Schweiz
Bundesrat

Bäuerinnen fordern soziale Absicherung

Eine Baeuerin beim Heuen vor der Taminabruecke bei Valens im st. gallischen Taminatal am Mittwoch, 6. August 2015. Die Bauarbeiten an der groesste Bogenbruecke der Schweiz schreiten planmaessig voran  ...
Viele Bäuerinnen sind in der Schweiz nicht sozial abgesichert.Bild: KEYSTONE

Bäuerinnen fordern soziale Absicherung und stossen auf Widerstand – doch es gibt Hoffnung

28.01.2019, 04:5628.01.2019, 05:17

In der Schweiz erhalten rund drei Viertel aller Bäuerinnen keinen Lohn. Folglich erhalten sie weder Arbeitslosenentschädigung noch Mutterschaftsurlaub.

Gerade nach einer Scheidung kann dies existentielle Folgen haben. Ihnen bleibt dann nur die Minimalrente. Wenn es ganz bitter kommt, landen sie bei der Sozialhilfe. Laut dem «Tages-Anzeiger» holen sich deswegen immer mehr Betroffene beim bäuerlichen Sorgentelefon Rat.

Christine Buehler, Praesidentin Schweizerischer Baeuerinnen- und Landfrauenverband, am Abstimmungsfest des Komitees "Ja zur Fair-Food-Initiative" in der Aula des Progr, in Bern, am Sonntag,  ...
Christine BühlerBild: KEYSTONE

Christine Bühler, Präsidentin des Bäuerinnen- und Landfrauenverbands, kennt viele solcher Fälle. Sie kämpft bereits seit acht Jahren dafür, dass Bäuerinnen eine Entlöhung erhalten und sich sozial absichern können – bislang erfolglos. Bei ihren männlichen Kollegen konnte sie sich kein Gehör verschaffen.

Allerdings könnte sich das mit der Empfehlung des Bundesrates in seinem Bericht zur Agrarpolitik 2022 ändern. So schlägt er vor, dass Direktzahlungen nur noch an jene Haushalte gezahlt werden, in denen Frauen sozialversichert sind. «Eine Bombe im Hühnerstall», meint Bühler. 

Nationalrat Markus Ritter spricht an der Jahresmedienkonferenz "Landwirtschaft - ein wesentlicher Pfeiler der Gesamtwirtschaft" am Donnerstag, 3. Januar 2019, in Hergiswil bei Willisau. (KEY ...
Markus RitterBild: KEYSTONE

Bauernverbandspräsident Markus Ritter wollte sich bislang noch nicht zum Vorschlag aus Bundesbern äussern. Jedoch dürft sich seine Haltung seit letztem November nicht geändert haben. Damals sagte er gegenüber der «NZZ»: «Wir können doch nicht jedem Bauern vorschreiben, dass er seine Familie bezahlen muss». Bauern sollen dies selber entscheiden.

Der Bauernverband will in einem Monat einen Entschluss zur Empfehlung des Bundesrates fassen. Eine bedingungslose Zustimmung scheint aber eher unrealistisch zu sein. Ritter verweist auf die Tatsache, dass nicht alle Frauen in der Landwirtschaft hinter dem Vorschlag stehen. 

Damit hat er nicht unrecht. Bühler bestätigt das – und auch ihr wäre «die Verknüpfung an weniger existenzielle Beträge» lieber, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Trotzdem: Sie fordert, dass die Lohnpflicht für Bäuerinnen im Gesetzt verankert wird.

CAPTION CORRECTION: VORNAME --- Maya Graf, Nationalraetin Gruene-BL, spricht bei der Delegiertenversammlung der Gruenen am Samstag, 26. August 2017 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Maya GrafBild: KEYSTONE

Unterstützung erhält sie von den Nationalrätinnen Maya Graf (Grüne) und Alice Glauser (SVP). Letztere sagt, dass es in dieser Frage nicht darum geht, «ob man links oder rechts steht». Es gehe allein um die Rechter der Frau.

Graf fordert, dass die soziale Absicherung direkt an die Subventionen des Bundes geknüpft werden. Sie schätzt, dass die Diskussionen etwa zwei Jahre dauern dürften.

Vorerst bleibt aber abzuwarten, welche Haltung der Bauernverband zum Vorschlag des Bundesrates einnimmt. (vom)  

«Die Landwirtschaft kostet die Schweiz jährlich 20 Mrd.»:

Video: srf

So sehen erzürnte Bauern aus!

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So sehen erzürnte Bauern aus!
Sie bringen Heu und ihre Fäuste! Aber erst mal von vorne …
quelle: epa/epa / laurent dubrule
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