Der Bund kürzt 100 Millionen Franken für den Wald – während Europa brennt
In den letzten Juli- und ersten August-Tagen klettern die Thermometer fast überall in Europa auf Rekordwerte. Die Durchschnittstemperaturen sind 3,05 °C höher als im Durchschnitt der letzten 30 Jahre. Auch in der Schweiz stehen alle Anzeichen auf Rekordsommer, der gar heisser werden soll als der Hitzesommer 2003.
Die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels sind direkt spürbar. Bis Mitte Juli sind laut der WHO über 10'000 Menschen der Hitze in Europa zum Opfer gefallen. Auch die irreversiblen Auswirkungen auf die Natur sind verheerend. Die Alpengletscher haben bereits Ende Juni ihre Schneedecke, die sie vor der Sonneneinstrahlung und der Hitze schützt, verloren. Expertinnen und Experten warnen vor einer Gletscherschmelze von mehr als sechs Metern im laufenden Sommer.
Europa brennt
Währenddessen toben in Frankreich, Griechenland und Spanien Waldbrände, die alle Durchschnittswerte der letzten zwei Jahrzehnte übertreffen. Die wochenlang anhaltende Hitze zusammen mit teilweise starkem Wind hat ideale Verhältnisse für Waldbrände geschaffen. Insgesamt sind bereits fast 500'000 Hektaren Wald-, Weide- und Buschfläche in Europa abgebrannt.
498'823 Hektaren entsprechen fast der Fläche des Kantons Wallis. Und die Brände wüten erst seit Anfang März. Aber gerade in den letzten 30 besonders heissen Tagen sind viele Feuer ausgebrochen, welche die Einsatzkräfte mit grosser Mühe unter Kontrolle bringen konnten oder immer noch brennen. In Spanien und Frankreich alleine sind 259'000 Hektaren abgebrannt seit Anfang Juni, wie die Satellitenbildauswertung des europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS zeigt.
Waldbrände in Spanien und Frankreich
Während den Rekordhitze-Monaten sind in Spanien und Frankreich über 300'000 Hektaren Fläche abgebrannt.
Die verheerenden Brände entflammten sich bereits im Juni und breiteten sich schnell aus, wie Satellitenbilder zeigen.
Robres, Spanien
Fläche abgebrannt: 2830 Hektaren
30.06.2026
Quelle: Copernicus
Fläche abgebrannt: 2830 Hektaren
01.07.2026
Quelle: Copernicus
Fläche abgebrannt: 2830 Hektaren
03.07.2026
Quelle: Copernicus
Cinco-Villas, Spanien
Fläche abgebrannt: 15'045 Hektaren
11.07.2026
Quelle: Copernicus
Fläche abgebrannt: 15'045 Hektaren
16.07.2026
Quelle: Copernicus
Fläche abgebrannt: 15'045 Hektaren
21.07.2026
Quelle: Copernicus
Fontainebleau, Frankreich
Fläche abgebrannt: 1953 Hektaren
10.07.2026
Quelle: Copernicus
Fläche abgebrannt: 1953 Hektaren
13.07.2026
Quelle: Copernicus
Fläche abgebrannt: 1953 Hektaren
20.07.2026
Quelle: Copernicus
Bordeaux, Frankreich
Fläche abgebrannt: 37'221 Hektaren
21.07.2026
Quelle: Copernicus
Fläche abgebrannt: 37'221 Hektaren
02.08.2026
Quelle: Copernicus
Madrid, Spanien
Fläche abgebrannt: 42'458 Hektaren
16.07.2026
Quelle: Copernicus
Fläche abgebrannt: 42'458 Hektaren
24.07.2026
Quelle: Copernicus
Fläche abgebrannt: 42'458 Hektaren
26.07.2026
Quelle: Copernicus
Fläche abgebrannt: 42'458 Hektaren
29.07.2026
Quelle: Copernicus
Onda, Spanien
Fläche abgebrannt: 9222 Hektaren
23.07.2026
Quelle: Copernicus
Fläche abgebrannt: 9222 Hektaren
28.07.2026
Quelle: Copernicus
Fläche abgebrannt: 9222 Hektaren
30.07.2026
Quelle: Copernicus
Viele der Feuer hinterliessen verbrannte Erde von weit über 10'000 Hektaren und brannten oft über mehrere Tage und Wochen. Der flächenmässig zerstörerischste Waldbrand tobte in der Region von Sierra Oeste und konnte nur rund 2,5 Kilometer vor Madrid gelöscht werden. Das Feuer vor der spanischen Hauptstadt breitete sich über 42'458 Hektaren aus. Rund ein Fünftel der gesamten Fläche, die in Spanien diesen Sommer gebrannt hat.
Während Spanien beinahe den jemals gemessenen Höchstwert der verbrannten Fläche im Juli verzeichnen muss, ist Frankreich bereits weit über dem bisherigen Spitzenwert. Der Hitzesommer trifft Frankreich besonders hart und Waldbrände bei Paris und Bordeaux hinterlassen beinahe 100'000 Hektaren verkohltes Land.
Glücklicherweise sind die meisten Grossbrände in Frankreich zum jetzigen Zeitpunkt unter Kontrolle. Doch brachen dafür im Süden Europas, spezifisch in Griechenland, in den letzten Tagen erneut Feuer aus.
Zwar sind die Feuer in Griechenland bisher nicht so zerstörerisch wie in anderen Jahren, doch haben die Meldungen von neuen Brandherden Anfang August stark zugenommen. Die starken Sturmwinde lassen das Feuer zudem schneller eskalieren und erschweren die Löscharbeiten. Am Sonntag sind zwei Helikopter der griechischen Feuerwehr beim Einsatz kollidiert. Zwei Menschen der Crew kamen dabei ums Leben. Bereits letzte Woche starben auf Kreta zwei Feuerwehrleute im Einsatz, während in Peoponnesea im Süden von Griechenland eine dritte Person bei Löscharbeiten ums Leben kam.
Das angerichtete Leid der durch den Klimawandel verursachten Flächenbrände für die Natur und die Menschen ist enorm und offensichtlich. Aber die Naturkatastrophen treffen auch die Staatskassen immer härter.
Kosten auf allen Ebenen
Die monatelangen Einsätze von Rettungskräften, der Verlust von Landwirtschaftsflächen, der Ausfall von Gewerbe und die nötige Aufforstung von verlorenen Waldflächen kosten die betroffenen Staaten jährlich mehrere Milliarden Euro.
Gerade in den letzten zehn Jahren sind die Schäden in die Höhe geschnellt. Den bisherigen Höhepunkt erreichten sie im letzten Jahr. 2025 sind durch Waldbrände weltweit geschätzt Schäden in der Höhe von fast 50 Milliarden Euro verursacht worden.
Für Europa stehen dieses Jahr alle Zeichen auf einem erneuten Rekordwert. Die «Financial Times» rechnet vor, dass die bisherigen Waldbrände in diesem Sommer bereits Kosten von rund 3,1 Milliarden Euro verursacht haben, was nur noch leicht unter dem EU-Rekordwert von 3,2 Milliarden aus dem Jahr 2021 liegt.
Auch in der Schweiz leiden die Wälder und Wiesen unter der Hitze. Zwar blieb die Schweiz in diesem Sommer bisher von grossflächigen Waldbränden verschont, doch ist die Gefahr enorm hoch, wie beispielsweise das landesweite Feuerverbot klar zeigt. Die Schweiz ist keineswegs immun gegen Waldbrände, wie der brennende Riederwald im Wallis vor fast genau drei Jahren gezeigt hat,
Forscherinnen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) warnen, dass ab 2040 die Waldbrandgefahr in den Voralpen deutlich steigen wird. Dazu kommt, dass sich verbrannte Flächen nicht innerhalb eines Jahres erholen. Sie benötigen Pflege und Neuaufforstung der verlorenen Waldflächen oder einfach viel Zeit.
Trotz alledem hat der Bundesrat letzte Woche entschieden, die Mittel für einen klimatauglichen Wald um 100 Millionen Franken zu kürzen. Begründet wurde der Entscheid mit den allgemeinen Sparvorgaben im Bundeshaushalt.
