Whatsapp-Chats belasten die Morettis schwer – Opfer-Anwalt sorgt für Eklat
Bisher stritt das Ehepaar Moretti vehement ab, sich der Gefahr eines Brandes durch den in der Bar verwendeten Isolations-Schaumstoff und durch die Nutzung der Wunderkerzen an Alkoholflaschen bewusst gewesen zu sein. Whatsapp-Nachrichten, die bei der Einvernahme der beiden Anfang Juni thematisiert wurden, legen aber nahe, dass die Barbetreiber durchaus eine Ahnung hatten, dass die Nutzung der Sprühkerzen gefährlich sein könnte. Das geht aus dem Protokoll der besagten Einvernahme hervor, wie die NZZ berichtet.
So schrieb Jessica Moretti 2019 in einer Whatsapp-Gruppe an ihre Mitarbeitenden, dass das Personal sehr gut aufpassen soll, wenn Gäste Alkoholflaschen mit Sprühkerzen möchten. «Bleibt, bis die Funkenfontäne erlischt», heisst es unter anderem. Oder auch: Falls Gäste sie «hochhalten und den Schaumstoff an der Decke anbrennen, dann brennt das Constel». «Constel» ist die Kurzform für die Unglücksbar, die ausgeschrieben «Le Constellation» hiess.
Trotz des kaum anders zu interpretierenden Wortlauts beharrte Jessica Moretti auch nach der Konfrontation mit der Passage, dass sie und ihr Mann sich der Gefahr nicht bewusst gewesen seien. Der Text sei humorvoll und nicht wörtlich zu verstehen gewesen:
Mindestens eine Person im Gruppenchat nahm die Nachricht aber wörtlich, diese antwortete: «Wir werden aufpassen, machen Sie sich keine Sorgen.»
Nachrichten suggerieren: Notausgang absichtlich blockiert
Auch Jacques Moretti warnte 2022 in Nachrichten von einem «Brandrisiko», er bezog sich dabei auf eine mögliche Gefahr wegen elektronischer Zigaretten. Er bezeichnete diese Nachricht gegenüber der Staatsanwaltschaft als normale Vorsichtsmassnahme.
Auch der blockierte Notausgang im Untergeschoss der Bar wurde von Jacques Moretti dem Anschein nach in Whatsapp-Chats thematisiert. Er fragte 2021, ob dieser «immer noch blockiert» sei. Eine Person in der Gruppe bestätigte dies, man lasse keine Türen offen. Den Morettis wird vorgeworfen, unter anderem auch von einem ehemaligen Mitarbeitenden, dass sie Türen auf Kosten der Sicherheit absichtlich geschlossen hielten, damit sich keine Personen unerlaubt Zutritt zur Bar verschaffen konnten. Die beiden Betreiber stritten dies bisher ab.
Opferanwälte verärgert über Verhalten der Morettis
Wie die SonntagsZeitung berichtet, kam es bei der Einvernahme auch zu emotionalen Ausbrüchen. Ein Opferanwalt beschuldigte die Morettis, sich permanent in Ausreden zu flüchten und forderte weniger Tränen und dafür mehr Wahrheit bei den Aussagen der beiden Barbetreiber. Jessica Moretti brach während der zehnstündigen Sitzung mehrfach in Tränen aus, unter anderem auch nach der Anschuldigung des Opferanwalts und einer Gegenrede ihres Ehemanns.
Die Staatsanwaltschaft schien in der Einvernahme angesichts der thematisierten Chat-Beweismittel den Moretti-Aussagen ebenfalls nicht viel Glauben zu schenken. Die Version der beiden bezüglich der Whatsapp-Nachrichten erscheine «wenig wahrscheinlich», so eine Staatsanwältin. Es sei hingegen wahrscheinlicher, dass sich die Morettis über die Gefährlichkeit der verwendeten Wunderkerzen in Kombination den Schaumstoffisolierungen im Klaren waren. Ein Opferanwalt verlangte deshalb, dass gegen die beiden Franzosen eine Klage wegen eventualvorsätzlicher Tötung erhoben wird. (con)
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