleich zu früher», meint Hartmann. Früher habe dagegen vielfach das Motto geherrscht: Hauptsache ein klobiges, auffälliges Tattoo.
Bei diesen Trends gibt es ein Comeback
Auch Trends, die schon einmal en vogue waren, erleben ein Comeback. Einer davon ist das altbekannte Arschgeweih, also ein Tattoo knapp oberhalb des Steissbeins. Anders als früher soll es jetzt aber feiner, cleaner und moderner gestochen sein. Bei PiiNK und Sinkply ist der ganze Hype um die 90er und Y2K, also die 2000er-Jahre, spürbar.
Ebenfalls zurück sind Tribals, die einen Wandel durchgemacht haben und nun in einer futuristischen Variante daherkommen. Tribals sind abstrakte Formen aus geschwungenen, spitz zulaufenden Linien, die ursprünglich aus indigenen Kulturen stammen. Der sogenannte Cyber-Sigilismus ist vor allem bei Jüngeren beliebt. Die Tattoos sind meist abstrakt und symmetrisch und erinnern durch gezielte Verzerrungen an digitale Bildstörungen.
Diese Körperteile sind beliebt
Bei PiiNK lassen sich die Leute vor allem die Körperteile tätowieren, die man dezent zeigen kann und die ästhetisch aussehen. Dies sind etwa die Wirbelsäule, die Stelle hinter dem Ohr, das Brustbein, die Leiste, der Arm oder die Hand. Ein Faktor ist auch, wie gut die Tattoos im Alltag versteckt werden können. Hartmann betont aber, dass sie bei PiiNK sehr vorsichtig vorgehen und viel Wert auf die Beratung legen: «Wenn die Kunden zu jung sind, raten wir betreffend der beruflichen Zukunft oft davon ab.»
Bei Sinkply lässt sich die Kundschaft vor allem Arme, Beine, Rippen und Füsse tätowieren. Tattoos an den Füssen sind dabei besonders in den Sommermonaten gefragt.
Bei bestimmten Körperstellen spielt die Hautalterung eine Rolle, da sie je nach Körperregion unterschiedlich stark ausfällt, wie etwa an der Hand, wo die Haut schneller altert: «Ein Tattoo sieht an der Stelle oft nach einer gewissen Zeit einfach nicht mehr so filigran aus wie am ersten Tag», heisst es von PiiNK. Beliebt sind an den Armen zunehmend Patchwork-Sleeves, also «viele kleine Motive, die wie Sticker gesammelt werden, zu einem grossen Ganzen».
Einfluss von Stars und Social Media
Unterschiede gibt es auch bei den Generationen, wie Hartmann verrät: «Die Gen Z ist viel mehr trendgetrieben und spontaner. Sie holt sich die Ideen direkt vom Smartphone und lässt sich auch mal einen schrägen Style tätowieren ohne grosse Bedeutung, nur weil es einfach im Moment passt.» Sinkply bestätigt: «Jüngere kommen mehr mit Trendtattoos und etwas spicyeren Platzierungen».
Social Media mit Plattformen wie TikTok und Instagram ist hier nicht mehr wegzudenken und bestimmt den Trend. Bei PiiNK ist es nicht mehr üblich, dass die Kunden nach Vorlagen oder Vorlagebüchern fragen, wie es früher gang und gäbe war. Dafür zeigen sie auf dem Smartphone Videos, Fotos oder Screenshots von Tattoos internationaler Models oder Influencer, die sie sich ebenfalls wünschen.
Die Älteren überlegen bei Tattoos meist länger und entscheiden sich für zeitlosere Designs. Dazu gehören beispielsweise Schwarz/Grau-Tattoos oder Motive, die eine emotionale Bedeutung für die Person haben. Bei Sinkply holt sich die ältere Generation ihre Inspiration häufig bei Google. Deshalb werden dort eher Klassiker wie Traumfänger oder Vögel nachgefragt. Auch Tattoos, die den eigenen Kindern gefallen, sind beliebt.
Hailey Bieber und MGK als Vorbild
Bei den meisten Bildern wird nur das Tattoo gezeigt, jedoch stechen einige Stars heraus. Bei Sinkply dient das Model Hailey Bieber besonders häufig als Tattoo-Vorbild. Vor allem ihr Hals-Tattoo wird oft als Vorlage präsentiert.
Auch bei PiiNK ist die Frau von Justin Bieber keine Unbekannte:
Machine Gun Kelly (MGK) wird als Vorlage für Blackouts genannt, also komplett tiefschwarz tätowierte Arme oder Oberkörper.
Ein beliebtes Tattoo-Vorbild ist zudem Sängerin Rihanna. Besonders ihr Handtattoo und ihr Underboob-Tattoo lassen sich Fans immer wieder detailgetreu nachstechen.
Das ist (bald) out
Einige Trends sind nicht für die Ewigkeit gedacht und sind schneller weg, als man denkt. Dazu gehören Tattoos, die ihren Hype aufgrund des Internets haben, wie Ignorant Styles. Dies sind Tattoos, die extra so gestochen werden, als hätte man sich das Motiv selbst hingekritzelt. Diese haben meist keine Bedeutung und werden oftmals nach einigen Jahren bereut. «Da gehört bei uns als Studio aber auch eine ehrliche Beratung dazu», heisst es von PiinK.
Ebenfalls out sind die Tattoo-Klassiker der 2010er-Jahre wie Infinity-Schleifen, Pusteblumen, Federn oder Vögel. Vorbei ist auch der Hype um extrem kleine Mikro-Realismus-Tattoos. Hartmann erklärt: «Die Kunden merken, dass zu viele Details auf engstem Raum nach ein paar Jahren in der Haut unscharf aussehen.»
Bei Sinkply vermutet man, dass Cyber-Sigilismus in den nächsten Jahren weniger nachgefragt wird. Ganz klar out seien schon jetzt Sternzeichen als Motiv.
Egal, ob ein Tattoo nun Trend ist oder nicht, Bei PiiNK hat jedes Tattoo seine Berechtigung: «Am Ende des Tages ist uns bei PiiNK wichtig: Trends kommen und gehen, aber ein Tattoo bleibt.»
