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Problematischer Rückgang bei der Masern-Mumps-Röteln-Impfung während Corona

13.09.2021, 14:0213.09.2021, 20:01

In einem Helsana-Report über die «Auswirkungen der CoronaPandemie auf die medizinische Versorgung in der Schweiz» berichtet der Versicherer u.a. über den Rückgang der Basis-Mehrfach-Impfungen sowie die Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) bei Kindern im Jahr 2020.

Die verabreichten Basisimpfungen bei Kleinkindern nahmen während der Corona-Pandemie insbesondere während der ersten Welle ab. Eine volle Kompensation des Rückgangs konnte bis Ende Jahr nicht beobachtet werden. Es sei nicht klar, ob diese Impfungen nun komplett wegfielen oder ob sie 2021 nachgeholt würden, schreiben die Autorinnen und Autoren des Helsana-Berichts.

In der Schweiz hatten im Jahr 2020 nur 71% der Kinder eine Basis-Mehrfach-Impfung, bei der Masern-Mumps-Röteln-Impfung waren es sogar nur 46%.
In der Schweiz hatten im Jahr 2020 nur 71% der Kinder eine Basis-Mehrfach-Impfung, bei der Masern-Mumps-Röteln-Impfung waren es sogar nur 46%.
Bild: Shutterstock

Die Basis-Mehrfach-Impfungen vor dem 9. Lebensmonat mit mindestens fünf Wirkstoffen wurden über das ganze Jahr 2020 seltener verabreicht: So resultierte ein Rückgang von mehr als sieben Prozent, was einem Minus von 17'000 Impfungen entspricht. Der Anteil der Kinder mit einer solchen Impfung verminderte sich von 76.2 Prozent im Jahr 2019 auf 71.1 Prozent im Jahr 2020.

Noch keine Masernfälle im Jahr 2021
Im laufenden Jahr sind in der Schweiz bisher keine Masernfälle gemeldet worden. Im ersten Corona-Jahr waren es laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) noch 51 gewesen, 2019 wurden 226 Fälle gemeldet. Dazu beigetragen haben die Hygienemassnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Gemäss dem wöchentlichen BAG-Bulletin wurde bis Ende Woche 35 kein Masernfall gemeldet.

Laut BAG waren im Jahr 2020 rund 93 Prozent aller Kinder im Alter von zwei und acht Jahren mit zwei Dosen der Masern-, Mumps- und Röteln-Impfung (MMR) geimpft. Bei den 16-jährigen seien es gar 95 Prozent. Damit habe die Schweiz die Masern und auch die Röteln praktisch eliminiert, die Durchimpfungsquote sei erreicht worden.

Die Verkaufszahlen der MMR-Impfstoffe seien zwar sowohl 2020 als auch im ersten Halbjahr 2021 zurückgegangen. Gemäss Rückmeldungen von Kinderärztinnen und Hausärzten wurden während des Lockdowns zwar viele Impfungen aufgeschoben, danach jedoch teilweise wieder nachgeholt, wie es weiter hiess. In den 2020 erfassten Durchimpfungszahlen zeige sich dieser Effekt jedoch noch nicht, da die im Jahr 2020 zwei Jahre alten Kinder bereits 2018/19 geimpft wurden.Die 2020 bei Säuglingen verpassten und noch nicht nachgeholten Impfungen werden man frühestens nächstes Jahr in den Durchimpfungsraten sehen können, schrieb das BAG. (sda)

Problematischer Rückgang bei der Masern-Mumps-Röteln-Impfung

Besonders die MMR-Impfung wies 2020 deutlich tiefere Raten im Vergleich zum Vorjahr auf, sowohl während der ersten Welle (minus 13 Prozent) als auch in den Sommermonaten (minus zwanzig Prozent). Während der zweiten Welle wurde ein Plus von knapp 10 Prozent an «Aufholimpfungen» verzeichnet. Der Anteil der Kinder zwischen 0 und 2 Jahren mit einer MMR-Impfung verminderte sich damit von 52.7 Prozent im Jahr 2019 auf 46.3 Prozent.

«Das Ziel einer ausreichend hohen Durchimpfungsrate zum Beispiel für Masern von 95 Prozent liegt damit noch mehr in weiter Ferne», liess sich Julia Dratva von der Zücher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) im Bericht zitieren. Der Rückgang der Impfungen sei aus Schweizer Public Health-Sicht problematisch.

Leistungskosten für Grundversicherung blieben stabil

Weiter steht im Bericht, dass die Leistungskosten für Grund-Versicherte sich während dem Pandemie-Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr kaum veränderten. Gründe hierfür waren verschobene Eingriffe, eine weniger intensive Behandlung von Jüngeren sowie die Zurückhaltung von Patientinnen und Patienten.

Die auf die Schweizer Bevölkerung hochgerechneten Gesamtkosten der Grundversicherung beliefen sich im Jahr 2020 auf 35.8 Milliarden Franken und damit rund 0.5 Milliarden Franken weniger als Vorjahr. Das entspreche in etwa jenem Anteil der Kosten des Jahres, der durch noch nicht eingereichte Rechnungen zum Zeitpunkt der Analyse fehlte.

Weniger Herzinfarkte im Notfall behandelt

Bei den Wahlbehandlungen am Beispiel von Knie- und Hüftprothesen sowie Krebsscreenings wurde aufgrund des Behandlungsverbots ein markanter Rückgang während der ersten Welle verzeichnet. Die abgesagten Eingriffe und Untersuchungen seien aber in den darauffolgenden Monaten weitestgehend nachgeholt worden.

Weniger Herzinfarkte wurden in den Notfällen untersucht, weshalb ein Risiko für negative Langzeitfolgen bestünde.
Weniger Herzinfarkte wurden in den Notfällen untersucht, weshalb ein Risiko für negative Langzeitfolgen bestünde.
Bild: keystone

Auch seien deutlich weniger Herzinfarkte und kardiale Notfälle in den Spitälern im Jahr 2020 untersucht worden. Es bestehe ein gewisses Risiko für negative Langzeitfolgen, hiess es im Bericht.

Mehr Telefon-Konsultationen in der ambulanten Psychiatrie

Generell seien in der ambulanten Psychiatrie und Psychologie etwa dieselben Leistungen erbracht worden wie im Vorjahr. Allerdings zeigte sich, dass Konsultationen vor Ort abnahmen, die telefonischen Konsultationen aber einen markanten Zuwachs erfuhren.

Kinder und Jugendliche sowie Personen im unmittelbaren Pensionsalter nahmen häufiger Leistungen in Anspruch. Die strukturellen Defizite im Angebot der Kinder- und Jugendpsychiatrie hätten sich durch die Pandemie-Situation akzentuiert, schreiben die Autorinnen und Autoren des Helsana-Berichts.

Die Ergebnisse basieren auf Daten von rund 1.4 Millionen Grund-Versicherten der Helsana-Gruppe aus den Jahren 2018 bis 2020. Die Zahlen wurden auf die gesamte schweizerische Bevölkerung hochgerechnet. (yam/sda)

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