Nach tödlicher Juni-Hitze rollt nächste Welle auf die Schweiz zu
Die Hitzewelle von Ende Juni dürfte in der Schweiz viele ältere Menschen das Leben gekostet haben. In der letzten Juniwoche lag die Sterblichkeit bei den über 65-Jährigen laut den Zahlen des Bundes um 16 Prozent über dem erwarteten Wert. Die nächste Hitzewelle nimmt bereits Fahrt auf.
Vom 22. bis zum 28. Juni – während des Höhepunktes der ersten Hitzewelle – starben insgesamt 1278 Menschen im Alter von über 65 Jahren, wie den wöchentlichen Gesamtsterbefallzahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) zu entnehmen ist. Statistisch erwartet wurden in jener Woche durchschnittlich 1104 Todesfälle, also 175 weniger als effektiv gemessen.
Zuerst berichteten die Tamedia-Publikationen über die Daten. Die gemessenen Todeszahlen sind demnach vergleichbar mit einer mittleren bis stärkeren Grippewelle im Winter. Einen ähnlichen Ausschlag im Sommer gab es zuletzt im Juli 2015, der sich schliesslich in den zweitwärmsten Sommer seit Messbeginn einreihte.
Hitze als Todesursache
Als spezifische Todesursache wird Hitze meist nicht erhoben, allerdings lässt sich die Zahl der Betroffenen statistisch erfassen. Das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH), das die hitzebedingte Sterblichkeit im Auftrag des Bundes beobachtet, verbindet hierfür die gemeldeten Todesfälle mit den gemessenen Tagestemperaturen.
Den Schätzungen des Instituts zufolge kam es in der Schweiz in den vergangenen Jahren zu jeweils zu rund 500 hitzebedingten Todesfällen. Im Rekordsommer 2003 erfasste Swiss TPH rund 1400 zusätzliche Todesfälle, 2015 waren es deren 747. Die Daten werden mit Verzögerung veröffentlicht.
Hitze breitet sich erneut aus
Im laufenden Jahr nimmt nun bereits die zweite Hitzewelle Fahrt auf. Die Gefahrenstufe 3 galt am Mittwoch zunächst in den Niederungen der Alpensüdseite, im Wallis sowie im Gebiet vom Genfersee über das Seeland bis in die Nordwestschweiz. Die Höchsttemperaturen liegen dort zwischen 31 und 35 Grad.
Im Tessin, wo in weiten Teilen ebenfalls Gefahrenstufe 3 gilt, erreichten die Temperaturen in Locarno gemäss dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteoschweiz) gar mehr als 37 Grad.
Ab kommendem Freitag gilt die Hitzewarnung auch für die Gebiete am Jurasüdfuss zwischen Biel und dem Wasserschloss sowie für die Region Schaffhausen, wie dem Naturgefahrenbulletin des Bundes zu entnehmen ist. In den übrigen tiefgelegenen Gebieten der Deutschschweiz wird die Schwelle für eine Hitzewarnung demnach voraussichtlich nicht erreicht.
Waldbrandgefahr hält an
Die anhaltende Trockenheit hat zudem zu einer grossen Waldbrandgefahr in weiten Teilen der Schweiz geführt. In einigen Walliser Regionen und im Churer Rheintal herrscht seit Mittwoch gar die höchste Gefahrenstufe («sehr grosse Gefahr»), wie dem Naturgefahrenportal des Bundes zu entnehmen ist.
In den Kantonen Wallis, Tessin und in Teilen des Kantons Graubünden gilt deshalb ein absolutes Feuerverbot im Freien. Die meisten weiteren Kantone verbieten es, in Wäldern oder in Waldnähe Feuer zu entfachen. In den Zentralschweizer Kantonen Ob- und Nidwalden, Schwyz und Zug, in Teilen Berns sowie in der Waadt werden Feuer auf fest eingerichteten Stellen weiterhin toleriert. (sda)
