Schweiz
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Symbolbild zum 5G-Netz an einer Medienkonferenz der Swisscom in Zuerich am Mittwoch, 28. Juni 2017. Swisscom ebnet den Weg fŸr das blitzschnelle Mobilfunknetz 5G. Bereits 2020 ist der kommerzielle Start der neuen Technologie geplant.(KEYSTONE/Walter Bieri)

Die Swisscom will schon dieses Jahr punktuell 5G anbieten, obwohl es noch keine entsprechenden Endgeräte gibt. Bild: KEYSTONE

Interview

«Wenige grosse Antennen generieren mehr Strahlung als viele kleine Anlagen»

Der Ständerat berät über eine Anhebung der Strahlenschutz-Grenzwerte. Für den ETH-Forscher Manuel Murbach ist dies der falsche Weg. Er spricht sich für ein kleinzelliges Netz aus, das weniger Strahlung erzeuge und für 5G unerlässlich sei.



Die Swisscom sorgte letzte Woche mit der Ankündigung für Aufsehen, schon dieses Jahr punktuell mit 5G zu starten. Was halten Sie davon?
Manuel Murbach: Ein Zusammenhang mit der Abstimmung im Ständerat ist sehr wahrscheinlich. Die Swisscom betreibt ein starkes Lobbying. Sie warnt, dass die Schweiz bei der 5G-Technologie den Anschluss verpasse, wenn die Strahlengrenzwerte nicht angehoben werden. Der Druck auf die Ständeräte ist sehr gross. Sie werden von verschiedener Seite bearbeitet, auch von besorgten Bürgern.

Sie haben diese Woche selber in Bern lobbyiert. Wie war das Feedback?
Ich konnte mit einigen Ständeräten sprechen. Sie waren über die Emotionalität des Themas erstaunt. Gleichzeitig ist es schwierig für sie, sich eine Meinung zu bilden. Das Gebiet ist komplex, man sieht die Strahlung nicht. Darum sind sie überfordert. Es wäre opportunistisch, etablierte Grenzwerte für kurzfristiges Gewinnstreben über den Haufen zu werfen.

Manuel Murbach, ETH-Forscher für biomedizinische Technik

Manuel Murbach hat biomedizinische Technik an der ETH Zürich studiert. Er ist Projektleiter bei der IT'IS Foundation in Zürich.

Sehen Sie darin das eigentliche Motiv der Swisscom?
Für die Swisscom ist es am einfachsten, wenn sie die bestehenden Antennenstandorte ohne grossen Aufwand stärker nutzen kann. Das Argument, sie wolle die Bevölkerung möglichst schnell mit 5G versorgen, ist nicht nachhaltig. In einigen Jahren wird sie trotzdem kleinere Antennen bauen müssen, weil die Datenmenge laufend zunimmt.

«Kleine Netze sind zukunftsorientiert, das kann auch die Swisscom nicht abstreiten. Sie wird schon in wenigen Jahren in diese Richtung gehen müssen.»

Manuel Murbach

Man könnte die Grenzwerte trotzdem erhöhen. Warum sind Sie dagegen?
Strenge Umweltgesetze fördern die Innovation. Wenn wir die Grenzwerte auf dem heutigen Stand belassen, werden wir schnell mehr kleine Zugangspunkte haben, die das Netz besser machen.

Das müssen Sie genauer erklären.
Der Kommunikationskanal Luft ist begrenzt. Man kann nicht unendlich viele Daten übertragen. Um den mit 5G weiter ansteigenden Datenstrom zu bewältigen, ist ein kleinzelliges Netz unerlässlich. Man kann nicht mit einer Antenne ganz Zürich abdecken. Kleine Netze sind zukunftsorientiert, das kann auch die Swisscom nicht abstreiten. Sie wird schon in wenigen Jahren in diese Richtung gehen müssen. Warum also nicht jetzt schon in ein solches Netz investieren? Es wäre viel zukunftsträchtiger, statt jetzt die Grenzwerte anzuheben und die Investitionen hinauszuschieben.

Für ein solches Kleinstzellennetz ist eine Glasfaser-Infrastruktur notwendig. Das wäre ein grosser Aufwand.
In den Städten ist sie vorhanden. Für ländliche Gebiete wäre Richtfunk eine Alternative. Ich denke nicht, dass man viel Neues bauen muss.

Datenvolumen Mobilfunk

Das Datenvolumen beim Mobilfunk steigt rasant an. Bild: bakom.admin.ch

Gibt es konkrete Umsetzungen in der Praxis?
Die Swisscom hat kleine Basisstationen für das 4G-Netz an der Zürcher Bahnhofstrasse eingerichtet. Sie haben die Form von Dolendeckeln. Anderes ist mehr im Versuchsstadium, etwa das Femtozellen-Prinzip, das auf ganz kleine Sende- und Empfangsstationen setzt. In Belgien wurde es in der Eisenbahn getestet. In einem Waggon befinden sich Femtozellen, die mit einer 3G-Antenne auf dem Dach verbunden sind. Die Reisenden kommunizieren aber nur mit dem kleinen Access Point. Das senkt die Gesamtbelastung im Wagen um mehr als den Faktor 1000.

«Wenn eine Antenne drei Kilometer entfernt ist, strahlt das Handy stärker, als wenn sich die Basisstation direkt vor dem Haus befindet.»

Manuel Murbach

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) fürchtet eine Einsprachenflut, wenn Tausende neuer Anlagen gebaut werden müssen.
Bei Kleinstantennen ist dies meines Wissens nicht möglich. Ich verstehe die Haltung des Bakom nicht. Es übernimmt die Argumentation der Swisscom. Dabei hält auch das Bundesamt für Umwelt eine Anhebung der Strahlengrenzwerte für nicht nachhaltig.

Wie steht es um die gesundheitlichen Bedenken?
Wenige grosse Antennen generieren mehr Strahlung als viele kleine Anlagen. Das betrifft auch die Strahlung, die vom eigenen Mobiltelefon ausgeht. Wenn eine Antenne drei Kilometer entfernt ist, strahlt das Handy stärker, als wenn sich die Basisstation direkt vor dem Haus befindet. Die Herausforderung wird sein, dies der Bevölkerung zu kommunizieren.

Viele werden beim Gedanken an eine solche Station vor ihrem Haus reflexartig sagen: Nein danke!
Dabei macht die Strahlung einer solchen Basisstation nur etwa fünf Prozent der Strahlung aus, die von den Geräten ausgeht. Darum ist die Nähe so wichtig, dann müssen Handys und Tablets nur ganz schwach senden. Wer zu Hause einen WLAN-Router einrichtet, macht sich in den meisten Fällen auch wenig Sorgen. Ein Zukunftsszenario ist der Ersatz von WLAN- durch 5G-Router. Das wäre von der Strahlung her die beste Lösung, sie wäre dann sehr klein.

Die turbulente Geschichte des Schweizer Mobilfunks

Sie erforschen die Auswirkungen von Mobilfunkstrahlen. Wie beurteilen Sie das Risiko?
Risiko ist ein relativer Begriff. Das grösste Gesundheitsrisiko bei der Mobiltelefonie ist die Nutzung des Handys beim Autofahren. Milliarden von Menschen benutzen seit Jahren Mobiltelefone. Wenn die Auswirkungen massiv wären, würden die Krebsraten durch die Decke gehen. Das ist nicht der Fall. Aber die Technologie wandelt sich. 5G hat eine andere Modulation als 4G. Man weiss nicht, welche Risiken damit verbunden sind. Man weiss nicht einmal, wie das 5G-Signal genau aussieht.

Das wird die «elektrosensiblen» Menschen kaum beruhigen.
Ich verstehe sie, wir arbeiten mit den Ärztinnen und Ärzten für Umweltschutz zusammen. Trotzdem glaube ich nicht, dass die Strahlung kurzfristige gesundheitliche Folgen hat. Solche Beschwerden gehen in Richtung Psychosomatik. Ich habe selber entsprechende Erfahrungen gemacht. Es gibt keine einzige Studie, die auf kurzfristig wahrnehmbare Auswirkungen hindeutet. Bei langfristigen Folgen ist das anders, das bereitet mir auch Sorgen. Darum ist es nicht angebracht, die Grenzwerte anzuheben.

Mobilfunk im Ständerat

Der Ständerat wird am Montag über eine Motion zur Lockerung der Grenzwerte für Mobilfunkantennen beraten. Die Parlamentarische Gruppe «Nichtionisierende Strahlung, Umwelt und Gesundheit», die von den Nationalräten Thomas Hardegger (SP, ZH) und Maximilian Reimann (SVP, AG) präsidiert wird, ersucht in einem Brief um Ablehnung des Vorstosses. Erst müssten die offenen Fragen zu den gesundheitlichen Risiken und der benötigten Infrastruktur für eine nachhaltige Nutzung von 5G abgeklärt werden.

Können Sie das erläutern?
Die bislang grösste Studie an Mäusen in den USA, die über einen Zeitraum von zehn Jahren durchgeführt wurde, hat einen Zusammenhang zwischen Mobilfunkstrahlung und einem grösseren Krebsrisiko ergeben. Er ist nicht sehr gross, aber vorhanden. Deshalb kann man keine Entwarnung geben. Auch Studien in Deutschland und Schweden sind zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Im Sinne des Vorsorgeprinzips ist die Erhöhung der Grenzwerte deshalb nicht angebracht.

Viele Leute nutzen das Handy kaum noch zum Telefonieren. Fällt die Strahlenbelastung trotzdem ins Gewicht?
Natürlich steigt die Belastung, wenn man das Handy an den Kopf hält. Wenn man streamt oder Videos hochlädt, was auf Social Media immer wichtiger wird, ist die Datenmenge jedoch deutlich grösser als beim Telefonieren. Das Handy befindet sich in solchen Fällen nicht direkt am Kopf, aber in der Regel doch nahe am Körper

Mobil surfen bald 100 Mal schneller?

Video: srf/SDA SRF

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