Schweiz
Justiz

Crans-Montana: Whatsapp-Chats belasten die Morettis schwer

Jacques and Jessica Moretti, owners of '"Le Constellation'", where 41 people died due to a fire during New Year celebrations, arrive surrounded by police officers for a hearing wit ...
Jacques und Jessica Moretti spielten den Inhalt der Whatsapp-Chats herunter.Bild: keystone

Whatsapp-Chats belasten die Morettis schwer – Opfer-Anwalt sorgt für Eklat

Aus Ermittlungsakten werden neue Details zur Brandkatastrophe in Crans-Montana bekannt. Die Barinhaber, das Ehepaar Moretti, sehen dabei nicht gut aus.
14.06.2026, 06:3214.06.2026, 07:02

Bisher stritt das Ehepaar Moretti vehement ab, sich der Gefahr eines Brandes durch den in der Bar verwendeten Isolations-Schaumstoff und durch die Nutzung der Wunderkerzen an Alkoholflaschen bewusst gewesen zu sein. Whatsapp-Nachrichten, die bei der Einvernahme der beiden Anfang Juni thematisiert wurden, legen aber nahe, dass die Barbetreiber durchaus eine Ahnung hatten, dass die Nutzung der Sprühkerzen gefährlich sein könnte. Das geht aus dem Protokoll der besagten Einvernahme hervor, wie die NZZ berichtet.

So schrieb Jessica Moretti 2019 in einer Whatsapp-Gruppe an ihre Mitarbeitenden, dass das Personal sehr gut aufpassen soll, wenn Gäste Alkoholflaschen mit Sprühkerzen möchten. «Bleibt, bis die Funkenfontäne erlischt», heisst es unter anderem. Oder auch: Falls Gäste sie «hochhalten und den Schaumstoff an der Decke anbrennen, dann brennt das Constel». «Constel» ist die Kurzform für die Unglücksbar, die ausgeschrieben «Le Constellation» hiess.

Trotz des kaum anders zu interpretierenden Wortlauts beharrte Jessica Moretti auch nach der Konfrontation mit der Passage, dass sie und ihr Mann sich der Gefahr nicht bewusst gewesen seien. Der Text sei humorvoll und nicht wörtlich zu verstehen gewesen:

«Sind Sie sicher, dass ich das geschrieben habe? Ich sehe nur, dass ich das im übertragenen Sinne sage und um darauf zu bestehen, dass man mit den Wunderkerzen aufpassen muss, aber in keinem Fall ist das wörtlich gemeint.»

Mindestens eine Person im Gruppenchat nahm die Nachricht aber wörtlich, diese antwortete: «Wir werden aufpassen, machen Sie sich keine Sorgen.»

Nachrichten suggerieren: Notausgang absichtlich blockiert

Auch Jacques Moretti warnte 2022 in Nachrichten von einem «Brandrisiko», er bezog sich dabei auf eine mögliche Gefahr wegen elektronischer Zigaretten. Er bezeichnete diese Nachricht gegenüber der Staatsanwaltschaft als normale Vorsichtsmassnahme.

Auch der blockierte Notausgang im Untergeschoss der Bar wurde von Jacques Moretti dem Anschein nach in Whatsapp-Chats thematisiert. Er fragte 2021, ob dieser «immer noch blockiert» sei. Eine Person in der Gruppe bestätigte dies, man lasse keine Türen offen. Den Morettis wird vorgeworfen, unter anderem auch von einem ehemaligen Mitarbeitenden, dass sie Türen auf Kosten der Sicherheit absichtlich geschlossen hielten, damit sich keine Personen unerlaubt Zutritt zur Bar verschaffen konnten. Die beiden Betreiber stritten dies bisher ab.

Opferanwälte verärgert über Verhalten der Morettis

Wie die SonntagsZeitung berichtet, kam es bei der Einvernahme auch zu emotionalen Ausbrüchen. Ein Opferanwalt beschuldigte die Morettis, sich permanent in Ausreden zu flüchten und forderte weniger Tränen und dafür mehr Wahrheit bei den Aussagen der beiden Barbetreiber. Jessica Moretti brach während der zehnstündigen Sitzung mehrfach in Tränen aus, unter anderem auch nach der Anschuldigung des Opferanwalts und einer Gegenrede ihres Ehemanns.

Die Staatsanwaltschaft schien in der Einvernahme angesichts der thematisierten Chat-Beweismittel den Moretti-Aussagen ebenfalls nicht viel Glauben zu schenken. Die Version der beiden bezüglich der Whatsapp-Nachrichten erscheine «wenig wahrscheinlich», so eine Staatsanwältin. Es sei hingegen wahrscheinlicher, dass sich die Morettis über die Gefährlichkeit der verwendeten Wunderkerzen in Kombination den Schaumstoffisolierungen im Klaren waren. Ein Opferanwalt verlangte deshalb, dass gegen die beiden Franzosen eine Klage wegen eventualvorsätzlicher Tötung erhoben wird. (con)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
6 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
manuel0263
14.06.2026 07:22registriert Februar 2017
Diese Herrschaften gehören selbstverständlich entsprechend verurteilt. Daa ändert aber nichts daran, dass der Kanton und die Gemeinde resp. die dafür zuständigen Personen ihre Kontrollpflicht jahrelang sträflich vernachlässigt haben. So kann und darf das ab sofort nie mehr gehandhabt werden.
291
Melden
Zum Kommentar
avatar
Dr. Atomi
14.06.2026 07:03registriert Juli 2024
Wie kann man eigentlich Nachts noch einschlafen, wenn man weiss dass neben der fahrlässigen Handlung auch noch bewusst Dinge so erzählt werden, dass man selber als Opfer da steht.
Ich hoffe die Justiz wird hier klare Worte finden und zwar für alle auch für Gemeinde Mitarbeiter.
281
Melden
Zum Kommentar
6
Lösegeld bei Ruag-Erpressung: Spielten US-Interessen eine Rolle? – die Sonntagsnews
Bundesrat Albert Rösti will die Einnahmen aus der CO2-Abgabe künftig in die Bundeskasse lenken und wegen sprachlicher Hürden kam es laut einer Sust-Untersuchung in der Westschweiz fast zu einer Zugkollision: Die Sonntagsnews.
Bundesrat Albert Rösti plant laut «NZZ am Sonntag» einen radikalen Umbau der Klimaabgaben. Demnach will er die CO2-Abgaben auf fossile Brennstoffe nicht mehr der Bevölkerung und der Wirtschaft zurückgeben, sondern das Geld soll vollumfänglich in die Bundeskasse gehen. Der Umweltminister wolle ab 2030 auf ein Emissionshandelssystem setzen. Mit dem Wegfall der CO2-Abgabe entfalle auch die heutige Rückverteilung, zitiert das Blatt Röstis Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Der Bund wolle mit den so generierten zusätzlichen Einnahmen von mutmasslich mehreren hundert Millionen Franken pro Jahr neue klimapolitische Massnahmen finanzieren. Die Menschen in der Schweiz erhielten das Geld bisher als Rabatt auf ihre Prämien für die obligatorische Krankenversicherung gutgeschrieben. Kritik komme auch aus Röstis eigener Partei, der SVP. «Wir sehen das sehr kritisch», zitierte die Zeitung den Solothurner Nationalrat Christian Imark.
Zur Story