Erstmals nach Brandkatastrophe: Gemeindepräsident von Crans stellt sich der Bevölkerung
Heute Abend wird sich Nicolas Féraud, Gemeindepräsident von Crans-Montana, bei einer Gemeindeversammlung den Fragen der Bevölkerung stellen. Der Auftritt des 55-Jährigen wird mit Spannung erwartet: Es ist seine erste offizielle Konfrontation mit den Bürgerinnen und Bürgern seit der Brandkatastrophe in der Neujahrsnacht in der Bar «Le Constellation», die insgesamt 41 Todesopfer forderte.
Wie aus dem Programm der Gemeindeversammlung hervorgeht, soll die Tragödie vom 1. Januar gleich als erstes Thema des Abends behandelt werden. Die Lage ist angespannt: Der «Blick» berichtet, dass die Gemeinde bereits im Vorfeld zur Ruhe mahnt. Dritte, welche die Versammlung besuchen wollen, sollen so platziert werden, «dass sie den ordnungsgemässen Ablauf der Beratungen nicht stören», heisst es. Weiter ist es diesen nicht erlaubt, sich zu Wort zu melden. Bei nicht angemessenem Verhalten wird ihnen damit gedroht, den Raum verlassen zu müssen.
Konkret thematisiert sollen bei der Versammlung etwa die finanziellen Folgen der Brandkatastrophe werden. «Diese Tragödie stellt die Gemeinde vor eine ungewisse Situation hinsichtlich der mittel- und langfristigen finanziellen Folgen», heisst es im Programm. Der Gemeinderat wolle jedes Jahr eine umfassende Bewertung der Auswirkungen auf die Finanzen und das Vermögen vornehmen. Es seien bereits erste Massnahmen ergriffen worden.
Nicolas Féraud steht seit dem tödlichen Brand im «Le Constellation» unter Druck. Gegen ihn läuft wie gegen andere aktuelle und ehemalige Mitglieder der Gemeindeverwaltung eine Strafuntersuchung. Trotzdem hat der Gemeindepräsident darauf verzichtet, sein Amt abzugeben. «Ich verlasse das Schiff bestimmt nicht im Sturm», stellte er kurz nach der Brandkatastrophe klar. Auch im Juni bekräftigte er, im Amt bleiben zu wollen. Er sei gewählt worden, um die Lage in der Gemeinde zu regeln – nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Zeiten. (dab)
