Die Schweiz kommt aus der Trockenheit nicht heraus
Gemäss dem aktuellen Bulletin der nationalen Trockenheitsplattform vom 24. September verschärft sich das Niederschlagsdefizit trotz einzelner Regenfronten weiter. Am stärksten trifft es die Alpennordseite, Teile des Berner Oberlands und das Goms: Dort kamen in den letzten 30 Tagen bloss 35 bis 50 Prozent der sonst üblichen Regenmenge zusammen.
Noch schlechter steht die Nordwestschweiz da – hier fielen teilweise nur 15 bis 35 Prozent des Normalwerts. Verschont bleiben einzig die Region Martigny, das Oberengadin und das Münstertal, wo die Niederschlagsmengen im normalen Bereich liegen.
Zieht man die letzten 90 Tage heran, zeigt sich auf der Alpennordseite und in Nordbünden weiterhin ein grosses Loch in der Niederschlagsbilanz. Meist erreichten die Regenmengen nur 50 bis 65 Prozent des langjährigen Durchschnitts, in der Nordwestschweiz stellenweise sogar nur 15 bis 35 Prozent. In den restlichen Landesteilen fällt der Rückstand kleiner aus.
Die Pegel der Gewässer sind zu tief
Die Trockenheit drückt die Pegel gleich mehrerer Seen nach unten. Weil ihnen das Wasser aus den Zuflüssen fehlt, rutschen Bodensee, Zürichsee, Walensee und neu auch der Vierwaldstättersee auf ausgesprochen tiefe Stände.
Ganz anders präsentiert sich die Lage am Neuenburgersee und am Genfersee: Beide bewegen sich im saisonal üblichen Rahmen, wobei dem Genfersee die Rhone spürbar mehr Wasser liefert, als es die Zuflüsse bei den Mittellandseen tun.
Auch bei den Flüssen spitzt sich die Situation zu. An vielen Messstationen sacken die Abflüsse auf Werte, die statistisch nur alle 2 bis 30 Jahre oder seltener auftreten. Am deutlichsten zeigt sich das am Hochrhein, der derzeit ein ausgeprägtes Niedrigwasser führt.
Unter der Oberfläche setzt sich der Trend fort: Die Böden entlang der Alpennordseite trocknen weiter aus, das Feuchtedefizit bleibt erheblich bis gross. Auch die Grundwasserstände und Quellschüttungen verharren vielerorts auf niedrigem Niveau.
Zwar erholen sich einige oberflächennahe Grundwasservorkommen dank der jüngsten Niederschläge ein Stück weit, für eine spürbare und dauerhafte Entspannung genügt das laut Bafu aber nicht.
Keine Entspannung in Sicht
Eine rasche Entspannung bleibt aus, auch wenn sich am Wetterhimmel etwas bewegt: Bis Ende September dominiert weiterhin Hochdruckeinfluss. Ab den ersten Oktobertagen schwenkt die Grosswetterlage voraussichtlich auf West, die kräftigsten Störungen ziehen dabei aber nördlich an der Schweiz vorbei und bringen kaum ergiebigen Regen.
Immerhin dürften dadurch die 30-Tage-Defizite landesweit etwas schrumpfen, und im Westen sowie Süden baut sich auch die 90-Tage-Bilanz langsam ab. Bei den Flüssen rechnet das Bafu dagegen mit keiner Erholung: Solange die trockene Witterung anhält, dürften sich die Abflussdefizite in den kommenden Wochen sogar weiter zuspitzen.
- Dieser Satellitenbilder-Vergleich zeigt, wie trocken die Schweiz ist
- Massnahmen gegen Hitze und Trockenheit: Dafür spricht der Bundesrat 70 Millionen Franken
- Regen gleicht Trockenheit nicht aus – Alpennordseite besonders betroffen
- Im Zürichsee ist wegen der Trockenheit eine neue kleine Insel aufgetaucht
