Armee schafft neues Bataillon und eigene RS für Drohnenaufklärung
Drohnenangriffe und -überflüge auf kritische Infrastrukturen wie den deutschen Flughafen Leipzig-Halle nehmen zu. Die Schweizer Armee will sich verstärkt dagegen rüsten. Ab 2027 sollen Armeeangehörige spezifisch für den Umgang mit Drohnen ausgebildet werden.
Verteidigungsminister Martin Pfister, Armeechef Benedikt Roos und Armasuisse-Direktor Urs Loher haben die Drohnenabwehr und -aufklärung der Zukunft am Donnerstag live auf dem Waffenplatz in Thun BE demonstrieren lassen. Aufklärungsdrohnen wurden gestartet, Angriffsdrohnen von Soldaten mit Sturmgewehren abgeschossen, und Panzer wurden angegriffen.
Die Botschaft war klar: Drohnen und Robotik spielen in der heutigen Kriegsführung eine immer grössere Rolle. Die neuen Technologien spähen aus, stören und destabilisieren feindliche Infrastruktur. «Wir bekommen eine neue sicherheitspolitische Realität zu spüren», sagte Pfister. Auch in der Schweiz nähmen Drohnenüberflüge zu. «Wir müssen davon ausgehen, dass sich dieser Trend fortsetzt.»
Drohnen-RS im nächsten Jahr
Deshalb müsse sich auch die Schweizer Armee neu aufstellen, «und zwar jetzt», sagte der Verteidigungsminister. Der rasche Aufbau von Fähigkeiten sei ein Schwerpunkt seines Departements. «Wir müssen mit den technologischen Entwicklungen Schritt halten und für eine reibungslose Zusammenarbeit aller Staatsebenen sorgen.»
Den Startschuss bildet ein neues Kompetenzzentrum für Drohnen und Robotik. Der neue zivil-militärische Campus besteht aus einem Tech-Hub und einem militärischen Kommando, wie das VBS schrieb. Das Kompetenzzentrum solle auch anderen Departementen, Kantonen und Blaulichtorganisationen offenstehen. Ein geeigneter Standort werde derzeit geprüft, sagte Pfister. In den nächsten Monaten sollen Entscheide dazu fallen.
Dazu kommt ein neues Drohnenbataillon. Dieses soll ab 2028 zur Aufklärung, Wirkung und Abwehr eingesetzt werden. Schon im Frühjahr 2027 wird eine erste Drohnen-Rekrutenschule die erforderlichen Kompetenzen systematisch aufbauen und das Drohnenbataillon alimentieren.
«Wir müssen die Zahl der Armeeangehörigen erhöhen, die die neusten Technologien verstehen», sagte Armeechef Roos. Viele Junge brächten Erfahrungen mit aus Wissenschaft, Wirtschaft und Technologie. Dieses zivile Knowhow solle gezielt für die Armee eingesetzt werden.
Neue Beschaffungsstrategie
Mit dem Rüstungsprogramm 2027 sind laut dem VBS weitere Mittel vorgesehen, um zusätzliche Infrastrukturen und Verbände zu schützen und das neue Drohnenbataillon auszurüsten. Da sich die Technologien laufend und rasch ändern, will die Armee die Systeme gezielter, in kleineren Stückzahlen und in kürzeren Zyklen beschaffen.
Dabei gehe es beispielsweise um Munition, Störsysteme, Abfangdrohnen und Laser, so Rüstungschef Loher. «Welche Lösung die richtige ist, kann sich innerhalb kurzer Zeit ändern.» Die Technologie entwickle sich schneller als die bisherigen Beschaffungszyklen.
Geklärt werden müssen laut Verteidigungsminister Pfister auch die Zuständigkeiten beim Schutz des Luftraums und zur Abwehr von Drohnen. «Die aktuellen Rechtsgrundlagen werden der hybriden Bedrohungslage nicht mehr gerecht.» Eine interdepartementale Arbeitsgruppe arbeite derzeit an Vorschlägen. Mit dabei seien auch die Kantone, die Polizeikorps, die kritischen Infrastrukturbetreiber sowie der Sicherheitsverbund Schweiz (SVS).
Anspruchsvolles Projekt
«Wir nutzen von jetzt an moderne Technologien konsequenter, um unsere Verteidigungsfähigkeit zu stärken», bilanzierte Pfister. Die Schweiz verfüge über «hervorragende Voraussetzungen».
Roos betonte die Dringlichkeit des Handelns. Bei einem Testversuch sowie rund um den G7-Gipfel im französischen Évian habe die Armee festgestellt, dass es Dutzende Drohnenüberflüge gegeben habe. «Wir müssen wissen, was über unseren kritischen Infrastrukturen geschieht.»
Gleichzeitig betonte der Armeechef, dass mit Drohnen allein kein Krieg gewonnen werden könne. «Wir brauchen einen Mix, das Drohnen- und Robotikbataillon ist erst der Anfang.» Laut Rüstungschef Loher muss es das Ziel sein, die Technologie laufend erneuern zu können. «Wir müssen schneller lernen, testen, entwickeln und anpassen - und dies in der Schweiz.»
Passend zu den ambitionierten Plänen der Armee ist der Name des Projekts: «Eiger - wie seine Nordwand steil und anspruchsvoll, doch wir werden den Gipfel erklimmen», sagte Roos. (cma/leo/sda)
