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Faktencheck

«Mein Körper schafft das schon alleine»: 6 Corona-Impf-Aussagen im Check

Wenn es ums Impfen geht, wird’s schnell emotional. Die CH-Media-Redaktion hat Aussagen gesammelt, die ihr zugeschickt wurden – und untersucht, ob es sich um Fakten, Mythen oder Irrtümer handelt. Nachfolgend Teil 1.
10.09.2021, 10:5310.09.2021, 11:01
Bruno Knellwolf und Sabine Kuster / ch media

Das Vertrauen in den Körper

«Ich vertraue meinem Körper mehr als der Regierung. Falls ich Corona erwische, wird sich mein Körper schon selber anpassen und Antikörper bilden. Vor 500 Jahren gab es auch keine Impfung, und alle meine Vorfahren haben alle Viren überlebt.»

Das Gerücht der «Gentherapie» kursiert kaum noch, aber bei vielen bleibt ein Misstrauen in die mRNA-Impfung.
Das Gerücht der «Gentherapie» kursiert kaum noch, aber bei vielen bleibt ein Misstrauen in die mRNA-Impfung.
Bild: Salvatore Di Nolfi / keystone

Stimmt, vor 500 Jahren gab es noch keine Impfung wie vieles andere auch nicht. Aber das Impfprinzip wurde bereits vor 225 Jahren entdeckt. Unser Körper wird dabei mittels einer milden oder vorgetäuschten Form eines Virus dazu angeregt, im Körper eigene, natürliche Abwehrstoffe zu entwickeln.

Damit dann, wenn das Virus wirklich kommt, das Abwehrsystem sofort eingeschaltet wird. Mit dieser Vorsorge konnten tödliche Krankheiten wie Pocken oder Kinderlähmung besiegt werden. Und nein, der Körper und sein Immunsystem haben nicht auf jede Krankheit, jedes Virus und Bakterium eine Antwort.

Deshalb braucht es entweder Medikamente gegen die Krankheit oder noch besser eine Impfung, welche die Krankheit gar nicht entstehen lässt. Denn virale Infektionen können tödlich enden.

Die schweren Verläufe

«Auch Geimpfte stecken Leute an, genauso wie Ungeimpfte. Und sie haben ebenfalls schwere Verläufe.»

Ersteres stimmt absolut. Die Virenlast von geimpften Leuten, die sich dennoch infizieren, ist ebenso hoch wie bei Ungeimpften. Bloss sinkt sie viel schneller wieder, da der Körper zur Abwehr bereits Antikörper im Blut hat. Gerade wegen dieser Antikörper haben Geimpfte auch weniger schwere Krankheitsverläufe.

Ein Covid-Patient auf der Intensiv-Station
Ein Covid-Patient auf der Intensiv-Station
Bild: keystone

Es stimmt aber, dass vor allem ältere Personen manchmal trotzdem ins Spital müssen. Ihr Immunsystem hat vermutlich auf die Impfung zu wenig Antikörper gebildet. Das geschieht auch bei anderen Altersgruppen, denn die Impfung ist nicht perfekt und schützt etwa neun von zehn Personen genügend.

Das ist viel beispielsweise im Vergleich mit der Grippeimpfung (zwei bis sechs von zehn Personen). Die aktuellen Zahlen zeigen den Impfeffekt: Obwohl die Delta-Mutation gefährlicher ist, gibt es proportional zu den täglichen Fallzahlen deutlich weniger Todesfälle als im letzten Jahr, wo noch niemand (besonders nicht die Senioren) geimpft war.

Das schnelle Tempo

«Warum hat man gegen das HI-Virus noch nichts gefunden, aber Corona, das ging plötzlich so schnell?»

Schnell nach Ausbruch von Sars-CoV-2 in China war klar, dass das zu einer weltweiten Bedrohung werden wird. Wie noch nie in der Geschichte gab es einen Effort von Wissenschaft, Medizin, Industrie und Politik, um ein Gegenmittel zu entwickeln. Dazu wurde unter anderem die bereits seit längerem erforschte mRNA-Technologie verwendet, die in der Schweiz nun genutzt wird.

Die m-RNA-Impfung hilft gegen das Coronavirus. Möglicherweise auch bald gegen HIV.
Die m-RNA-Impfung hilft gegen das Coronavirus. Möglicherweise auch bald gegen HIV.
Bild: Shutterstock

Beim Ausbruch von Aids war die Situation eine andere. Gesucht wurde auch nach einer Impfung, das Virus ist aber komplexer. Zudem gelang es der Forschung, gegen die zu Beginn tödliche Krankheit Medikamente zu entwickeln. Die Therapien wirken gut und es gibt kaum mehr Ansteckungen. Der Druck, eine Impfung zu entwickeln, ist deshalb nicht mehr so gross. Trotzdem könnte es womöglich in Zukunft eine mRNA-HIV-Impfung geben.

Die fehlende Garantie

«Kein Arzt konnte mir bis jetzt garantieren, dass die Impfung zu 100 Prozent nicht schädlich ist.»

Falls Sie doch einen solchen Arzt finden, trauen Sie ihm nicht. Bei keiner Impfung und keinem Medikament kann das garantiert werden. Gerade Medikamente haben oft starke Nebenwirkungen, die man wegen der erwünschten Wirkung aber in Kauf nimmt. Bei Impfungen sind die Anforderungen höher, weil der Patient ja (noch) nicht krank ist.

Bei der Coronaimpfung kommt es selten zu ernsthaften Nebenwirkungen wie einer Herzmuskelentzündung bei vor allem jungen Männern (2,4 Fällen pro 100'000, 95 % davon nur mit kurzem Spitalaufenthalt laut Daten aus Israel) oder einer allergischen Reaktion. Ein Medikament oder eine Impfung werden nur dann zugelassen und empfohlen, wenn der Nutzen viel höher ist als das mögliche Risiko.

Bei der Corona-Impfung kommt es selten zu ernsthaften Nebenwirkungen.
Bei der Corona-Impfung kommt es selten zu ernsthaften Nebenwirkungen.
Bild: keystone

So können allergische Reaktionen gut mit Antihistaminen behandelt werden – und das Risiko einer Herzmuskelentzündung ist bei einer Coronainfektion um einiges grösser, es tritt bei elf Fällen auf 100'000 auf. Wobei ein möglicher Schaden am Herzen längst nicht das einzige Risiko bei einer Infektion ist.

Die eingeschränkte Freiheit

«Die Zertifikatspflicht schränkt die Freiheiten der Bürger ein.»

Stimmt. Diese Einschränkung basiert auf der «Covid-19-Verordnung besondere Lage» und ist deshalb rechtens. Sie wird nur so lange dauern, bis die Spitäler nicht mehr am Limit sind. Die Frage an die Adresse der Zertifikatskritiker lautet: Was hätte der Bundesrat in der aktuellen Lage mit überlasteten Intensivstationen sonst tun sollen, um die Hospitalisationen zu verringern?

Der indirekte Impfzwang

«Warum werden die Leute indirekt gezwungen, sich zu impfen? Jedes Mal, wenn ich gezwungen werde, etwas zu tun, dann weiss ich, dass etwas faul ist.»

Siehe auch Antwort 5. Was soll ein Staat tun, um eine Krise zu meistern und zu verhindern, dass in Spitälern mehr Leute sterben, weil die Behandlungsqualität leidet? Durch Bussen werden Sie übrigens indirekt auch dazu gezwungen, sich im Auto anzuschnallen.

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