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Parlament macht im Kampf gegen Staus Milliarden locker

epa07326025 Traffic on the German motorway A95 near Munich, Bavaria, Germany, 27 January 2019. A Federal Government working group on climate protection has proposed a speed limit of 130 kph on highway ...
Wie viele Spuren brauchen unsere Autobahnen? Das Parlament sagt: mehr!Bild: EPA/EPA

Parlament gibt Milliarden für Autobahnausbau frei – «Umverkehr» kündigt Referendum an

Das Parlament ebnet den Weg für dreispurige Autobahnen und will noch mehr Geld freigeben als der Bundesrat.
20.09.2023, 16:0920.09.2023, 16:47

Was beschloss das Parlament?

Im Kampf gegen die vielen Staus auf den Autobahnen sind die Eidgenössischen Räte bereit, viel Geld auszugeben. Statt wie vom Bundesrat beantragt 4.4 Milliarden wollen sie für Ausbauprojekte 5.3 Milliarden Franken freigeben.

Der Ständerat hat am Mittwoch den Entscheid des Nationalrats gestützt, in den Bundesbeschluss über den Ausbauschritt 2023 für die Nationalstrassen auch einen Ausbau der A1 am Genfersee auf sechs Spuren aufzunehmen. Dies zwischen Le Vengeron GE und Nyon VD. Das kostet rund 900 Millionen Franken.

Allerdings setzt der Ständerat dafür die Bedingung, dass der Bundesrat für dieses Projekt bis Ende Jahr das generelle Projekt genehmigt. Laut Verkehrsminister Albert Rösti wird das der Fall sein: Der Bundesrat entscheide bei einem Ja der beiden Räte zu diesem Projekt im Oktober, sagte er im Rat.

Was ist sonst noch geplant?

Bei den anderen Bestandteilen des Ausbauschritts geht es um den Ausbau der A1 zwischen Bern-Wankdorf und Schönbühl BE auf acht und zwischen Schönbühl und Kirchberg BE auf sechs Spuren. Dazu kommt der Bau einer dritten Röhre des Rosenbergtunnels der A1 bei St. Gallen und eine zweite Röhre des Fäsenstaubtunnel der A4 in Schaffhausen.

Auch soll die A2-Osttangente im Raum Basel mit einem neuen Rheintunnel zwischen Bisfelden BL und Kleinhüningen BS nachhaltig vom Durchgangsverkehr entlastet werden.

Wie argumentieren die Befürworter?

Die Befürworter des Strassenausbaus sagten etwa, nur drei Prozent der Strassen in der Schweiz seien Autobahnen. Doch auf ihnen wickelten sich 50 Prozent des motorisierten Individualverkehrs ab. Es lohne sich also, dort zu investieren – auch zum Schutz des untergeordneten Strassennetzes.

Gemäss Prognosen würde es ohne Ausbau langfristig auf fast 170 Kilometern des Nationalstrassennetzes jeden Tag stundenlange Staus oder stockenden Verkehr geben, sagte der Bundesrat im Vorfeld. Es brauche einen Ausbau von Strasse und Schiene, sagte Rösti im Rat.

Was sagen die Gegner?

Die Gegner sagten, angesichts des Klimawandels seien Strassenausbauten zu hinterfragen. Verkehr sei wie Gas, sagte die grüne Genfer Ständerätin Lisa Mazzone: Es habe die Fähigkeit, die ihm zur Verfügung gestellten Räume zu füllen. Das geschehe auch mit dem Verkehr, wenn man ihm Flächen zur Verfügung stelle.

Eine links-grüne Minderheit im Ständerat beantragte am Mittwoch, auf den Ausbau der Autobahn im Kanton Bern zu verzichten. Das seien reine Kapazitätsausbauten. Sie hatte aber keine Chance.

Wie geht's jetzt weiter?

Weil der Ständerat zum Ausbau der A1 im Genferseegebiet eine Bedingung formulierte, geht die Vorlage zur Differenzbereinigung zurück in den Nationalrat. Die Organisation «Umverkehr» kündigte unmittelbar nach dem Entscheid des Ständerats das Referendum gegen den Bundesbeschluss an.

Wie stehen die Chancen?

Eine Volksabstimmung zum Autobahnausbau könnte eine knappe Angelegenheit werden. watson führte im Juni dieses Jahres eine repräsentative Umfrage zu dieser Frage durch. 43 Prozent der Teilnehmenden waren (eher) gegen den Ausbau. 55 Prozent (eher) dafür.

(jaw/cma/sda)

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