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Neutralitätsinitiative: Warum der 1. August zum Kampftag wird

Verteidigungsbereit: Die drei Eidgenossen vor dem Bundeshaus, gespielt von der Bewegung NeutRealität.
Verteidigungsbereit: die drei Eidgenossen vor dem Bundeshaus, gespielt von der Bewegung NeutRealität.Bild: NeutRealität

Warum der 1. August zum Kampftag um die Neutralitätsinitiative wird

Christoph Blocher als Initiator der Neutralitätsinitiative spricht am Freitag in Interlaken. Die Bürgerbewegung NeutRealität wiederum geht in die Offensive gegen die Vorlage.
30.07.2026, 10:1530.07.2026, 10:18
Othmar von Matt, Benjamin Rosch / ch media

Die Bewegung NeutRealität wiederum kämpft im Umfeld des 1. Augusts mit 30 Reden auf Video und hundert Statements gegen die Neutralitätsinitiative. Die Reden stammen im Wesentlichen von Wirtschaftsvertretern und nicht von politischen Persönlichkeiten. Zudem hat die Bewegung eine Liste von 80 Expertinnen und Experten zusammengestellt, die sich zum Thema Neutralität äussern. Sie zeige, sagt Wiedmer, dass gut 90 Prozent die Initiative ablehnten.

Szene 2: Jetzt sind die Hellebarden weg. Die drei Eidgenossen vor dem Bundeshaus können sich nicht mehr frei bewegen: Ketten und Handfesseln halten sie gefangen.

Die Szenen stammen nicht etwa aus dem 19. Jahrhundert, sondern wurden vor Kurzem von der Bürgerbewegung NeutRealität nachgespielt – um plakativ aufzuzeigen, was die Neutralitätsinitiative von Christoph Blocher ihrer Meinung nach anrichtet. «Die drei alten Eidgenossen fesseln und entwaffnen sich selbst und lassen das Bundeshaus freiwillig schutzlos zurück», sagt Vorstandsmitglied Adrian Wiedmer. «Nur um den russischen Landvogt ja nicht zu verärgern.»

NeutRealität spielt damit auf Aussagen der Befürworter der Neutralitätsinitiative an, die Schweiz dürfe Russland trotz des Krieges gegen die Ukraine wegen der Neutralität nicht sanktionieren. «Christoph Blocher und Pro Schweiz als Begründer der Initiative wollen die Neutralität, eines der wichtigsten Identitätsmerkmale der Schweiz, instrumentalisieren», kritisiert Wiedmer.

Bürgerbewegung startet ihre Kampagne

Dass die Szenen mit den drei Eidgenossen kurz vor dem 1. August gedreht wurden, ist kein Zufall. Die Bürgerbewegung NeutRealität startet rund um den Feiertag ihre Kampagne gegen die Neutralitätsinitiative. Die Schweiz stimmt am 27. September über sie ab.

Plötzlich in Ketten: Die drei Eidgenossen spüren die Auswirkungen der Neutralitätsinitiative.
Plötzlich in Ketten: Die drei Eidgenossen spüren die Auswirkungen der Neutralitätsinitiative.Bild: NeutRealität

Der 1. August wird damit zum Start des Abstimmungskampfes und zu einem eigentlichen Kampftag. Auch Christoph Blocher, der am Ursprung der Initiative steht, nutzt den Tag. Er tritt am 31. Juli in Matten bei Interlaken auf. Dort steht die imposante Freilichtbühne der Tellspiele Interlaken. Am Samstag feierte «Tell unser Held» Premiere. Auch Blocher wird in seiner Festrede über den Schweizer Nationalhelden Tell reden. Sie findet im Rahmen der öffentlich zugänglichen Bundesfeier von Pro Schweiz statt. Der Verein führt die Kampagne für die Neutralitätsinitiative. Der Titel von Blochers Rede: «Tell. Freiheit. Neutralität. Unser Weg seit 1291».

Persönliche Angriffe gegen Armeegegner

In den Debatten um die Neutralität herrscht teilweise schon vor dem 1. August ein ruppiger Ton. Davon berichtet etwa der ehemalige Nationalrat und GSoA-Gründer Jo Lang. Er selber sei Ziel von persönlichen Angriffen geworden. So kam es etwa zu einem heftigen Wortgefecht am Schluss der Vollversammlung der Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA) vom 11. Mai, die das Nein zur Neutralitätsinitiative bekräftigt hatte. Unlängst hatte die «NZZ am Sonntag» thematisiert, dass diverse linke Splittergruppen die SVP-Initiative unterstützen würden. Das verneint Lang: «Der Polemiker trat als Vertreter der ‹Friedenskraft› auf. Diese Organisation vertritt als Covid- und Putinverharmloserin das Gegenteil der GSoA», sagt Lang.

Die Bewegung NeutRealität wiederum kämpft im Umfeld des 1. Augusts mit 30 Reden auf Video und hundert Statements gegen die Neutralitätsinitiative. Die Reden stammen im Wesentlichen von Wirtschaftsvertretern und nicht von politischen Persönlichkeiten. Zudem hat die Bewegung eine Liste von 80 Expertinnen und Experten zusammengestellt, die sich zum Thema Neutralität äussern. Sie zeige, sagt Wiedmer, dass gut 90 Prozent die Initiative ablehnten.

Alt Bundesrat Christoph Blocher spricht bei der 4. Mitgliederversammlung von Pro Schweiz, am Samstag, 18. April 2026 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Auch alt Bundesrat Christoph Blocher will sich im Abstimmungskampf engagieren.Bild: keystone

Die Bewegung war 2025 von drei Bündnern gegründet worden: Unternehmer Adrian Wiedmer, Rechtsdienstleister Raffael Büchi und Kinderarzt Pascal Mayer. Grund dafür waren die Neutralitätsdiskussionen rund um den Ukraine-Krieg. Als die Schweiz Russland mit Sanktionen belegte, bezeichnete Blocher dies als «Schändung der Neutralität». Es handelt sich um eine der Aussagen, die zur Gründung der Bürgerbewegung führten. Sie sorgte mit ihrem Lobbying sogar dafür, dass das Parlament auf einen Gegenvorschlag zur Neutralitätsinitiative verzichtete. Damit werden ihr kaum Chancen eingeräumt.

Die Bürgerbewegung tritt eigenständig auf

Die Bewegung NeutRealität ist unabhängig von Parteien, NGOs und Verbänden. Sie führt heute eine eigenständige Kampagne. Sie ist zwar im Austausch mit den Kampagnen von Economiesuisse und den Parteien sowie der NGO-Koalition, die sich ebenfalls gegen die Neutralitätsinitiative wehren. «Doch wir realisierten bald, dass unser Beitrag besser zur Geltung kommt, wenn wir alleine auftreten können», sagt Wiedmer.

Die Neutralitätsinitiative fordert, dass die immerwährende und bewaffnete Neutralität in der Bundesverfassung verankert wird. Zudem will sie einen Beitritt zu Militär- oder Verteidigungsbündnissen wie der Nato verhindern. Ferner soll sich die Schweiz nicht an militärischen Auseinandersetzungen zwischen Drittstaaten beteiligen und auch keine nichtmilitärischen Sanktionen gegen kriegführende Staaten ergreifen.

«Wenn wir nicht in einen Krieg oder internationale Konflikte hineingezogen werden wollen», heisst es auf der Homepage von Pro Schweiz zur Neutralitätsinitiative, «wenn wir weiterhin in Frieden und Sicherheit leben wollen, dann müssen wir konsequent, verlässlich und glaubwürdig neutral bleiben.» (schweizheute.ch)

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82 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Gina3
30.07.2026 10:32registriert September 2023
In einem kürzlich erschienenen Interview mit der Westschweizer Zeitung „Le Temps“ sagte ein ehemaliger Bundesrat:

“Aber leider ist das Geschichtswissen nicht mehr so verbreitet, wie es sein sollte.
Wenn Politiker der SVP immer wieder behaupten, die Neutralität sei unser bester Schutzschild, erscheint mir das schlichtweg realitätsfern.”

Samuel Schmid –
ehemaliger Bundesrat und für die SVP natürlich nur „Halber EX-Bundesrat”
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Amphibolurus
30.07.2026 10:37registriert Januar 2026
Ich freue mich jetzt schon darauf, dass die SVP im September zum dritten Mal dieses Jahres eine deutliche Abfuhr erhält.
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El_Chorche
30.07.2026 10:34registriert März 2021
Die Neutralität der Schweiz starb spätestens mit dem Auffliegen der Krypto-AG-Affaire.
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