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Liebe Politiker, darum braucht es ein Social-Media-Verbot für Kinder

Facebook CEO Mark Zuckerberg attends UFC Freedom 250 on the South Lawn of the White House, Sunday, June 14, 2026, in Washington. (AP Photo/Alex Brandon)
UFC Freedom 250 Trump
Mangelnder Jugendschutz bei Instagram und Co. – Mark Zuckerberg «gefällt das!»Bild: keystone
Kommentar

Liebe Politiker, es braucht bei Social Media klare Kante, wir haben lang genug beobachtet

Die Plattformen der marktbeherrschenden Tech-Konzerne schaden Kindern und Jugendlichen. Leider ist die Erkenntnis in der Politik noch nicht angekommen. Wo bleibt in Bundesbern die Medienkompetenz?
09.09.2026, 17:2510.09.2026, 08:05

87 Prozent. Das ist eine klare Ansage.

Fast neun von zehn Personen in der Schweiz befürworten gemäss einer aktuellen repräsentativen Umfrage ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche.

Die Bevölkerung hat offenbar verstanden, was uns die marktbeherrschenden Tech-Konzerne einbrocken. Nur in den Wandelhallen des Bundeshauses scheint der Zweifränkler nicht gefallen zu sein. Die Reaktionen der bürgerlichen Politiker grenzen vielmehr an Realitätsverweigerung.

SVP-Nationalrat Christian Imark fordert, dass Jugendliche den Umgang mit Social Media in der Schule lernen sollen. Und FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen doppelt nach, verweist auf das Schulfach «Medienkompetenz» und nimmt die Eltern in die Pflicht. Ein Verbot verschiebe das Problem nur und schaffe «digital unmündige Erwachsene».

Das ist ein fataler Trugschluss. Denn diese Argumentation geht fälschlicherweise davon aus, dass Instagram, TikTok oder Snapchat neutrale Werkzeuge sind, deren Bedienung man wie das Velofahren oder Einmaleins erlernen kann.

Doch das sind sie nicht. Im Gegenteil.

Legale Drogen

Der Kern des Problems sind die Geschäftsmodelle von Meta und Co. Diese basieren auf mangelnder Regulierung und süchtig machenden Empfehlungs-Algorithmen.

Die Plattformen werden so optimiert, dass sie das Belohnungszentrum im Gehirn maximal triggern. Es ist ein endloser Strom aus massgeschneiderten Dopamin-Kicks, dem sich selbst Erwachsene kaum entziehen können. Ein heranwachsendes, noch nicht voll entwickeltes Gehirn hat gegen all die psychologischen Tricks schlicht keine Chance.

Bei legalen Drogen wie Alkohol und Tabak ist der strikte Jugendschutz gesellschaftlicher Konsens. Es gibt keinen rationalen Grund, warum für digitale Produkte, deren Suchtpotenzial offensichtlich ist, andere Massstäbe gelten sollten.

Hier mit «Medienkompetenz» zu argumentieren, ist fahrlässig und in etwa so, als würde man Jugendlichen eine Flasche Wodka oder ein Päckli Zigaretten in die Hand drücken. Nur um dann zu fordern, sie müssten in der Schule halt eben «Substanzkompetenz» lernen.

Halten wir an dieser Stelle fest: Social Media ist kein Menschenrecht. Und kein junger Mensch braucht solche Plattformen für die eigene Entwicklung. Im Gegenteil.

Schwere Nebenwirkungen

Es ist vorsichtig ausgedrückt naiv, zu glauben, man könne Plattformen, die auf psychologische Überwältigung und maximales Datensammeln ausgelegt sind, durch ein paar technische Stellschrauben kindgerecht umbauen.

Dokumentierte Fälle wie die Enthüllungen der Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen belegen, dass Meta und andere Tech-Konzerne die Risiken für Jugendliche genau kennen, Massnahmen aber systematisch verwässern.

Hinzu kommen demokratiefeindliche Nebenwirkungen. TikTok dient mittlerweile als bevorzugtes Einfallstor, über das rechtsextreme, prorussische und antiwestliche Propaganda und Desinformation mehr oder weniger ungehindert in die Feeds und Köpfe der jungen Leute einsickern.

Handeln statt beobachten

Ein Mindestalter für Social-Media-Plattformen hat nichts mit Bevormundung zu tun. Es ist ein dringend notwendiger und längst überfälliger Jugendschutz. Die Politik muss aufhören, die Verantwortung auf überforderte Eltern und ohnehin schon stark belastete Lehrpersonen abzuwälzen.

Abschliessend ist daran zu erinnern, dass es bei den Erwachsenen in der Schweiz schon heute beunruhigend schlecht um die Medienkompetenz steht. Wenn sich die Bürgerinnen und Bürger nur noch bei Social Media «informieren», haben wir in der direkten Demokratie ein böses Problem.

Die Schweizer Politik darf dem Treiben von Big Tech nicht länger zusehen, sondern sollte klare Kante zeigen.

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quelle: keystone / nic coury
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