Schweiz
Gesundheit

Kinderspitäler melden Rekord bei Behandlung misshandelter Kinder

Kinderspitäler melden so viele Behandlungen misshandelter Kinder wie noch nie

2380 Kinder und Jugendliche sind im vergangenen Jahr nach einer vermuteten oder bestätigten Misshandlung an einer der 19 Schweizer Kinderkliniken behandelt worden. Das ist der höchste Wert seit Beginn der nationalen Datenerhebung im Jahr 2009.
06.07.2026, 09:2306.07.2026, 11:19

Die Zunahme gegenüber dem Vorjahr betrug 296 Fälle oder 14,2 Prozent, wie die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie am Montag mitteilte. Die häufigste Form der Misshandlung war mit 756 Fällen körperliche Gewalt, obwohl ihr prozentualer Anteil leicht zurückging.

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In der Schweiz wurden so viele Fälle von Kindermisshandlungen gemeldet wie noch nie.Bild: Shutterstock

Auch bei Vernachlässigung (699 Fälle) und sexuellem Missbrauch (325 Fälle) registrierten die Kliniken höhere Zahlen als im Vorjahr.

Besonders stark stieg die Zahl der psychischen Misshandlungen. Nach einem markanten Rückgang im Vorjahr wurden 2025 insgesamt 582 Fälle erfasst - 33,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem in der Unterkategorie «Miterleben häuslicher Gewalt» erhöhte sich die Zahl der betroffenen Kinder von 198 auf 371.

Mehr als 40 Prozent der betroffenen Kinder waren jünger als sechs Jahre. Die seit Jahren stabile Altersverteilung zeige, dass Säuglinge und Kleinkinder weiterhin besonders gefährdet seien, schrieb die Gesellschaft für Pädiatrie dazu.

In knapp 70 Prozent der Fälle stammten die mutmasslichen Täterinnen und Täter aus der Familie. Weitere vierzehn Prozent der Täterinnen und Täter gehörten zum Bekanntenkreis der betroffenen Kinder.

2025 verstarb ein Kind - im ersten Lebensjahr - an den Folgen körperlicher Misshandlung. 2023 waren vier Kleinkinder an den Folgen von Misshandlungen gestorben.

Wichtiges Instrument: Gefährdungsmeldungen

Für die Gesellschaft für Pädiatrie zeigen die Zahlen des vergangenen Jahrs, dass ein wirksamer Kinderschutz mit frühzeitiger Prävention und gezielter Unterstützung von Familien weiterhin bedeutend ist.

Sie schreibt auch, Gefährdungsmeldungen an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) blieben ein zentrales Instrument zur Einleitung verbindlicher Schutz- und Unterstützungsmassnahmen bei einer Gefährdung des Kindeswohls.

Am häufigsten als sicher beurteilt wurden 2025 wie in den Vorjahren Diagnosen von psychischen Misshandlungen. «Demgegenüber blieb die diagnostische Beurteilung bei sexuellem Missbrauch häufig anspruchsvoll», heisst es im Communiqué weiter.

2024 hatte sich die Zahl der vermuteten oder bestätigten Kindsmisshandlungen im Vergleich zu 2023 auf hohem Niveau stabilisiert. (dab/sda)

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