DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Herzmuskelentzündung: Deshalb kriegen unter 30-Jährige nur noch Pfizer/Biontech geimpft

Das Herzmuskelentzündungsrisiko ist nach einer Coronainfektion viermal so gross wie nach der Impfung. Doch bei Jungen und Moderna kippt das Risiko.
24.01.2022, 05:29
Sabine Kuster / ch media
Brustschmerzen ein paar Tage nach der Impfung können ein Anzeichen für eine Myokarditis sein.
Brustschmerzen ein paar Tage nach der Impfung können ein Anzeichen für eine Myokarditis sein.Bild: zvg

Seit Anfang Dezember empfehlen die Eidgenössische Impfkommission und das Bundesamt für Gesundheit allen unter 30-jährigen Personen nur noch die Impfung von Biontech/Pfizer. Zwei Monate davor hatten Schweden und Finnland denselben Entscheid gefällt. Damals hiess es, dies sei eine Vorsichtsmassnahme, basierend auf Studien verschiedener Länder, die ein höheres Risiko für Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) bei jüngeren, vor allem männlichen Personen nach der Moderna-Impfung festgestellt hatten.

Lediglich doppelt so hohes Risiko

Inzwischen sind neue Studien zum Risiko der Herzmuskelentzündungen nach mRNA-Impfungen herausgekommen: Dass die Impfung das Risiko einer Herzmuskelentzündung erhöht, ist inzwischen unbestritten, laut einer israelischen Studie ist es bei Geimpften über 16 Jahre innerhalb von 20 Tagen nach der Impfung aber lediglich doppelt so hoch wie normalerweise.

Doch eine Herzmuskelentzündung ist nach einer Coronainfektion immer noch viermal wahrscheinlicher, als nach der Impfung - mit 11 Fällen auf 100'000 Personen statt 2.7 Fällen bei geimpften Personen, wie das deutsche Science Media Center berechnet hat.

Die Impfung darf nicht das höhere Risiko sein

Nicht so deutlich ist der Risiko-Unterschied, wenn nur unter 40-Jährige betrachtet werden. Londoner Forscher haben die Myokarditis-Fälle in der jüngeren Bevölkerung verglichen: Innerhalb von 28 Tagen nach einer Coronainfektion trat pro 100'000 Personen ein zusätzlicher Fall auf, als gewöhnlich in dieser Altersgruppe in anderen Jahren zu erwarten gewesen wäre.

Nach der ersten und zweiten Dosis von Biontech/Pfizer zusammen traten bei Geimpften hingegen nur 0.5 zusätzliche Herzmuskelentzündungen auf, als normalerweise zu erwarten gewesen wäre. Aber: Beim mRNA-Impfstoff von Moderna war das Myokardie-Risiko mit 2.3 Fällen pro 100'000 Personen höher als nach einer Coronainfektion.

Hier kippt also das Risiko-Nutzen-Verhältnis bei der Moderna-Impfung - allerdings nur für dieses einzelne Symptom der Herzmuskelentzündung und nicht beim gesamten Nutzen. Auch eine Studie aus Dänemark bestätigt den Befund.

Auch die Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic beobachtet die Herzmuskelentzündungen seit mehreren Monaten: 307 Verdachtsfälle gibt es bisher, das wäre knapp eine Herzmuskelentzündung auf 24'000 zweimal geimpfte Personen.

Swissmedic passt die Aussage auf der Website an

Auf der Website schreibt Swissmedic ebenfalls, dass bei der Moderna-Impfung das Risiko etwas höher als bei jener von Pfizer/Biontech sei. Genau wird das nicht ausgewiesen, Swissmedic schreibt dazu nur: «... wobei das Risiko für beide Impfstoffe deutlich geringer ist als für eine Myokarditis bei einer Covid-19-Erkrankung.»

Diese Studie sei bekannt, sagt Swissmedic Mediensprecher Lukas Jaggi: «Swissmedic evaluiert sie aktuell und wird insbesondere auch die Daten vertieft prüfen, sobald die Studie offiziell freigegeben ist. Wir sind daran, den Text zu ergänzen.» Dann würde darauf hingewiesen, dass je nach Impfstoff, Alter und Geschlecht das Risiko einer Myokarditis gegenüber einer Infektion erhöht sein könnte.

Meistens sind Männer betroffen

Die Entzündung des Herzmuskels tritt meist nach der zweiten Impfung auf, am häufigsten am vierten Tag danach und vermutlich spätestens nach zwei Wochen. In 75 Prozent der Fälle sind Männer betroffen, das mittlere Alter beträgt 37 Jahre. In der Schweiz sind bisher keine Todesfälle registriert worden.

Selbst bei schwereren Fällen ist die Behandlungsdauer meist kurz: In einer US-Studie mit 139 unter 20-jährigen Patienten mit Myokarditis nach einer mRNA-Impfung konnten diese das Spital im Durchschnitt nach zwei Tagen wieder verlassen. Jeder fünfte wurde auf der Intensivstation behandelt, aber niemand musste beatmet werden. (saw/aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Bio-Lehrerin impft Schüler – ihr drohen 4 Jahre Haft

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

79 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Tilman Fliegel
24.01.2022 06:44registriert Februar 2014
Wenn man schon Dänemark erwähnt: dort wird das Myocarditis Risiko nach der Impfung vermindert, indem aspiriert wird. In der Schweiz wird aber immer noch nach der unbegreiflichen WHO-Doktrin ohne Aspiration geimpft. Und das obwohl jede Krankenschwester weiss, dass intramuskulär aspiriert werden muss.
9911
Melden
Zum Kommentar
avatar
habt's nen burger
24.01.2022 09:31registriert Juni 2021
statistik. wenns dich konkret betrifft, ist es dir herzlich egal, zu wieviel % das wahrscheinlich war. ich habe 17 tage nach der zweiten impfung, einen infarkt erlitten. aber dem zweiten tag wurden die beschwerden im schlimmer, am 17. tag dann der infarkt. rate mal, was ich von der dritten impfung halte...
10224
Melden
Zum Kommentar
avatar
7Gänseblümchen
24.01.2022 08:36registriert August 2020
Bin U30 und ich habe bewusst wieder Moderna gewählt für den Booster. Nach bald 2 Jahren spüre ich immer noch Long Covid Folgen. Da die halbe Booster Moderna Dosis immer noch 60% mehr Wirkstoff hat als Pfizer, habe ich mich für den besten Schutz entschieden. Zudem kenne ich 4 Impfdurchbrüche, alle mit Pfizer. Und wer sich Sorgen macht sollte, sich mal den Beipackzettel von Dafalgan ansehen, dass viele nach der Impfung nehmen. Oder die von hormonellen Verhütungsmitteln. Dreifaches Thromboserisiko etc. und trotzdem ein Lifestyleprodukt. Die Empfehlung ist daher aus meiner Sicht rein politisch.
9766
Melden
Zum Kommentar
79
Studie zeigt: In diesem Land warten Frauen länger auf der Notaufnahme als Männer
Gemäss einer grossangelegten US-Studie warten Frauen in der Notaufnahme länger auf eine Behandlung als Männer. In der Schweiz fehlt es an vergleichbaren Studien.

Wer sich schwer verletzt – sei es durch einen Autounfall oder einen schweren Sturz, landet meistens in der Notaufnahme. Wie schnell man danach von einem Arzt oder einer Ärztin behandelt wird, hängt primär vom Schweregrad der Verletzung ab.

Zur Story