Es sind aussergewöhnliche Nachrichten für den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Nordwestschweiz. In Basel soll das Botnar Institute of Immune Engineering (BIIE) entstehen, mit dem Ziel, die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auf der ganzen Welt zu verbessern.
Die Geldgeberin, die Fondation Botnar, kündigt an, dass das gemeinnützige und unabhängige Institut exzellente Forschung betreiben wird und dafür auch mit zwei der weltweit renommiertesten Hochschulen zusammenarbeiten soll: der ETH Zürich und der University of Oxford.
Wie die Fondation Botnar mit Sitz in Basel am Dienstag mitteilt, ist gar die Gründung eines Basel-Oxford Centre of Immune Engineering vorgesehen. In Aussicht gestellt werden Lehrstühle und Ausbildungsprogramme für Studierende und ein Zugang zu den klinischen Forschungskapazitäten der Universität Oxford. Die Stiftung lässt sich ihr neues Engagement etwas kosten. Insgesamt sollen dem BIIE über eine Milliarde US-Dollar zur Verfügung stehen, verteilt über einen Zeitraum von 15 Jahren.
Die Stiftung will im Allschwiler Bachgraben-Areal zudem einen Neubau errichten, der 2027 bereit stehen soll. Bis er steht, sieht die Geldgeberin vor, dass die Forschenden im 2023 in Betrieb genommenen Basler Ableger der ETH Zürich an der Klingelbergstrasse unterkommen, im Department of Biosystems Science and Systems Engineering (D-BSSE). Im BIIE werden laut Fondation Botnar künftig rund 300 Personen tätig sein. Für das Institut gründet die Fondation Botnar eine neue Stiftung, die «Foundation for Immune Engineering for Global Child and Adolescent Health» (FIE).
Wie die Fondation Botnar in einer Medienmitteilung am Dienstag schreibt, wird der Schwerpunkt der Arbeit des neuen Instituts auf der Entwicklung computergestützter Instrumente und immunbasierter translationaler Lösungen für die Diagnose, Behandlung und Prävention von Krankheiten liegen:
In der Medienmitteilung der Botnar Foundation wird unter anderem Christian Wolfrum, Vizepräsident für Forschung an der ETH Zürch, zitiert: «Die angestrebte enge Zusammenarbeit mit dem Institut für Immunologie in Basel wird die Entwicklung medizinischer Lösungen weiter beschleunigen (...).» Dass die BIIE-Forschenden wie vorgesehen fürs Erste im neuen ETH-Gebäude in Basel unterkommen könnten, sei eine «grosse Chance, eine dauerhafte Partnerschaft durch gemeinsame Lehrstühle, Ausbildungsprogramme für Studierende und gemeinsame Infrastrukturen zu entwickeln.»
Die Fondation Botnar ist eine Wohltätigkeitsstiftung, gegründet im Jahr 2003 von Marcela Botnar. Sie starb 2014 in der Schweiz und vermachte ihr gesamtes Vermögen der Botnar Foundation. Das habe, so hält es die Stiftung fest, auch dem Willen ihres Mannes Octav Botnar entsprochen.
Der Unternehmer und Philantrop war bereits 1998 im Alter von 84 Jahren verstorben. Die Botnars wurden vermögend mit dem Autogeschäft von Octav Botnar, das er im Vereinigten Königreich aufbaute. Ursprünglich stammten die Botnars aber aus Osteuropa: Sie wurde in Siebenbürgen geboren, er in Czernowitz, damals Österreich-Ungarn. Die Botnar Foundation gilt als eine der reichsten Stiftungen der Schweiz. Sie legt ihre Finanzen offen. Für das Jahr 2022 gab sie ihr Vermögen mit 3,5 Milliarden Franken an.
Die Botnar Foundation wurde in Basel einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, als sie 2018 die Gründung des Botnar Research Centre for Child Health (BRCCH) ankündigte. 100 Millionen Franken lässt sich die Stiftung dieses Engagement kosten. Für das Forschungszentrum, das, wie das nun angekündigte BIIE, dem Kindswohl dienen soll, ist ein Neubau an der Ecke Spitalstrasse/Schanzenstrasse vorgesehen. Das BRCCH wird laut Botnar Foundation mit der ETH Zürich und der Universität Basel zusammenarbeiten.