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Der Preisüberwacher nimmt Schweizer Benzinpreise unter die Lupe

Der Preisüberwacher nimmt Schweizer Benzinpreise unter die Lupe

An einigen Tankstellen entlang der Autobahn A2 im Kanton Tessin müssen Autofahrer besonders tief in die Tasche greifen. Jetzt untersucht der Preisüberwacher den Treibstoffmarkt genauer.
27.07.2026, 05:1827.07.2026, 05:18
Kari Kälin
Kari Kälin
Nichts für Sparfüchse: Die Tankstelle an der Autobahn A2 in Richtung Süden kurz nach dem Gotthardtunnel.
Nichts für Sparfüchse: Die Tankstelle an der Autobahn A2 in Richtung Süden kurz nach dem Gotthardtunnel.Bild: Kari Kälin

Am Gotthard wird nicht nur die Geduld strapaziert, sondern auch das Portemonnaie – zumindest wenn man im Kanton Tessin in Stalvedro ganz in der Nähe des Strassentunnels oder in Bellinzona an Autobahntankstellen Benzin oder Diesel nachfüllen muss. Ein Liter Bleifrei 95 oder Diesel kostet in beiden Fahrtrichtungen um die 50 bis 60 Rappen mehr als im landesweiten Durchschnitt.

Wer einen Tank mit 40 Litern füllt, muss dort um die 20 Franken mehr hinblättern als üblich. Die Tarife sind regional unterschiedlich. Gemäss dem TCS-Benzinpreisradar kostete letzte Woche ein Liter Bleifrei 95 an der Shell-Autobahntankstelle in Bellinzona 2.49 Franken, während die Ferrari AG in der gleichen Stadt dafür bloss 1.75 Franken verlangte – 30 Prozent weniger.

Die hohen Preise im Kanton Tessin entlang der A2 haben in der Vergangenheit schon öfter für Empörung gesorgt. Ein «Blick»-Leser sprach von «unglaublicher Abzocke» und monierte, die Betreiber würden eine Notlage ausnutzen. Der Mann musste auf dem Heimweg von den Kroatienferien vor der Einfahrt in den Gotthardtunnel tanken, um nicht zu riskieren, darin stecken zu bleiben. Ein Influencer warnte derweil vor der «teuersten Tankstelle der Schweiz», als er in Richtung Süden kurz nach dem Gotthardtunnel dringend einen Tankstopp einlegen musste.

Hat der Markt hier versagt?

Auch CH Media sind die auffallend hohen Preise auf dem Weg in die Sommerferien ins Auge gestochen. Wir haben den Preisüberwacher um eine Einschätzung gebeten. Die grosse Differenz erscheint für ihn auf den ersten Blick erklärungsbedürftig. Der Preisüberwacher wird deshalb den Treibstoffmarkt nun einer sogenannten «Marktbeobachtung» unterziehen, sagt Beat Niederhauser, der Geschäftsführer des Preisüberwachers.

Der Preisüberwacher nimmt den Markt auch aus einem weiteren Grund genauer unter die Lupe. Ende Juni hat der Discounter Etzelpark in Bellinzona eine neue Tankstelle eröffnet. Innert kurzer Zeit senkte dort der Konkurrent Socar seine Preise um 19 Rappen. Hat der Wettbewerb versagt, sodass es den Eintritt eines Billiganbieters brauchte, damit die Kunden weniger hinblättern müssen?

Die Arbeiten des Preisüberwachers befinden sich noch in einer frühen Phase und werden einige Zeit in Anspruch nehmen. Der genaue Untersuchungsumfang und die Schwerpunkte würden im weiteren Verlauf definiert, sagt Niederhauser. Und erst nach Abschluss der Arbeiten werde man beurteilen können, ob sich Handlungsbedarf ergebe.

Der tiefe Wasserpegel hat Einfluss auf den Preis

Sollte die Analyse missbräuchliche Preise ans Licht bringen, kann der Preisüberwacher zwar keine Sanktionen verhängen, aber bestimmen, dass die Tarife in Zukunft gesenkt werden müssen. Sollte sich herausstellen, dass Absprachen im Spiel sind, könnte sich die Wettbewerbskommission (Weko) einschalten.

Klar ist: Die Treibstoffpreise sind sehr volatil und regional unterschiedlich. Ein tiefer Wasserpegel im Rhein kann die Kosten ebenso in die Höhe treiben wie Amerikas Angriffe auf den Iran.

Die Tankstellen kurz vor respektive nach dem Gotthardtunnel werden von Socar betrieben. Der Konzern liess Fragen von CH Media zu Gründen für die gesalzenen Preise unbeantwortet. Für die Zapfsäulen an den Autobahnraststätten in Bellinzona ist Shell verantwortlich. Es gebe verschiedene Gründe, wieso Tankstellen auf Raststätten schweizweit andere Preise aufweisen als Tankstellen ausserhalb der Nationalstrassen, sagt Sprecherin Jane Nüssli.

Sie erwähnt Rahmenbedingungen von Bund und Kantonen, die erfüllt werden müssten. Anders als entlang von Überlandstrassen verlangen die Kantone für den Betrieb von Tankstellen an Autobahnraststätten jedes Jahr Konzessionsgebühren. Wie hoch sie ausfallen, gibt der Kanton Tessin aus Gründen der Vertraulichkeit nicht bekannt.

Alltagsexpertise hilft

Nüssli verweist zudem auf die Nationalstrassenverordnung. Diese schreibt ein Pflichtangebot für Treibstoff- und Motorölarten sowie eine genügende Anzahl von Parkplätzen für alle Motorfahrzeugarten, auch Lastwagen, vor. Tankstellen und Toiletten müssen 24 Stunden am Tag zugänglich sein.

Man muss indes kein begnadeter Sparfuchs sein, um die happigen Tarife zu umgehen. Es reicht, sich vor dem Befahren der Gotthardroute mit genügend Treibstoff an Tankstellen entlang gewöhnlicher Strassen einzudecken. Wer häufig auf Schweizer Strassen unterwegs ist, dürfte jedoch eher über die Alltagsexpertise verfügen als Niederländer und Deutsche auf der Durchreise. (schweizheute.ch)

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Kolleg_Essig
27.07.2026 05:59registriert Mai 2016
Ich denke, der CH-Autofahrer ist sich der höheren Preise auf den Autobahnen bewusst. Man zahlt dort sicher auch einen Beitrag zur angebotenen Infrastruktur.
Viel stossender ist doch der Umstand, dass der Treibstoffpreis bei Kursschwankungen nach oben schiesst und nach unten sinkt wie eine Feder bei Aufwind.
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