Transfrau im Nacktbereich: Jetzt spricht eine Augenzeugin
Ist es transfeindlich, eine Transfrau aus einer explizit für Frauen reservierten FKK-Zone wegzuweisen? Oder müssen Frauen um Schutzräume bangen, wenn Personen mit Penis diese betreten dürfen, weil sie sich als Frau identifizieren?
Ein Vorfall im Marzilibad Bern vom späten Sonntagnachmittag befeuert in sozialen Medien und Kommentarspalten kontroverse Debatten. Eine Transfrau betrat mit einigen Kolleginnen das «Paradiesli», einen etwas versteckten Ort im Marzilibad, an dem Frauen frei von Männerblicken nackt sein dürfen. Einige Badegäste beschwerten sich über die Anwesenheit der Transfrau, die optisch – abgesehen von den langen Haaren – deutlich einem Mann glich: starke Körperbehaarung, Penis, wenn auch verdeckt durch einen Stringtanga.
Schliesslich legte die Berner Kantonspolizei, aufgeboten von der Badileitung, der Transfrau Handschellen an und führte sie auf den Polizeiposten. Sie wurde noch am Sonntagabend entlassen. Das Umfeld der Transfrau organisierte eine Spontankundgebung und verurteilte das Vorgehen von Badileitung und Polizei als transfeindlich.
Wie haben anwesende Frauen den Nachmittag erlebt, als die Situation eskalierte? Anna (Name geändert) besucht das «Paradiesli» seit 15 Jahren regelmässig. Auch am Sonntag genoss sie mit einer Freundin den heissen Sommertag in der exklusiv für Frauen reservierten Zone an der Aare. Die Transfrau habe sie im «Paradiesli» noch nie zuvor gesehen. «Wir sind tolerant. Wir befürworten sichere Räume auch für Transpersonen», sagt Anna gegenüber CH Media. Doch am Sonntag beschlich sie ein ungutes Gefühl. Die Transfrau wirkte sehr maskulin, nicht nur wegen der Geschlechtsteile. «Es war eine heikle Situation. Wir hätten es als übergriffig empfunden, die Transperson zu bitten, mittels Ausweis ihr Geschlecht zu beweisen», sagt Anna.
«Verspürten ein diffuses Unbehagen»
Sie hatte nicht das Gefühl, dass die Transfrau provozieren oder nackte Frauen sehen wollte. Doch Anna fühlte sich unwohl – auch, weil sie einmal einen sexuellen Übergriff erlebt hatte. Mit einer solchen Erfahrung wirke der Anblick einer Person mit Penis als Trigger. Anna und ihre Kollegin verliessen das «Paradiesli» schliesslich kurz vor dem Polizeieinsatz. Sie verspürten ein diffuses Unbehagen und fragten sich auch: «Sind wir etwa transfeindlich? Weshalb reagieren wir so?» Das Bauchgefühl habe sie jedoch dazu veranlasst, den Frauenbereich zu verlassen.
Die Diskussion über Transidentität sei ein Minenfeld. Anna wünscht sich aber auch, dass Schutzräume für Frauen erhalten bleiben. Und dass die Transgemeinschaft Verständnis für Frauen zeigt, die sich beim Anblick eines Penis unwohl fühlen.
Im Paradiesli erhalten Personen Einlass, die amtlich Frauen sind. Seit 2022 können Personen ihr Geschlecht unbürokratisch für 75 Franken ändern. Von Mann zu Frau und umgekehrt.

