Trotz Eilnotiz aus dem Wetter-Amt: Bundesrat verzichtet auf ausserordentliche Lage
Dürre und kein Ende in Sicht. Die anhaltende Trockenheit setzt der Schweiz so stark zu wie seit mehr als 50 Jahren nicht mehr. Am Mittwoch beschäftigt die Lage nun auch den Bundesrat.
Am Montagmorgen erhielt das Bundesamt für Meteorologie den Auftrag, kurzfristig eine Lagebeurteilung für den Bundesrat zu erstellen. Der Auftrag kam offenbar aus dem Generalsekretariat von Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider, zu deren Departement das Amt gehört. Die Antwort erfolgte noch am gleichen Morgen mit einem Update am Nachmittag.
Die Einschätzung der Experten fällt deutlich aus: Auch wenn ab dem Wochenende vereinzelt Regen fallen sollte, reicht dieser bei weitem nicht aus, um das «extremale» Niederschlagsdefizit auszugleichen. Selbst regionale Regentage mit bis zu 20 Millimetern Niederschlag wären nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. Auch der erwartete Temperatursturz zum Wochenbeginn ändert daran wenig: In vielen Teilen der Schweiz ist es so trocken wie zu keinem Zeitpunkt seit Beginn der standardisierten Messungen im Jahr 1961.
Erste Infonotiz in diesem Sommer
Der Bundesrat stand zwar auch während der Ferien laufend im Austausch über die klimatische Ausnahmesituation. Die Infonotiz ist jedoch die erste ihrer Art in diesem Sommer. Ergänzt wurden die Wetterprognosen durch Einschätzungen von Trockenheitsexperten des Bundesamts für Umwelt.
Einen Einblick in deren Analyse liefert die nationale Trockenheitsplattform. Mit Ausnahme einiger südlicher Zipfel und der Urner Alpen stuft diese die aktuelle Trockenheit im Land als «extrem» ein. Einzelne Regionen dürfen in rund drei Wochen auf Entspannung hoffen. Entlang des Jurabogens hingegen sollen die Böden auch bis in den September hinein dürr bleiben.
Zum Grundwasser schreibt das Amt in seinem aktuellen Bulletin: «Die Grundwasserstände und Quellschüttungen sind weiterhin niedrig und die Tendenz ist überwiegend sinkend.»
Die Infonotiz soll dem Bundesrat als «Entscheidgrundlage» dienen, wie Meteoschweiz auf Anfrage mitteilt. Bereits vor Wochen forderte SVP-Nationalrat und Bauer Ernst Wandfluh, der Bundesrat solle die ausserordentliche Lage erklären. Diese kann gestützt auf das Landesversorgungsgesetz ausgerufen werden, wenn die Versorgung des Landes mit lebenswichtigen Gütern ernsthaft gefährdet ist.
Am Mittwoch erteilte die Regierung dem Anliegen eine Absage. Bundesratssprecherin Nicole Lamon bestätigte am Rande einer Pressekonferenz zwar, dass sich der Bundesrat über die aktuelle Klimasituation habe informieren lassen – insbesondere die Schweizer Landwirtschaft sei durch die derzeitige Situation stark gefordert. Die Regierung sei aber überzeugt, dass sich diese im Rahmen der aktuellen Gesetzgebung meistern liesse. «Der Bundesrat wird sich in Kürze erneut mit dieser Thematik befassen», schloss Lamon.
Umweltminister Albert Rösti lehnte die Forderung seines Parteikollegen bereits Anfang August ab. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sagte er: «Es braucht keine Krisensitzung des Bundesrats, um auf eine solche Situation zu reagieren.» Zwar sei dieser Hitzesommer dramatisch. «Aber es ist nicht der erste. Und es wird auch nicht der letzte sein.» (schweizheute.ch)
