Schweiz
Gesellschaft & Politik

Brandschutz Schweiz: Gastronomen finden Kritik an Massnahmen zu früh

In der Schweiz gerät der Brandschutz in den Fokus – Gastronomen finden Kritik zu früh

Politiker reagieren auf die Kritik am Schweizer Feuerschutz. Zu früh, finden Gastronomen.
08.01.2026, 10:2108.01.2026, 10:21
Benjamin Rosch / ch media

Die Katastrophe von Crans-Montana in der Silvesternacht wirft ein grelles Schlaglicht auf den Brandschutz in der Schweiz. Im In- und Ausland wird Kritik laut an zu laschen Vorschriften und Kontrollen, welche den Tod von 40 jungen Menschen mitverursacht hätten. Am deutlichsten formuliert diese wohl der italienische Vize-Ministerpräsident Mateo Salvini, der zum Rundumschlag gegen die «Verbrecher» in der Schweiz ausgeholt hatte.

feuerlöscher
Wie gut sind die Schweizer Brandschutzmassnahmen? Darum dreht sich die Diskussion nach dem Inferno in Crans-Montana.Bild: keystone

Zu reden geben in diesen Tagen unter anderem die geltenden Sicherheitsbestimmungen zur Verhinderung von Feuerkatastrophen. Deren Grundlage bieten die schweizerischen Brandschutzvorschriften (BSV), welche national einheitlich gelten. Sie regeln Fluchtwege, Sprinkleranlagen und den Einsatz von Baumaterialien für alle Gebäude – vom Einfamilienhaus bis zur Disco.

Die Umsetzung allerdings ist kantonal sehr unterschiedlich geregelt. Mancherorts übernimmt dies die kantonale Gebäudeversicherung, andernorts stehen die Gemeinden in der Pflicht.

In den vergangenen Jahren arbeiteten die kantonalen Baudirektorinnen und -direktoren der Schweiz daran, die geltenden Brandschutzvorschriften zu lockern. Inzwischen wurden die für dieses Jahr geplanten Liberalisierungen sistiert.

Portrait von Jacqueline de Quattro, FDP-VD, an der Sondersession des Nationalrats, am Montag, 5. Mai 2025 in der Wandelhalle des Nationalrats im Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Waadter-FDP-Nationalrätin Jacqueline De Quattro.Bild: keystone

Doch nun werden zunehmend Stimmen laut, welche in die andere Richtung steuern wollen: FDP-Nationalrätin Jacqueline De Quattro forderte sogar eine einheitliche nationale Brandschutzkontrolle. «Es braucht ein besseres System», sagte die ehemalige Waadtländer Regierungsrätin gegenüber SRF. Auch der Berner SP-Nationalrat Ueli Schmezer kritisierte bereits, dass die Schweiz zu sehr auf die Eigenverantwortung der Eigentümer setze.

Anonyme Kontrollen ohne Ankündigung

Alexander Bücheli ist Pressesprecher der Schweizer Bar und Club Kommission. Die Betroffenheit in Bezug auf die Brandkatastrophe in Crans Montana ist gross, trotzdem beobachte man die aktuelle Diskussion mit einer gewissen Skepsis: «Aufgrund des aktuellen öffentlichen Drucks befürchten wir, dass die Politik nun vorschnelle Schlüsse zieht», sagt er.

Aus Sicht der Schweizer Bar und Club Kommission steht die Schweiz in einem internationalen Vergleich beim Brandschutz gut da. «Pro Meter Notausgang darf man in der Schweiz beispielsweise weniger Menschen in einen Club lassen, als dies in Deutschland der Fall ist». In die selbe Kerbe schlägt auch der Gastronomieverband Gastrosuisse: «Die Brandschutzvorschriften sind in der Schweiz streng – auch im weltweiten Vergleich», lässt eine Sprecherin auf Anfrage verlauten.

Feuerlöscher
Bei den Brandschutz-vorschriften in Clubs würden regionale Unterschiede herrschen.Bild: Shutterstock

Allerdings existierten gemäss Gastrosuisse grosse regionale Unterschiede beim Vollzug. Die Bundesverfassung sieht im Bereich des Brandschutzes keine Bundeskompetenz vor. «Damit fällt der Erlass von Brandschutzvorschriften in die Kompetenz der Kantone», schreibt Gastrosuisse auf Anfrage.

In den Städten mit einem breit gefächerten Angebot im Nachtleben sind regelmässige Kontrollen Usanz. «In Zürich beispielsweise werden die Clubs mindestens einmal pro Jahr kontrolliert», erklärt Bücheli. Häufig geschehe dies unangekündigt und anonym – erst im Nachhinein erhielten die Clubbetreiber einen Bericht.

«Wir begrüssen solche Kontrollen, denn diese erhöhen für die Betreibenden nicht nur die Sicherheit im Umgang mit dem Thema Brandschutz, sie erhöhen auch im Alltag die allgemeine Sensibilität für dieses Thema», findet Bücheli.

The sealed off Le Constellation bar, where a devastating fire left dead and injured during the New Year's celebrations is seen in Crans-Montana, Swiss Alps, Switzerland, Friday morning, Jan. 2, 2 ...
Die abgebrannte Bar «Le Constellation» in Crans Montana.Bild: AP

Generell wünscht er sich Zurückhaltung: dass die Politik zuerst auf einen fundierten Bericht zu den Ursachen der Brandkatastrophe in Crans- Montana vorliegt. «Erst ein solcher kann Aufschluss darüber geben, ob und wie der Brandschutz in der Schweiz allenfalls angepasst werden muss». Gastrosuisse liess eine entsprechende Frage offen: Dies müssten Brandschutzexperten erörtern.

Fasnachts- und Ski-Hochburgen reagieren

Zumindest kurzfristig sorgt die gesteigerte Aufmerksamkeit vor allem dafür, dass die Behörden ihren Blick schärfen, um weitere Sicherheitsmängel in der Gastronomie zu entdecken. Besonders bemerkbar macht sich dies beispielsweise in jenen Orten, die aufgrund internationaler Skirennen in den nächsten Wochen zu Festhütten werden. In den Gemeinden Adelboden und Wengen trafen sich in den vergangenen Tagen die Gemeinderäte, um die örtlichen Betriebe zu stärkeren Kontrollen aufzufordern.

Nicht anders sieht es in Basel aus. Während der Fasnacht von Ende Februar öffnen sich unzählige kleinere und grössere Cliquenkeller, in denen Gäste bewirtet werden. Nicht alle davon verfügen über die nötigen Sicherheitsvorkehrungen, um bedenkenlos darin zu feiern. «Unsere fünf Gebietsverantwortlichen stehen den Betreiberinnen und Betreibern der Cliquenkeller zur Verfügung», kündigte Veronika Röthlisberger, Direktorin der Gebäudeversicherung Basel-Stadt, an. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Crans-Montana
1 / 5
Crans-Montana

Gegen die Barbesitzer:innen läuft nun ein Strafverfahren.

Auf Facebook teilenAuf X teilen
Pyrotechniker testet das Feuerwerk von Crans-Montana
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Nach Ständerats-Entscheid: 8 Grossbanken sollen Interesse an UBS-Fusion haben
Die UBS-Führung soll gekränkt sein, dass die Schweizer Politik sie viel stärker regulieren will, als sie sich das wünscht. Nun erwägen Ermotti und Co. offenbar einen internationalen Zusammenschluss.
Die Schweiz habe entschieden, «dass die UBS nicht willkommen ist»: So soll Colm Kelleher, der Verwaltungsratspräsident der UBS den Entscheid des Ständerats, die UBS zu 90 Prozent hartem Kernkapital zu verpflichten, quittiert haben. Darüber berichtet der «Sonntagsblick».
Zur Story