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9 wiederentdeckte, ausgestorben geglaubte Tierarten

9 wiederentdeckte, ausgestorben geglaubte Tierarten

26.11.2023, 16:0827.02.2024, 10:23
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Die Liste bedrohter Tierarten wächst Jahr um Jahr aufgrund des Klimawandels, des schrumpfenden Lebensraumes oder aufgrund von Krankheiten. Auf der jährlich publizierten sogenannten Roten Liste der Weltnaturschutzunion befinden sich derzeit über 42'000 bedrohte Tierarten.

Gelegentlich kommt es aber vor, dass ausgestorben geglaubte Tierarten plötzlich wieder auftauchen. So wie etwa kürzlich in Indonesien der Attenborough-Langschnabel-Ameisenigel oder in Bosnien der Gebirgs-Steppenfrostspanner – ein Schmetterling.

Das Wiederauftauchen von bereits ausgestorben geglaubten Tierarten hat in der Naturschutzbiologie einen Namen: der Lazarus-Effekt. Die Bezeichnung ist angelehnt an die biblische Geschichte des Lazarus, der vier Tage nach seinem Tod von Jesus wieder zum Leben erweckt worden war. Der Lazarus-Effekt in der Tierwelt kann sich auf eine spezifische Art oder in einem weiter gefassten Sinne auf Unterarten oder Gattungen beziehen.

Eine Übersicht:

Der Quastenflosser

Eine der wohl faszinierendsten Wiederentdeckungen in der Tierwelt betrifft den Quastenflosser. Der Knochenfisch ist ein Urtier, das die Weltmeere bereits vor 360 Millionen Jahren bevölkert hat – womit er noch 290 Millionen Jahre älter ist als der bekannte Tyrannosaurus Rex. Seit dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren galt der Quastenflosser als ausgestorben. Er war der heutigen Menschheit nur als Fossil bekannt – bis er 1938 in einem Fischernetz vor der südafrikanischen Küste landete. Da das Tier in einer Tiefe von 150 bis 400 Metern lebt, überlebte es den Druckabfall beim Herausziehen der Netze an die Oberfläche nicht. Kurze Zeit später wurde der ungewöhnliche Fisch von Expertinnen und Experten als ein Nachfahre des Quastenflossers identifiziert.

Quastenflosser
Ein Museumspräparat eines 1968 gefundenen Männchens mit einer Länge von 1,32 m. Bild: Shutterstock

Danach dauerte es bis 1987, bis es einer deutschen Forschergruppe gelang, einen lebenden Quastenflosser in seinem natürlichen Lebensraum vor den Komoren, einer Inselgruppe an der Ostküste Afrikas, zu beobachten.

Es sind zwei existierende Arten vom Quastenflosser bekannt. Die eine lebt zwischen den Komoren und Madagaskar und die zweite in indonesischen Meeresgebieten in Südostasien. Das Tier gilt als vom Aussterben bedroht und befindet sich auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion.

Die Laotische Felsenratte

Auch die Laotische Felsenratte kannte man vor 2006 nur als Fossil. Sie galt bereits als seit elf Millionen Jahren ausgestorben, bis Wissenschaftler ihr 2005 auf einem Markt in Laos begegneten – auf einem Grill. Der lokalen Bevölkerung war das Tier schon seit Längerem als Delikatesse bekannt, während die Wissenschaftler zunächst fälschlicherweise glaubten, eine neue Nagetierart entdeckt zu haben. Erst nach weiteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass es sich bei dem Tier um einen Vertreter der bereits ausgestorben geglaubten Familie der sogenannten Diatomyidae handelte.

laotische felsenratte
Die Laotische Felsenratte. Bild: Keovichit, K., Nicolas, V. & Hugot, J.-P.

Das Tier ähnelt optisch einem Mix aus einer grossen, dunklen Ratte mit einem buschigen Schwanz, der jenem eines Eichhörnchens gleicht. Auffallend ist zudem sein watschelnder Gang sowie sein gutmütiges, zutrauliches Wesen, wie einige Forschende festgestellt haben.

Laut der Weltnaturschutzunion gilt das Tier als nicht gefährdet.

Der Bergbilchbeutler

Obwohl der kleine Bergbilchbeutler aussieht wie eine Maus, hat er nichts mit ihr zu tun. Er gehört – wie es der Name schon andeutet – zur Familie der Beuteltiere. Wie der Quastenflosser und die Laotische Felsenratte kannte man den Bergbilchbeutler zunächst nur als überlieferte Versteinerung. Entdeckt wurden die Fossilien 1894 vom Arzt und Paläontologen Robert Broom in Australien, der das Tier fälschlicherweise als Felsmaus beschrieb. Im August 1966 wurde in den Bergen von Victoria schliesslich eine unbekannte Beutelsäugerart entdeckt, die den Fossilfunden zugeordnet werden konnte.

Da das Tier ausschliesslich nachtaktiv und sehr scheu ist, blieb es lange unentdeckt. Bergbilchbeutler leben in einem kalten Lebensraum, der im Winter häufig von Schnee bedeckt ist. Um sich warmzuhalten, schlafen sie in Felsspalten, wo sie sich als Gruppe eng aneinanderschmiegen.

Gemäss der University of New South Wales gibt es nur noch weniger als 3000 Exemplare in der freien Wildbahn. Ihr kleiner Lebensraum ist von den steigenden Temperaturen bedroht. Denn: Die kleinen Tierchen halten jedes Jahr einen Winterschlaf. Wird es aber zu warm, wachen sie auf und verhungern. Dies liegt unter anderem auch daran, dass die Population von Hauptnahrungsquellen – wie beispielsweise dem Bogong-Falter – zurückgeht.

In einem Versuch, die Nager besser zu schützen, wurde eine Population von Bergbilchbeutlern in eine neu errichtete Anlage im Flachland umgesiedelt. Dort wird versucht, die Tierchen in eine neue Umgebung umzugewöhnen, wo sie keinen Winterschlaf mehr machen müssen und besseren Zugang zu Nahrung haben.

Das Voeltzkow-Chamäleon

Das Voeltzkow-Chamäleon, welches nur in Madagaskar lebt, wurde 1893 erstmals beschrieben und dann nie wieder gesehen – obwohl einige Quellen 1913 als das letzte Sichtungsjahr nennen. Erst 2018 konnte eine Expedition der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) das Tier dank einer gezielten Suche wieder aufspüren. Zum ersten Mal überhaupt entdeckten sie dabei auch Weibchen.

Noch immer ist nicht sehr viel über die bunten Wirbeltiere bekannt, da sie vermutlich nur wenige Wochen während der Regenzeit leben. Frank Glaw, Kurator für Reptilien und Amphibien an der ZSM, erklärte gegenüber dem «Spiegel»:

«Daher muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um diese Chamäleons nachweisen zu können. Und das ist während der Regenzeit gar nicht so einfach, da viele Strassen dann nicht befahrbar sind. Dies ist vermutlich auch ein Grund dafür, warum das farbenfrohe Reptil so lange übersehen wurde.»

Ob und wie sehr das Tier gefährdet ist, ist aufgrund der dünnen Datenlage schwer abzuschätzen. Angesichts des schrumpfenden Lebensraumes durch die Abholzung in Madagaskar ist allerdings davon auszugehen, dass das Voeltzkow-Chamäleon bedroht ist.

Eine zweite «verschollene» Chamäleonart, Furcifer Monoceras, konnte während der Expedition nicht wiederentdeckt werden.

Die Fernandina-Insel-Galapagos-Schildkröte

Seit 2021 ist es wissenschaftlich bestätigt: Eine 2019 auf der Galapagos-Insel Fernandina entdeckte Riesenschildkröte gehört zu einer Art, die lange als ausgestorben galt. «Es wurde angenommen, dass sie vor mehr als 100 Jahren ausgerottet wurde», erklärte Ecuadors Umweltminister Gustavo Marique vor zwei Jahren. «Wir haben ihre Existenz bestätigt. Die Schildkröte der Art Chelonoidis phantasticus wurde in Galapagos gefunden.»

Genetiker der US-Eliteuniversität Yale hatten die DNA des Schildkrötenweibchens mit einer 1906 genommenen Probe von einem Männchen der Art abgeglichen und die Erbgut-Übereinstimmung bestätigt. Die in einem Museum aufbewahrte Probe war bei einer Expedition der Kalifornischen Akademie der Wissenschaften genommen worden.

Chelonoidis phantasticus ist eine von 15 Riesenschildkröten-Arten, die auf den entlegenen Galapagos-Inseln vorkommen. Die für die Galapagos-Inseln Santa Fe und Pinta typischen Riesenschildkrötenarten sind bereits ausgestorben. Dass es doch noch ein Exemplar der Art der Insel Fernandina gibt, «erneuert unsere Hoffnung auf eine Erholung dieser Art, um sie vor einem ähnlichen Schicksal wie dem von Lonesome George zu bewahren», erklärte der Direktor des Galapagos-Nationalparks, Danny Rueda.

Die Somali-Elefantenspitzmaus

Die Somali-Elefantenspitzmaus heisst nicht nur so, sie ist tatsächlich entfernt mit dem Elefanten verwandt. Das winzige, insektenfressende Säugetier mit seiner rüsselartigen Nase wurde zuletzt in den 1970er-Jahren gesehen. Danach wurde es in der trockenen, felsigen Landschaft der Region jahrzehntelang nicht mehr gesichtet.

somali elephant shrew
Die Somali-Elefantenspitzmaus.Bild: Steven Heritage​

Aus diesem Grund wurde es auf die Liste der 25 meistgesuchten verlorenen Arten von re:wild (ehemals Global Wildlife Conservation Group) aufgenommen. Nach über 50 Jahren wurde die Maus 2019 wiederentdeckt. Dabei stellten die Forschenden fest, dass diese nicht nur in Somali, sondern auch im angrenzenden Dschibuti lebt.

Über die Tiere ist nach wie vor wenig bekannt, auch zum Bestand der Art liegen keine Daten vor.

Die Wallace-Riesenbiene

Im indonesischen Regenwald ist 2019 die Megachile pluto («Wallace-Riesenbiene»), die grösste bislang bekannte Bienenart der Welt, wiederentdeckt worden. Davor war die Spezies seit dem Jahr 1981 nicht mehr gesehen worden.

Wiederentdeckt wurde die grosse Biene während einer Expedition des Fotografen Clay Bolt, der mit einem Team von Forschenden im indonesischen Regenwald in der Provinz Maluku Utara unterwegs war. Die von ihm gesichtete weibliche Wallace-Riesenbiene erreichte die stattliche Länge von 6,35 Zentimetern – womit sie viermal so lang wie eine europäische Honigbiene war.

Die Art ist nach ihrem ersten Entdecker, Alfred Russel Wallace, benannt. Ein britischer Naturforscher, der neben Charles Darwin als einer der Begründer der Evolutionstheorie gilt. Er begab sich 1858 nach Indonesien und entdeckte dort ein einziges weibliches Exemplar der Riesenbiene.

Die Weltnaturschutzunion stuft das Tier als bedroht ein.

Der Vietnam-Kantschil

Im November sichteten Forschende erstmals nach 30 Jahren wieder einen Vietnam-Kantschil – auch als vietnamesischer Maushirsch bekannt. Das Huftier aus der Familie der Hirschferkel war im Osten Vietnams in eine Kamerafalle getappt. Seit 1990, als der letzte bekannte Artgenosse des Tieres von einem Jäger erschossen worden war, war das Tier nicht mehr gesichtet worden.

vietnamesischer maushirsch
Ein Vietnam-Kantschil, der zwischen 2017 und 2018 in die Kamerafalle vietnamesischer Forschender getappt ist.Bild: nature.com

Erstmals wurde der Vietnam-Kantschil 1910 vom britischen Zoologen Oldfield Thomas beschrieben. Das von ihm dokumentierte ausgewachsene Tier war mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 40 cm kleiner als ein Feldhase, der zwischen 50 und 57 cm lang wird.

Zur Lebensweise und zum Bestand der Tiere gibt es bis heute kaum Daten, weshalb die Weltnaturschutzunion keine Angaben zur Gefährdung des Tieres machen kann.

Die Bayerische Kurzohrmaus

Die Bayerische Kurzohrmaus wurde 1962 in Bayern sowohl zum ersten als auch zum letzten Mal gesichtet. Trotz mehrfacher Suche gelang es jahrzehntelang nicht mehr, die unterirdisch lebende Wühlmaus mit den auffällig kleinen Augen und den fast vollständig im Fell verborgenen Ohrmuscheln in Bayern wiederzuentdecken. Später fand man im Rofangebirge in Tirol einige Exemplare, die für die Erhaltungszucht in Zoos kamen. Die Bayerische Kurzohrmaus galt hingegen als ausgestorben.

die bayerische kurzohrmaus
Die Bayerische Kurzohrmaus.Bild: David Stille, Stille NATUR

Schliesslich erbrachten Wildkameras 2022 und 2023 erste Hinweise, dass Kurzohrmäuse in Bayern noch vorkommen könnten. «Mit einer auffallenden Häufung von Aufnahmen potenzieller Bayerischer Kurzohrmäuse aus dem Sommer 2023 bei Mittenwald schien die Sensation plötzlich greifbar», teilte Biologe Simon Ripperger mit.

Im vergangenen Herbst tappte schliesslich in Oberbayern ein Expemplar in eine Tierfalle, wie das Landesamt für Umwelt im Februar 2024 mitteilte. Eine anschliessende DNA-Analyse des Kots bestätigte den Sensationsfund.

Mit Material der Nachrichtenagenturen sda und dpa.

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27 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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26.11.2023 17:21registriert April 2018
Schöne Tiere. Es wäre traurig, diese zu verlieren. Wie auch alle anderen bedrohten Arten.
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@Jeff
26.11.2023 17:13registriert Juli 2023
"Auf Grill wiederentdeckt...und andere ausgestorbene Tierarten"

👍Genialer Titel👍- Den häufigen Grund für das Aussterben wunderbar in den Titel eingebunden.

Bin froh, dass es die Ratte noch gibt und wahrscheinlich wird sie sogar gezüchtet für das Essen.

Braucht nur ein paar leere Ölfässer, die mit Rohren verbunden und mit etwas Streu gefüllt sind, dann ist die kleine Farm fertig. Mit bis zu 12 Würfen pro Jahr und ca. 8-9 Neugeborenen pro Wurf können pro Rattenweibchen bis zu 40 kg fettarmes Omega3 reiches Fleisch pro Jahr produziert werden.
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«Dune: Part Two»: Dieser Film verlangt eure Unterwerfung
Der zweite Teil von Denis Villeneuves Wüstenplanet-Epos ist mindestens so gut wie der erste. Mindestens.

Es gibt Dinge, in die fällt man hinein. Ins Wasser. Und in die Liebe – weshalb «sich verlieben» auf Englisch ja auch heisst «to fall in love». Man fällt und fällt und im Fallen liegt ein Staunen und eine sanfte Wehrlosigkeit. Und so fällt man auch in «Dune: Part Two» – die zweieinhalb Jahre, die seit dem ersten Teil vergangen sind, gehen schon in den ersten Worten und Bildern vergessen, da sind wir wieder, in einer Welt ganz aus Sand, zwischen den Dünen von Arrakis, dem heissen, goldenen Planeten, auf dem sich erstaunlich viele zu Grossem berufene junge Menschen bekriegen und verlieben.

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