Gemeindepräsident von Linden BE zur Methernitha-Sekte: «Darf nicht vergessen werden»
Der Gemeindepräsident von Linden BE reagiert auf verschiedene Medienberichte und die TV-Serie «Der Engelmacher» rund um die Methernitha-Sekte und ihren umstrittenen Gründer Paul Baumann. In der neusten Ausgabe der Dorfzeitung ruft er die Bevölkerung dazu auf, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.
«Was den Mädchen und den jungen Frauen damals widerfahren ist, wiegt schwer und darf nicht vergessen werden», schreibt der parteilose Ignaz Margelisch im «Lindenblatt». Einfach zu schweigen und zu hoffen, dass sich die Sache irgendwann von selbst erledige, könne keine Lösung sein, so der Lindener Gemeindepräsident weiter.
Dass die Gemeinde damals eine Verantwortung gehabt habe, stehe «ausser Frage». Allerdings sei es wichtig zu verstehen, dass damalige Entscheidungen «häufig mit heutigem Wissen beurteilt» würden. Und dass auch die Rolle von Kanton Bern und Berner Justiz zu einer ehrlichen Betrachtung gehörten.
Der Nachrichtenagentur Keystone-SDA liegt der Beitrag vor, auf den am Samstag die «Berner Zeitung» und «Der Bund» als erste aufmerksam machten.
Missbrauch soll weitergegangen sein
Die Filmemacherin Marina Klauser widmete der Glaubensgemeinschaft «Methernitha» und Gründer Paul Baumann eine Dokuserie, welche am Filmfestival von Locarno und im August im Schweizer Fernsehen SRF zu sehen war.
Gründer Paul Baumann, genannt «Vatti», wurde in den 1970er-Jahren wegen Unzucht mit minderjährigen Mädchen zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. In ihrer Dokuserie gab Klauser den Betroffenen eine Stimme.
Laut einer im Berner Grossen Rat eingereichten Interpellation und laut Berner Medienberichten zeigte die Serie auch auf, dass in der Methernitha-Sekte die Missbräuche nach Baumanns Freilassung aus der Gefangenschaft weitergingen. «Der Bund» und die «Berner Zeitung» schrieben Anfang November, die Gemeinde entziehe sich der Verantwortung. Die Berner Kantonsregierung wird die im September eingereichte Interpellation noch beantworten müssen.
Erste Stellungnahme im August
Im August war die Gemeinde Linden in einer schriftlichen Stellungnahme bereits kurz auf Klausers Dokumentarfilm eingegangen. Sie schrieb damals unter anderem, sie verurteile jedes Verhalten, das gegen geltendes Recht verstosse oder die Würde und Rechte von Menschen verletze.
Gleichzeitig sei es wichtig, zwischen den damaligen Geschehnissen und der heutigen Situation zu unterscheiden. Zu einzelnen historischen Vorwürfen, Aussagen oder persönlichen Schicksalen äussere sie sich nicht. (sda)
