EU-Stahlzölle: Schweiz kommt mit einem blauen Auge davon
Ab diesem Mittwoch treten in der EU neue Stahlzölle in Kraft. Diese treffen auch die Schweiz, wo die beiden verbliebenen grossen Stahlproduzenten Stahl Gerlafingen im Kanton Solothurn und Swiss Steel im Kanton Luzern ohnehin hart zu kämpfen haben.
Der Bundesrat hat in Brüssel in den vergangenen Monaten alles daran gesetzt, das Schlimmste zu verhindern. Jetzt zeigt sich: Den Schweizer Produzenten wird ein Kontingent an zollfreien Stahlexporten in die EU zugestanden, das ziemlich genau der Exportmenge des vergangenen Jahres entspricht.
Konkret kann die Schweiz im nächsten Jahr rund 383'000 Tonnen Stahl zollfrei in die EU exportieren. Das sind rund 15'000 Tonnen mehr als im letzten Jahr gesamthaft aus der Schweiz in die EU gingen. Gegenüber den Jahren 2022 bis 2024 wird die zollfreie Exportgesamtmenge aber um rund 18 Prozent verringert. In den für die Schweiz wichtigsten sechs Produktkategorien beläuft sich die Reduktion nach Angaben des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) sogar auf rund 35 Prozent.
Die Schweiz liegt im Schnitt
Dementsprechend zurückhaltend reagiert man in Bern. Eigentlich hätte man eine vollständige Ausnahme gewollt, wie sie die EU den EWR-Ländern Norwegen, Island und Liechtenstein zugesteht. Zudem lag die Exportmenge der Schweiz in der Vergangenheit schon wesentlich höher: Im Jahr 2021 zum Beispiel exportierte die Schweiz noch knapp 600'000 Tonnen Stahl in die EU. Mit dem jetzt zugeteilten Kontingent wird man nicht zu solchen Mengen zurückkehren können. Wie lange die Schweizer Stahlwerke unter diesen Bedingungen überlebensfähig sein werden, ist unklar.
Mit ihrem Freikontingent liegt die Schweiz etwa im Schnitt der anderen Länder, mit welchen die EU über ein Freihandelsabkommen verfügt. Bei Grossbritannien ist der Rückgang mit 22 Prozent höher.
Wahrscheinlich ist, dass die Mengen dereinst angepasst werden. Die Schweiz exportiert viel Spezialstahl in die EU, der in der deutschen Autoindustrie eingesetzt wird. Diese Abnehmerfirmen kämpfen mit dahinschmelzenden Margen. Höhere Materialkosten werden sie kaum verdauen können. Laut dem Seco stehe man weiter in Kontakt mit Brüssel und arbeite darauf hin, dass der bilaterale Handel nicht eingeschränkt werde.
Der Grund für die EU-Schutzmassnahmen ist China. Das Land ist für mehr als die Hälfte der globalen Überkapazitäten verantwortlich und flutet Europa mit subventioniertem Billigstahl. Dementsprechend hart wird es jetzt getroffen: Auf zwei Drittel des Stahls aus China fallen künftig EU-Strafzölle in der Höhe von 50 Prozent an. (schweizheute.ch)
