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Die «Pioniere» in der «Newtopia»-Scheune. Bild: screenshot sat.1

Nach Vorwürfen gegen Joko und Klaas: 3 TV-Shows, die an Fake-Anschuldigungen scheiterten

Alina Bähr / watson.de



Es ist nicht alles TV-Gold, was glänzt. Aktuell sorgen Schummel-Vorwürfe um Formate von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf für Furore. Recherchen des NDR-Formats «STRG_F» haben ergeben, dass die Produktion für mehrere Einspieler in den ProSieben-Sendungen »Late Night Berlin« und »Das Duell um die Welt" Schauspieler angeheuert haben. Auch einige Promi-Auftritte sollen die TV-Macher inszeniert und Zuschauer mit den abgeänderten Szenen hinters Licht geführt haben.

Joko und Klaas sind nicht die Ersten (und sicher auch nicht die Letzten), die es mit der Fernsehrealität nicht ganz so genau nehmen. Watson blickt zurück auf drei TV-Formate, die an Schummel-Vorwürfen scheiterten.

«Newtopia», Sat.1

Schöne neue Welt: 2015 setzte Sat.1 15 Kandidaten, so genannte «Pioniere», auf einer Art Brandenburger Acker mit Scheune aus, um sie eine eigene Gesellschaft erschaffen zu lassen. So spannend die Grundidee des Experiments auch klang, die Quoten sorgten nicht für Rekordwerte. Zwei Monate nach Sendestart kam es zum Skandal: Eine Produktionsmitarbeiterin griff ins Geschehen ein, motivierte die Pioniere aus dramaturgischen Gründen unter anderem dazu, ein Restaurant zu eröffnen.

Eine Beeinflussung, die laut damaligen Aussagen weder vom Sender, noch der Produktionsfirma gewünscht war. Als Konsequenz wurde die Mitarbeiterin von ihren Aufgaben entbunden. Doch «Newtopia» konnte sich vom bei den Zuschauern entstandenen Misstrauen nicht mehr erholen. Im Juli wurde die Sendung schliesslich eingestellt – ein halbes Jahr vor dem eigentlich geplanten Ende.

«Das Geständnis», ProSieben

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So richtig zu gestehen hatten Alidas Gäste eigentlich nichts. bild: obs / prosieben/holger rauner

In grauer TV-Vorzeit, in der der Begriff «Scripted Reality» noch kein geflügeltes Wort war, talkte sich Ex-«Big Brother»-Star Alida Kurras 2004 durch eine Fake-Talk-Show. «Das Geständnis» wurde bei ProSieben als «Real Life Show» beworben. Der offensichtliche Zusatz, dass es sich bei den Gästen um Laiendarsteller handelt, war für den Fernsehlaien wiederum nicht direkt ersichtlich.

Und so rätselte Kurras mit dem hinter einer Schattenwand sitzenden Hauptprotagonisten munter um Betrug und Verbrechen. Laut ProSieben sollte sich die Moderatorin als «investigative Kraft bewähren, im Vorfeld Zeugenaussagen recherchieren, Indizien prüfen, um dann zwischen den Betroffenen vor Ort und im Studio zu vermitteln.» Teils wurde gar ein Lügendetektor zum Einsatz gebracht, der bei Schauspielern natürlich besonders sinnvoll ist.

Die Show brachte dem Sender zunächst Top-Quoten, nachdem mehr und mehr Zuschauer das Format durchschauten, wurde es zwei Jahre später aber aus dem Programm genommen.

«Lange Undercover», Sat.1

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Der Sat.1-Reporter mit zwei Protagonisten. bild: sat.1

2014 wagte sich Sat.1 an ein eigenes «Undercover»-Format. Ein Reporter des Magazins «Akte» sollte in Deutschland «Missstände aufdecken» und heftete sich unter anderem an die Fersen von Abzockern, Dealern und Zuhältern. Die in der Sendung gezeigten Fälle waren spektakulär, so gab sich der Journalist unter anderem auf die Spur einer Schlepperbande.

Für einige waren die Reportagen gar zu spektakulär – und das wohl auch aus gutem Grund. Denn nach vier Folgen nahm der Sender die Reihe plötzlich aus dem Programm, ursprünglich war die Ausstrahlung von sechs Episoden vorgesehen. Der Grund: «Wir haben Hinweise auf eine mögliche Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht in einer Sendung», erklärte eine Sat.1-Sprecherin damals dem Branchendienst «DWDL».

Konkret wurde den Machern vorgeworfen, dass einzelne Szenen nachgedreht oder gleich ganz gestellt wurden. Zudem habe der Reporter in einer Moderation einen Recherche-Ort erwähnt, an dem ein Kollege gewesen sei, aber nicht er selbst.

Die fehlenden zwei Episoden wurden nicht mehr ausgestrahlt.

(ab)

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