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Zu spät gelöste ÖV-Tickets: Branche stellt sich gegen Kulanzregelung

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Bereits wenige Sekunden Verspätung können ÖV-Reisende teuer zu stehen kommen. Bild: keystone

ÖV-Branche stellt sich gegen Kulanzregelung für Sekundenbussen

07.07.2026, 11:2107.07.2026, 11:21

Wer heute in den ÖV einsteigt und sein Ticket nur wenige Sekunden zu spät löst, muss mit einer saftigen Busse rechnen. Nun werden die einen argumentieren, dass die Regeln klar sind und ein gültiges Ticket vor Abfahrt gelöst werden muss, Punkt. Nur verläuft das Leben nicht immer so linear, wie die Geschäftsbedingungen der Verkehrsbetriebe das gerne hätten.

Wer einen Sprint hinlegt, um den Zug kurz vor Abfahrt noch zu erwischen, dem oder der kann es schnell mal passieren, dass das Ticket wenige Sekunden nach Abfahrt gelöst wird. Selbst wenn die Kontrolle dann wesentlich später erfolgt und damit ein versuchter Betrug auszuschliessen ist, gibt es gemäss den Kontrollgeräten der Reisebegleiterinnen und Reisebegleiter nur eine Betrachtungsweise: pünktlich gelöst oder zu spät gelöst.

Dies sorgt immer wieder für Ärger und vor allem auch viel Arbeit bei den Mitarbeitenden des Kundenservice, welche die eingehenden Beschwerden in Bezug auf solche Fälle prüfen und manche Entscheide aus Kulanz revidieren oder die Bussen bestätigen.

Problem beschäftigt Ombudsstelle seit Jahren

Solche Fälle gehen nicht nur beim Kundenservice zuhauf ein, sondern auch beim Ombudsmann des öffentlichen Verkehrs, Hans Höhener. Gegenüber dem «Blick» erklärt dieser: «Es ist für mich schleierhaft, weshalb man ein aufwendiges Verfahren einleitet, wenn klar ersichtlich ist, dass eine Kundin respektive ein Kunde sich der Billettpflicht nicht entziehen wollte.»

Deswegen habe Höhener im vergangenen Jahr den ÖV-Betrieben einen Vorschlag unterbreitet, um in diesem andauernden Konflikt für etwas mehr Klarheit zu sorgen. Dabei schlug der frühere Ausserrhoder FDP-Regierungsrat eine Kulanzzeit von 30 bis 60 Sekunden im Fernverkehr ab Zugsabfahrt vor. Aufgrund der kurzen Distanzen könne die Regelung im städtischen Verkehr jedoch nicht angewendet werden.

Die Branche habe den Vorschlag leider nicht angenommen, wie Höhener gegenüber dem «Blick» erzählt. Einige Unternehmen seien heute bereits sehr kulant, andere sehr streng, sagt Höhener. In Fälle eingreifen könne er selbst nicht, als Ombudsmann könne er lediglich Empfehlungen abgeben. Ebenfalls bemängelt er, dass die Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter immer weniger Handlungsspielraum hätten.

«Kulanz gehört zu unserer Praxis», sagen die SBB

Auf Anfrage des «Blick» schreibt SBB-Sprecher Reto Schärli, dass Kulanz zur Praxis der SBB gehöre: «Solche Kulanzentscheide werden jedes Jahr in Tausenden Fällen nachträglich getroffen – insbesondere bei offensichtlichen Irrtümern oder sensiblen persönlichen Situationen.» Auch bestreitet Reto Schärli, dass die Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter heute weniger Handlungsspielraum hätten, es sei jedoch oft technisch nicht möglich, detaillierte Abklärungen im Zug zu treffen.

Die ÖV-Branchenorganisation Alliance SwissPass verweist darauf, dass in der Schweiz im Vergleich zum umliegenden Ausland jeder und jede den öffentlichen Verkehr betreten könne, ohne ein Ticket gelöst zu haben, da es keine Zutrittsschranken oder Ähnliches gebe. Vor der Abfahrt ein Ticket zu lösen, sei daher die gemeinsame Regelung, wie die Sprecherin Michaela Ruoss sagt.

Bereits vor zwei Jahren forderte das Bundesamt für Verkehr eine Anpassung der Regelung bezüglich solcher Sekundenbussen. Nachdem die ÖV-Branche daraufhin mit Massnahmen wie unter anderem einer Informationskampagne reagierte, wurde von Forderungen jedoch wieder abgelassen. (jul)

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Die beliebtesten Kommentare
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Scrat
07.07.2026 12:06registriert Januar 2016
Scheint ein einträgliches Geschäft zu sein, diese Sekundenbussen. Anders kann man die störrische Haltung der Betreiber nicht sehen.
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Chanti10
07.07.2026 11:48registriert Juli 2023
Dann sollen sie doch auch bei ihrer Schwarzfahrerstatistik aufzeigen, wie viele Bussen sie zurücknehmen mussten.
Die Praxis dient ja nur dazu, die Statistik aufzublähen.
Und wie sieht es aus, wenn man 20 Sekunden nach Fahrplanabfahrt löst, der Zug aber 35 Sekunden danach einfährt? Richtet sich die Automatik nach Fahrplan, oder tatsächliche Abfahrtzeit?
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coreeee
07.07.2026 12:01registriert Oktober 2020
Bin schonmal auf den Zug gesprintet, gerade noch geschafft, Zugbegleiter stehen am Eingang, ich habe sofort mein Handy hervorgenommen, Easy-Ride angeschaltet und wurde dann kontrolliert und gebüsst. Soviel zu Kulanz bei der SBB...
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