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Coronavirus: Wo stecken sich Personen mit dem Virus an? Das sagt das BAG

epa08470734 People eat and drink at their table in a night club transformed into a restaurant as the current sanitary measures still discourage the usual clubbing experience, in Lausanne, Switzerland, ...
Clubs und Restaurants als Haupt-Ansteckungsorte? Nope.Bild: keystone

Zahlen-Debakel beim BAG: Was die Ansteckungs-Daten zeigen – und was nicht

Panne beim Bundesamt für Gesundheit: Am Freitag sagte es, bei den bekannten Ansteckungsorten dominieren Clubs und Restaurants, am Sonntag kam die Korrektur. Doch was taugen die Zahlen überhaupt?
03.08.2020, 11:1004.08.2020, 06:31

Eine Zahl machte am Freitag Schlagzeilen: Zwei Drittel aller rückverfolgbaren Ansteckungen mit dem neuen Coronavirus erfolgen anscheinend im Ausgang – das heisst in Bars, Clubs oder Restaurants. Das sagte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gegenüber dem SRF.

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Am Sonntag kam dann aber die Korrektur: In den Clubs haben sich laut Kenntnissstand des BAG 15 (1,9 Prozent) und in den Bars und Restaurants 13 (1,6 Prozent) Personen angesteckt. Der Grossteil (216) der bekannten Ansteckungen findet im familiären Umfeld statt – satte 27,2 Prozent.

Das ist die korrigierte Statistik des BAG

BAG korrigiert sich: Die meisten Coronainfektionen passieren im Familienumfeld
So sieht's aus. Einfach mal rund 47 Prozent daneben bei den Clubs
Bild: bag

Doch was sagen diese Zahlen überhaupt aus? Wir haben die Angaben des BAG ein bisschen genauer angeschaut.

Der Zeitraum

Die vom BAG veröffentlichen Zahlen betreffen den Zeitraum zwischen dem 16. Juli und dem 1. August. Vor dem 16. Juli meldeten die Ärztinnen und Ärzte ihre Corona-Fälle mit einem anderen Formular. Das BAG schreibt dazu: «Das Meldeformular wurde revidiert, um die Exposition detaillierter zu beschreiben. Früher eingetroffene Meldungen sind nicht vergleichbar, darum die Beschränkung auf diesen Zeitraum.»

Einschränkung 1: Der Zeitraum ist insofern aussergewöhnlich, als das erstens die meisten Schulen und Weiterbildungseinrichtungen geschlossen waren und zweitens nicht wenige Menschen in den Sommerferien weilten.

Die Sample-Grösse

Gemäss dem täglichen Situationsberichts des BAG kam es zwischen dem 16. Juli und dem 1. August zu 2087 bestätigten Neuinfektionen mit SARS-CoV-2. Angaben zum Ansteckungsort wurden dem BAG aber nur von insgesamt 793 Personen gemeldet.

«Es liegen nicht für alle positiv getesteten Personen zusätzliche klinische Daten vor. Die Gesamtzahl der durch die Labors positiv getesteten Personen im selben Zeitraum ist deshalb höher als 793.»
Pressemitteilung des BAG
100 Prozent = 2087 Neuinfektionen seit dem 16. Juli.

Einschränkung 2: Nur bei 38 Prozent aller Neuinfektionen im Untersuchungszeitraum besitzt das BAG überhaupt Angaben zum Ansteckungsort. Dabei gilt auch ein leeres Formular-Feld oder «unbekannt» als eine Angabe.

Bei wie vielen Infizierten ist der Ansteckungsort bekannt?

Von den 793 Meldungen zwischen dem 16. Juli und dem 1. August sind dem BAG gerade einmal bei 473 Personen der Ansteckungsort bekannt – das sind knapp 60 Prozent.

Bei 316 Personen wird der Ort als «missing» angegeben, das heisst, das Feld im Formular wurde leergelassen. Bei 4 Personen wird der Ansteckungsort als «unbekannt» angegeben.

Einschränkung 3: Von den 38 Prozent der bestätigten Ansteckungen, von denen das BAG überhaupt Angaben hat, enthalten wiederum zwei Fünftel eigentlich keine Informationen.

100 Prozent = 2087 Neuinfektionen seit dem 16. Juli.

Wo stecken sich Menschen an?

Von 473 Personen weiss das BAG also, wo sie sich angesteckt haben. Bei 216 war es im familiären Umfeld, bei 69 im Arbeitsumfeld.

Speziell hierbei: Das BAG führt nicht näher aus, welche Ansteckungsorte unter dem Punkt «Andere» sind, die Kategorien im folgenden Balkendiagramm wurden direkt vom BAG übernommen.

100 Prozent = Die 473 Personen, bei denen das BAG den Ansteckungsort kennt. Interessant hier: Bei 2 Personen wird die Schule als Ansteckungsort genannt – trotz der Ferien.

Was sagen uns die Zahlen?

Schlussendlich wird man aus den am Sonntag publizierten Zahlen nicht wirklich schlauer. Von den 2087 angesteckten Personen seit dem 16. Juli hat man bei 1294 keine klinischen Daten bezüglich Exposition. Von den restlichen 793 Personen fehlen bei weiteren 320 Personen entweder der Ansteckungsort oder er ist nicht bekannt.

Umgerechnet weiss das BAG also bei 22,6 Prozent der Neuansteckungen seit dem 16. Juli, wo sie sich angesteckt haben.

Das BAG weist zusätzlich in der Medienmitteilung vom Sonntag darauf hin, dass seine Zahlen von den kantonalen Zahlen abweichen könnten, «da diese sich teilweise auf Erkenntnisse aus dem kantonalen Contact Tracing stützen.»

Hier geht's zur BAG-Medienmitteilung vom Sonntag.

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