Schweiz
Festival Fédéral

Mit Philipp Matthias Bregy, Fraktionschef der Mitte, am Gampel.

Video: watson/video
Festival Fédéral

Spielmacher Bregy und «der beste Job im Bundeshaus»

Niemand wollte seinen Job – dabei macht er Philipp Matthias Bregy zu einer der mächtigsten Personen im Bundeshaus. Unterwegs mit dem Mitte-Fraktionschef am Gampel.
28.08.2023, 05:5928.08.2023, 13:19
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Macht er einen Fehler – oder weigern sich seine Ständeräte, ihm zu folgen –, fällt das auf.

Kippt seine Partei, kippt schon mal der ganze Rat.

Spielt er clever, bestimmt seine Fraktion die Mehrheitsverhältnisse für rechts. Oder eben für links.

Philipp Matthias Bregy, Fraktionschef der Mitte. Eine der mächtigsten Personen im Bundeshaus. Qua Amtes, das niemand ausser ihm wollte zwar, aber item.

Sonntagnachmittag, Festivalgelände Openair Gampel. VIP-Bereich. Ein jährlicher Fix-Termin in Bregys Agenda. Ehrensache für den Walliser Nationalrat, sich zu zeigen. Voller Terminkalender hin oder her.

Ein Festzelt mit Bänken. Eine Bar. «Zum Wohl», klingt es gefühlt alle paar Minuten von allen Seiten.

Mittendrin Bregy, pudelwohl scheint er sich zu fühlen. Kurze Hosen, Käppi, ein Bier in der Hand.

Gampel Bregy
«Iischi Party» ist sein Heimspiel: unterwegs mit Mitte-Fraktionschef Philipp Matthias Bregy (rechts) am Gampel. Bier mit einem Kollegen inklusive.bild Sina Alpiger

Zweidrittel aller Anwesenden kenne er. «Als Politiker musst du dich für die Leute interessieren, sie zusammenbringen können.»

Und Menschen mögen. Was Bregy tut, offensichtlich.

Die Mitte befindet sich als potenzielle Mehrheitsmacherin im Parlament in einer speziellen Situation. Diese Fraktion zu führen: spannend. Oder, wie es Bregy sagt, mit leuchtenden Augen: «Einer der besten Jobs im Bundeshaus.»

Diese Fraktion zu führen ist aber auch: herausfordernd. Besonders für einen, der erst seit 2019 im Bundeshaus politisiert. Vergleichsweise kurz also. Bregy, nachgerückt, als Viola Amherd Bundesrätin wurde, steigt schnell auf. Zwei Jahre später schon wird er Fraktionspräsident der Mitte.

Festival Fédéral, Teil III
Weg vom Bundeshaus, mitten unter das Volk. watson begleitet im Wahljahr 2023 je ein Mitglied pro Bundesratspartei an ein Festival nach deren Wahl. Gefragt sind Authentizität, Spontanität und Dossierwissen. Einzige Bedingung: Die Teilnehmenden treten alle an zur Wiederwahl. Es machen mit: Diana Gutjahr (SVP/TG) am Strassenfestival Amriswil, Jacqueline Badran (SP/ZH) an der Street Parade, Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP/SG) an den Jazztagen Lichtensteig, Philipp Bregy (Mitte/VS) am Gampel.

45 Sitze stellt die Fraktion, bestehend aus ehemaliger CVP, BDP und EVP. Mehr Sitze hat nur die SVP.

Wie sich das anfühlt?

«Nicht anders als zuvor meine politische Arbeit im Wallis», sagt Bregy. Dort, im Walliser Grossen Rat, hatte er bereits vier Jahre als Fraktionschef gewaltet. Eine gute Schule sei das gewesen, weil in seinem Kanton, da schaue man auf- und zueinander. Gehe ans Limit. «Hart, aber fair», sagt Bregy. So führe er – im Wallis wie in Bern.

Seine Motivation als Fraktionschef? «Gestalten können. Täglich gute Arbeit leisten.» Er grinst. «Und hoffentlich Wahlen gewinnen.»

Wenn sich die Mitte lahmlegt

Bei Bregy – umgänglich, herzhaftes Lachen – klingt das nicht nach Knochenjob. Doch ohne viel Arbeit, ohne Absprachen geht es nicht. Und gut geht es auch dann nicht immer. Manchmal, da legt sich die Mitte-Fraktion gegenseitig lahm.

So geschehen in der Corona-Session im Frühling 2020 beim Thema Mietreduktionen, als sich Mitte-National- und Ständeräte uneins waren. Das Parlament war blockiert, eine Lösung musste auf die Sommersession vertagt werden.

Oder so geschehen kurzzeitig bei einem der wichtigsten Geschäfte dieser Legislatur, der AHV-Reform. Einige Mitte-Ständeräte stimmten eigensinnig, also anders als die Fraktionsmehrheit.

Oder so geschehen diesen Frühling beim Versuch, für AHV-Renten einen vollständigen Teuerungsausgleich durchzubringen. Einem von der Mitte lancierten Vorstoss übrigens. Auch hier: Einige Mitte-Ständeräte wurden zu Abweichlern, die Mehrheit war futsch.

Haben Sie ein Problem mit der Disziplin in Ihrer Fraktion, Herr Bregy? Spielen Ihre Ständeräte nach eigenen Regeln?

Bregy winkt ab: «In den meisten wichtigen Themen stimmt die Mitte geschlossen.» Natürlich aber seien das keine schönen Momente. Wer verliere schon gerne. Abweichler gebe es immer, auch bei der FDP, ja sogar bei SP und SVP. «Aber klar, die Pol-Parteien, die haben es diesbezüglich einfacher.»

Gampel Bregy
Der Sonntagnachmittag am Gampel: Ehrensache für den Walliser Nationalrat Bregy, sich zu zeigen.bild Sina Alpiger

Die Erklärung des 45-Jährigen für die Abweichler: «Im Schweizer Zweikammer-System fungieren die Ständeräte bewusst als Standesvertreter.» Mit entsprechend mehr Freiheiten. Manchmal halt nicht im Sinne der Fraktion. Dafür habe er als Föderalist und Vertreter eines Rand- und Bergkantons Verständnis.

Bregys Ziel: «Fraktionsintern hart um Positionen kämpfen, gegen aussen gemeinsam auftreten.»

«In der Mehrheit zu sein, macht die Verantwortung gegenüber Minderheiten umso grösser.»

Im VIP-Bereich des Gampel feiert (sich) die Oberwalliser Politprominenz, hauptsächlich Männer, das Profil wertkonservativ und bürgerlich. «Linke gibt es bei uns kaum», lacht Bregy.

Im deutschsprachigen Wallis sei die Mitte «klar die staatstragende Partei». «In der Mehrheit zu sein, macht die Verantwortung gegenüber Minderheiten umso grösser», sagt Bregy.

Und noch etwas ist ihm wichtig: «Der Wunsch nach konstruktiven Lösungen ist weiter verbreitet, als es scheint.» Dass die Polparteien oft laut schreien, mache deren Positionen nicht wahrer.

Ebenfalls anwesend, neben Bregys Familie, ist – wenig überraschend – Mitte-Ständerat Beat Rieder.

Bregy und Rieder. Rieder und Bregy. Häufig werden sie in einem Atemzug genannt, sie, beide Vertreter der Oberwalliser Mitte, der früheren CVPO.

Sind Partner in der gleichen Anwaltskanzlei, Freunde, verwandt.

Beide politisieren am rechten Rand der Mitte-Partei, weibeln gemeinsam für Vorlagen, Bregy im National-, Rieder im Ständerat. So haben sie bei der Konzernverantwortungsinitiative dafür gekämpft, dass der Initiative nur noch der von der Wirtschaft gewünschte Gegenvorschlag gegenübersteht. Oder im CO₂-Gesetz einen Klimafonds eingebaut (mit Geld für Bergregionen).

Die Staenderaete Hannes Germann, SVP-SH, Benedikt Wuerth, Mitte-SG, und Beat Rieder, Mitte-VS, von rechts, diskutieren mit Nationalrat und Mitte Fraktionschef Philipp Matthias Bregy, Mitte-VS, vor Sit ...
Auch im Bundeshaus, wie hier an der ausserordentlichen Session im April zur Rettung der CS, im Doppelpack: Ständerat Beat Rieder (Bildmitte) neben Nationalrat Bregy.Bild: keystone

Bregy begann als Praktikant in Rieders Anwaltskanzlei, erbte von ihm den Job als Fraktionspräsident im Walliser Grossen Rat, als Rieder 2015 nach Bern gewählt wurde.

Ihre Rollenverteilung, die beiden trennen 15 Jahre Altersunterschied, beschreibt die NZZamSonntag bei der Wahl von Bregy als Mitte-Fraktionschef wie folgt: «Die zwei spielen im Bundeshaus politisches Doppel, Rieder als Meister, Bregy als williger Lehrling.»

Ob das Bregy, den Jüngeren, nerve? «Überhaupt nicht», er habe der Zusammenarbeit mit Rieder viel zu verdanken. «Es ist wertvoll, in Beat einen Menschen zu haben, dem ich blind vertraue.» Und politisch sei es «ein Glücksfall», sich gegenseitig Pässe zuspielen zu können, bei denen es egal sei, wer das Goal mache.

Wasserkanonen neben der Hauptbühne sorgen für ein kleines bisschen Abkühlung in der Hitze. Die zahlreichen Kinder springen jauchzend durchs Wasser.

Die meisten Festivalbesucher hangeln sich sonnenscheuen Vampiren gleich dem Schatten entlang. Gut besucht sind Zelte und Festbänke ohne direkte Sonneneinstrahlung, hier wird, das Klischee stellt sich als wahr heraus, fleissig gebechert.

Ansonsten ist das Festivalgelände bereits ziemlich verlassen. In einem Ballermann-Zelt tanzen und singen Trunkenbolde, als wären sie beim Après-Ski und es nicht 36 Grad im Schatten. Der Geruch dort drin – schnell weiter.

Gampel Bregy
Bei 36 Grad im Schatten hilft zur Abkühlung nur Wasser.bild sina alpiger

Die laufende Legislatur geht in die Parteigeschichte ein als diejenige, in der die CVP starb. Die Mitte geboren wurde.

Ein cleverer, wenn auch stark umstrittener Schachzug von Parteichef Gerhard Pfister, um den Wählerschwund der einst stolzen Volkspartei zu stoppen. Brachte die CVP es 1995 noch auf 16,8 Prozent Wähleranteil, waren es bei den letzten Wahlen 2019 nur noch 11,4 Prozent.

Bregy war einer derjenigen, die den Namenswechsel bekämpften. «Im Oberwallis war die CVPO eine erfolgreiche Marke, daran wollte ich festhalten.» Als Fraktionspräsident müsse er heute anerkennen, gesamtschweizerisch gesehen sei die Strategie mit dem neuen Namen richtig gewesen.

Wie richtig, zeigt das neuste SRG-Wahlbarometer. Es sagt der Mitte 14,3 Prozent Wähleranteil voraus, ein Plus von 0,5 Prozentpunkten.

Und, spannend: Daraus könnte ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der FDP (14,6 Prozent) um Platz 3 resultieren. Sofern sich der Fehlerbereich von +/- 1,2 Prozentpunkten zugunsten der Mitte auswirkt.

Erhebt Bregy also Anspruch auf einen zweiten Bundesratssitz? Auf Kosten der FDP? Er schüttelt den Kopf: «Das Wahlresultat muss auf der Zeitachse Auswirkungen auf den Bundesrat haben. Aber wir haben immer gesagt, dass wir keinen amtierenden Bundesrat abwählen.»

Oder zumindest: nicht mehr.

Bei der Abwahl von Christoph Blocher 2007 zumindest war die Mehrheit von Eveline Widmer-Schlumpf nur dank der Stimmen der CVP möglich. Eine Retourkutsche an die SVP, weil vier Jahre zuvor CVP-Bundesrätin Ruth Metzler Blocher in der Landesregierung Platz machen musste?

Bregy kurz: «Keine Abwahl hat die Schweiz besser gemacht. Weder die von Blocher noch die von Metzler.»

Nicht mehr antreten im Dezember wird neben SP-Magistrat Alain Berset auch Bundeskanzler Walter Thurnherr (Mitte). Will Bregy diesen «achten Bundesrat» erneut für die Mitte gewinnen? Oder schwebt ihm vielleicht ein Tauschhandel vor? Bundeskanzler gegen einen zweiten Sitz? Wichtiger als die Partei sei beim «höchsten Beamten» die Person, sagt Bregy nur, ohnehin gelte es zuerst die Wahlen abzuwarten.

Der 7-jährige Maximilian wirft sich in Bregys Arme. Dieser strahlt, hebt den Kleinen in die Luft. Seine beiden Söhne – der zweijährige Jonathan ist bei den Grosseltern – sind sein ganzer Stolz. Davon zeugen auch zahlreiche Bilder, von Bregy auf Social Media geteilt.

Bregy
Familienmensch Philipp Matthias Bregy mit Ehefrau Nathalie und den Söhnen Jonathan und Maxilimian (rechts).bild zvg

Ehefrau Nathalie setzt sich mit einem Becher Wasser an die Festbank dazu. Bregys leben das klassische Familienmodell. Die Frau ist abgesehen vom 20-Prozent-Pensum in der Apotheke zu Hause und hauptverantwortlich für alle Care-Arbeit, der Mann unterwegs. Oft. Stört beide nicht, im Gegenteil: «Politik ist ein Familienprojekt», sind sich beide einig.

Einer hält dagegen. Sohn Maximilian findet: «Papa ist nie zu Hause – das ist doof.»

Die Verstimmung hält nicht lange, schon zählen Vater und Sohn eifrig zusammen Bundesräte auf («Nein, nein, Beat gehört da nicht dazu, der ist Ständerat, das weisst du doch.»).

Von den «15 bis 20 Einladungen», die Bregy pro Wochenende erhält, «im Wahljahr-Herbst dann wohl noch etwas mehr», wählt er zusammen mit seiner Frau diejenigen aus, die familientauglich sind. Die Kleinen, sie kommen mit.

Ein Blick auf Bregys Smartspider zeigt: Der Fraktionschef politisiert rechts der Mitte.

Bregy ist für höhere Hürden bei Einbürgerungen. Für tiefere Sozialhilfeleistungen.

«Überrissene Forderungen beim Klima scheitern. Wir müssen auf Anreize statt auf Verbote und Abgaben setzen.»

Wichtig sind Bregy mehrheitsfähige Vorlagen – besonders bei der Klimapolitik. «Überrissene Forderungen beim Klima scheitern», das hätten die Abstimmungen dieser Legislatur gezeigt. Man müsse «auf Anreize statt auf Verbote und Abgaben» setzen.

Der Klimawandel, so Bregy, werde sich nicht vollständig aufhalten lassen. «Daher sind auch Mittel bereitzustellen, damit sich insbesondere die Landwirtschaft und die Wirtschaft den Veränderungen anpassen können.»

Heimvorteil am Gampel?

Die Politikverdrossenheit in der Schweiz ist hoch, bei Abstimmungen wie Wahlen. Bei den letzten Nationalratswahlen 2019 lag die Wahlbeteiligung laut Bundesamt für Statistik BfS bei nur gerade 45,1 Prozent. Zum Vergleich: Noch in den 1950er-Jahren gingen rund 70 Prozent wählen.

Eine Herausforderung für Politiker und Politikerinnen ist es, zu mobilisieren.

Wir machen den Test, sprechen nach Zufallsprinzip Leute an. Bregy hat am Openair Gampel als Oberwalliser einen geographischen Heimvorteil, doch reisen Festivalgänger aus der ganzen Schweiz an.

Wie bekannt Bregy ist – und ob er gewählt werden würde –, siehst du im Video hier.

Video: watson/video

Was hat die Mitte in dieser Legislatur erreicht, Herr Bregy?

«Das knappe AHV-Ja des Volks vor einem Jahr wurde nur dank der Mitte mehrheitsfähig. Wir haben der Reform ein soziales Element eingefügt.» Es brauche ein Gleichgewicht. Weder eine rein wirtschaftliche noch eine rein soziale Herangehensweise seien zielführend.

Weiter erwähnt Bregy die parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) zum Fall Credit Suisse. Diese wird von Mitte-Ständerätin Isabelle Chassot (FR) präsidiert. Und damit, so Bregy, von einer «äusserst qualifizierten Person» für diesen «immens wichtigen Job».

Man sehe, sagt Bregy: «Die Mitte setzt eigene Schwerpunkte. Je nachdem stimmen Rechte oder Linke mit uns.» Die Mitte sei so viel mehr als nur eine Mehrheitsbeschafferin.

Ein Johlen dröhnt über das Festivalgelände. Auf der Hauptbühne spielt Stefanie Heinzmann – zusammen mit Überraschungsgästen wie Stress oder Francine Jordi.

Zahlreich versammeln sich die Menschen vor der Bühne. In ihrer Euphorie scheinen sie hitzeresistent zu sein.

Die Stimmung: bestens. Die Songs: lauthals mitgesungen.

Gampel Heinzmann
Stefanie Heinzmann, hier bei ihrem Auftritt am Gampel, ist im Wallis «eine von uns», wie Nationalrat Bregy stolz sagt.bild zvg OPenair Gampel

Auch Bregy ist begeistert: «Stefanie ist eine von uns.» Im Oberwallis sei sie eine Ikone. «Wir sind stolz auf sie.»

Irgendwo in der Menge steht jetzt auch Bregys Sohn Maximilian mit der Mutter.

Herausfordernd für die Mitte: der gesellschaftspolitische Bereich. Dort ist die Bandbreite an Meinungen gross. Riesig, eher.

Bregy ist – obwohl das inzwischen viele in der Fraktion anders sehen – gegen die Homo-Ehe.

Wie können Sie als Familienmensch dagegen sein, dass sich gleichgeschlechtliche Menschen auch amtlich lieben dürfen? «Ich bin nicht gegen die Homo-Ehe an sich», sagt Bregy. Liebe zu reglementieren, sei schwierig. «Ich habe im Parlament dagegen gestimmt, weil damit auch die Samenspende für homosexuelle Paare legal geworden ist.»

Die tut Ihnen doch nicht weh? «Mir nicht. Aber als Scheidungsanwalt weiss ich, dass Adoptivkinder Fragen zu ihrer Herkunft haben. Können diese Fragen nicht beantwortet werden, kann das zu Identitätskrisen bei den Kindern führen.» Daher brauche es hier Regeln.

«Ich akzeptiere, dass die gesellschaftliche Realität heute teilweise eine andere ist als meine Haltung.»

Es störe ihn, dass bei dem Thema kaum eine sachliche Diskussion möglich sei, es werde sogleich emotional.

Wie er als Chef die Fraktion eine? «Ich akzeptiere, dass die gesellschaftliche Realität heute teilweise eine andere ist und Ansichten individuell sind.»

Fokus auf Krankenkassen und Renten

Zu den wichtigsten Herausforderungen in der kommenden Legislatur – in der Bregy «sehr gerne» Fraktionschef bleiben will – zählt er die Gesundheitskosten und die Renten.

«Wir müssen die aus dem Ruder laufenden Krankenkassenkosten in den Griff bekommen.» Bregy nennt als Massnahme die «Kostenbremse-Initiative» der Mitte. Diese will, dass die Gesundheitskosten nicht stärker steigen als die Löhne.

Bei den Renten nimmt die Mitte einen erneuten Anlauf zur Abschaffung der Heiratsstrafe. Mit gleich zwei Initiativen will die Partei erreichen, dass die Diskriminierung von Ehepaaren bei den Steuern sowie den AHV-Renten behoben wird.

Ob nicht die Individualbesteuerung die zeitgemässere Lösung wäre? Bregy verneint, die sei «ein Bürokratiemonster». Und überhaupt: «Wir brauchen eine Lösung für die heute benachteiligten Verheirateten – nicht für die, die ohnehin getrennt besteuert werden.»

Der Blick am Gampel, er schweift hoch zu den mächtigen Bergen, die das Festivalgelände rahmen. Rechtsanwalt Bregy ist gläubiger Katholik.

Gampel Bregy
Die Walliser Berge umrahmen das Gampel. Der Glaube an Gott helfe Bregy, sich selber nicht für zu gross zu halten.bild sina alpiger

Ob Wissen und Glaube für ihn kein Widerspruch seien?

Bregy verneint, «selbst wenn man viel weiss, man weiss nicht alles». Glaube sei etwas Persönliches. Und hat für Bregy «immer auch mit Hoffnung» zu tun. Sei es nur, sich nach einem schlechten Tag für den nächsten einen guten Gedanken zu erbeten, Kraft zu tanken.

In der Schweiz gehe es «so vielen so gut». In seinem Umfeld versucht Bregy auch deshalb die Leute zum Wählen und Abstimmen zu bringen, «damit das so bleibt».

Der Glaube helfe, sich selber nicht für zu gross zu halten. Mache demütig.

«Man kommt, man geht», sagt Bregy, «Servir et disparaître, dienen und verschwinden, das gilt speziell auch für die Politik.»

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