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Schweiz

Wegen Russland: NDB warnt vor sich verschlechternder Sicherheitslage

Russland bleibt laut Bund die grösste Bedrohung für Europas Sicherheit.
Russland bleibt laut Bund die grösste Bedrohung für Europas Sicherheit.Bild: Shutterstock

«Russlands hybride Konfliktführung wird aggressiver und trifft die Schweiz direkt»

Die Sicherheitslage hat sich weiter verschlechtert – eine Entwarnung ist nicht in Sicht. Zu diesem Schluss kommt der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) in einem aktuellen Bericht.
25.06.2026, 14:0026.06.2026, 12:27

«Grösste und akuteste Bedrohung für Europa bleibt Russland; seine hybride Konfliktführung wird aggressiver und trifft die Schweiz direkt», heisst es im am Donnerstag veröffentlichten NDB-Bericht «Sicherheit Schweiz 2026».

Gefahren lauerten auf breiter Front, schreibt der Schweizer Nachrichtendienst: bei Spionage, im Cyberraum, bei kritischen Infrastrukturen, aber auch durch gewalttätigen Extremismus und die erhöhte Terrorbedrohung. Neu rücke zudem die Bedrohung aus der Distanz näher. Irans Lenkwaffen könnten in wenigen Jahren grössere Teile Europas erreichen.

Wo ist das Problem?

«Das schützende Umfeld der Schweiz erodiert – von Osten, Westen und Süden», fasste NDB-Direktor Serge Bavaud die Lage zusammen.

«Es gibt keine Entwarnung, keine Entwarnung», wiederholte Bavaud zwei Mal. Die Aussage sei nicht neu, aber der negative Trend der vergangenen Jahre setze sich fort.

Dieses Fazit deckt sich mit kürzlich veröffentlichten Berichten des Bundesrats zur sicherheitspolitischen Strategie und zur Bedrohungslage. Demnach nimmt die Zahl gleichzeitiger Krisen zu. Diese rücken zudem näher an die Schweiz.

Woher kommt die Bedrohung konkret?

Russland

Laut dem NDB ist im Krieg in der Ukraine kein Waffenstillstand in Sicht. «Der Abnutzungskrieg hat für Putins Regime weiterhin höchste Priorität», sagte Bavaud. Es umgehe dafür Regeln und Sanktionen - auch in der Schweiz. Neu sei das Ausmass der hybriden Konfliktführung Russlands gegenüber Europa. «Cyberangriffe, Sabotageakte, Luftraumverletzungen und Beeinflussungsaktionen zeigen das.» Die Urheber liessen sich oft nicht klar identifizieren oder könnten die Tat abstreiten.

China

China setzt die wirtschaftliche Abhängigkeit der westlichen Wirtschaft zunehmend als Druckmittel ein, wie der NDB schreibt. Das Land habe Russland zu seinem ersten politischen Partner gemacht und spiele eine Schlüsselrolle bei der Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine. China sei bestrebt, die weltweit grösste Wirtschafts-, Technologie- und Militärmacht zu werden. Dabei versuche das Land, sich im Ringen um technologische Vorherrschaft in der Schweiz Vorteile zu verschaffen; so sei der Forschungsplatz Schweiz ein attraktives Ziel für China.

USA

«Die amerikanische Aussen- und Sicherheitspolitik ist unberechenbar und weniger verlässlich geworden», sagte Bavaud. Die Regierung um Präsident Donald Trump wende sich von einer regelbasierten Ordnung ab. Gegenüber Europa herrschten teilweise kulturkämpferische Töne vor.

Iran

Der Krieg im Iran hat laut dem NDB den Nahen und Mittleren Osten zusätzlich destabilisiert. Ob das Abkommen mit den USA die Lage entspanne, sei davon abhängig, ob es eingehalten werde und ob weitere Verhandlungen günstig verliefen. «Die Lage bleibt volatil», sagte Bavaud dazu.

Was passiert in der Schweiz?

Güter

Russland nutzt die Schweiz laut dem NDB zur verdeckten Beschaffung von sanktionierten Gütern und Technologien, um seine Produktionskapazität für Kriegsmaterial und Munition zu erhöhen.

Sabotage

Ausländische Staaten, insbesondere Russland, missbrauchen die Schweiz für Sabotageakte im europäischen Ausland. Dabei nutze Russland die Schweiz als Stützpunkt im Herzen Europas, um an Informationen über andere Staaten und internationale Organisationen zu kommen. Die Zahl solcher Aktivitäten habe sich erhöht, sagte Bavaud. «Auch unsere Infrastruktur kann zum Ziel werden.»

Desinformation

Russland wolle mit Beeinflussungsaktivitäten westliche Demokratien und die transatlantische Einheit schwächen, hielt Bavaud fest. Das staatliche Portal Russia Today habe im vergangenen Jahr rund ein Viertel mehr Schweiz-Beiträge gesendet mit der Aussage, dass sich die Schweiz im Niedergang befinde. Das Ziel sei es, die politische Stimmung zu vergiften.

Cyberraum

«Hier laufen viele Bedrohungen zusammen», sagte Bavaud. Staatliche Akteure aus Russland, China, Iran und Nordkorea griffen Schweizer Spitzentechnologie an. Sie nutzten Schwachstellen in Routern. Die Rückverfolgung solcher Angriffe sei sehr schwierig. Bavaud sprach von ein bis zwei grösseren Angriffen pro Monat. «Im Extremfall könnte das Spitäler, Energieversorger oder Verkehrsbetriebe über Wochen lahmlegen.»

Welche weiteren Gefahren lauern?

Terrorismus

«Es liegen Hinweise auf terroristische Akteure in der Schweiz und terroristische Pläne gegen die Schweiz vor», sagte Bavaud. Wie konkret diese Hinweise seien, beantwortete er nicht. Er sehe aber beispielsweise eine Gefahr darin, dass die iranische Diaspora in der Schweiz für Attacken aktiviert werden könnte. «Da sehen wir schon eine Entwicklung.» Die Hisbollah unterhalte in der Schweiz ein «unterstützendes Personennetzwerk». Zunehmend sei zudem die Radikalisierung Jugendlicher über Social-Media-Plattformen.

KI

Laut dem NDB begünstigt der Einsatz künstlicher Intelligenz in Algorithmen auf Plattformen wie TikTok erfahrungsgemäss Radikalisierungsprozesse. Auch staatliche Cyberakteure diverser Länder machten sich den technologischen Fortschritt zunutze, um ihre Angriffe noch wirksamer auszuführen.

Was tut der Nachrichtendienst?

«Wir haben Kontakt mit Behörden und Unternehmen, die von Angriffen betroffen sein könnten, aber auch mit potenziellen Gefährdern», sagte Bavaud. Neben strafrechtlichen Massnahmen gehe es oft um Sensibilisierung und um Informationsaustausch.

2025 hat der NDB 59 Amtsberichte erstellt und übermittelt - das ist der höchste Stand seit Beginn der Statistik 2018. Zudem habe er 69-mal Gefährder direkt angesprochen, auch das sei ein Rekord. «Das ist ein Spiegel der verschlechterten Bedrohungslage», sagte Bavaud.

Der Schweizer Nachrichtendienst lieferte im vergangenen Jahr 3887 Meldungen an über hundert ausländische Partnerdienste, gleichzeitig erhielt er 13'308 Meldungen aus dem Ausland.

Künftig könnte der NDB mehr Mittel erhalten. «115 zusätzliche Vollzeitstellen bräuchten wir, um unseren Grundauftrag vollumfänglich erreichen zu können», sagte Bavaud. Noch sei aber offen, wie viele zusätzliche Ressourcen der Nachrichtendienst erhalte.

(dsc/hkl/sda)

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105 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Schlaf
25.06.2026 14:24registriert Oktober 2019
Zählt da der Chefe der Weltwoche auch dazu?

Schliesslich verbreitet er mit seinem Revolverblatt praktisch ungefiltert Kremlnews.
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ImmerMitderRuhe
25.06.2026 14:02registriert Februar 2023
Nicht warnen, sondern endlich etwas unternehmen. Die CH ist ein unglaublicher Tummelplatz für Spione aus aller Welt.
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Raki
25.06.2026 14:46registriert Januar 2024
Anerkennt endlich, dass Russland/Putin ein Systemfeind ist und es nichts zu verhandeln gibt und auch Neutralität nichts hilft. Sanktionen, NATO-Beitritt und Ausweisen aller russ. "Diplomaten".
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