Eigene Bundesrats-App kommt 2027 – das kostet sie
Der Bundesrat möchte die Bevölkerung ab Sommer 2027 mittels einer eigenen App über Beschlüsse, Reden und weitere Tätigkeiten informieren. Bisher lief das vor allem über Medienmitteilungen.
Die Schweizer Landesregierung hatte das Vorhaben im Juni 2024 in einem Bericht zur Bedrohung der Schweiz durch Desinformation vorangekündigt, wie watson publik machte.
Inzwischen ist auch klar, wer den Auftrag für die Bundesrats-App erhalten hat: die Berner Digitalagentur Apps with love. Die Firma wird die Anwendung für iPhones (iOS) und Android-Geräte entwickeln, warten und für den Support zuständig sein – vorerst für zehn Jahre. Sie verlangt dafür gemäss Offerte knapp 3,54 Millionen Franken.
Der Zuschlag erfolgte Ende Mai.
Laut Bund tiefste Offerte
Vor allem «in wirtschaftlicher Hinsicht» habe die Berner Entwicklerfirma überzeugt, heisst es auf der Beschaffungsplattform Simap (siehe Quellen). Von drei Offerten sei es die mit dem tiefsten Preis gewesen. Ausserdem biete sie das grösste Potenzial bezüglich Weiterentwicklung.
Ein Grossteil der Kosten sei optional. «Für die Konzeption und Realisierung stehen maximal 325'000 Franken (exkl. MwSt.) zur Verfügung», schreibt die Bundeskanzlei gemäss «20 Minuten». Die restlichen 3,2 Millionen Franken stünden über die zehn Jahre hinweg zur Verfügung. «Die Weiterentwicklung der App soll aufgrund von Usererfahrungen und Zielerreichung erfolgen», heisst es weiter.
Notwendig sei die App vor allem aufgrund von KI, die Fakes und Deepfakes ermögliche, so die Bundeskanzlei auf Anfrage des Onlineportals. Daher sei es «noch wichtiger geworden, dass die Landesregierung über einen vertrauenswürdigen, von kommerziellen Plattformen unabhängigen Kanal verfügt, der auch vor Beeinflussungs- und Desinformationskampagnen geschützt ist». Die Bundesrats-App soll auch in Krisen eine zuverlässige Informationsquelle sein.
Für die App würden keine neuen Inhalte erstellt, weshalb auch keine neuen Leute eingestellt würden. Ein bereits vorhandenes Redaktionssystem erlaube eine mehrfache Verwendung der Informationen auf unterschiedlichen Kanälen.
Nach voraussichtlich zehn Monaten soll die App fertig entwickelt sein. Wenn alles nach Plan läuft, soll sie Mitte 2027 fertiggestellt und in Betrieb genommen werden.
Als Auftraggeberin für die Entwicklung der Bundesrats-App fungiert das Bundesamt für Bauten und Logistik BBL. Das Urheberrecht an der von Apps with Love entwickelten Software wird gemäss Simpa-Ausschreibung «vollständig und unwiderruflich an die Bundeskanzlei übertragen». Der Quellcode werde unter einer geeigneten Open Source-Lizenz veröffentlicht, die eine kostenlose Nutzung ermögliche.
Laut Simap-Ausschreibung geht der Ursprung des Vorhabens auf die 2021 vom Bundesrat beschlossene Social-Media-Strategie zurück. Die Bundeskanzlei plante dann im Zuge der Umsetzung den Aufbau eines direkten Informationskanals für Bundesrat und Bundesverwaltung. Dieser Kanal soll «unabhängig von intransparenten Algorithmen und politischen Einflussnahmen» funktionieren.
Quellen
(dsc/hkl)
